Fast fünf Euro für einen Lindt-Hasen - das hat doch früher nicht so viel gekostet. Beim Blick auf die Preise von Schokohasen dürften sich das schon viele Käufer gedacht haben. Und es ist nicht nur ein Gefühl: Die Schokoladenhersteller Lindt, Milka und Ferrero mit seiner Marke "kinder" haben ihre Preise im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht. Je nach Marke und Größe sind die Hasen im Mittel zwischen 7 und 29 Prozent teurer, wie eine Auswertung der Vergleichsapp smhaggle für die Deutsche Presse-Agentur zeigt.
Dabei sind die Kakaopreise am Markt schon wieder stark gesunken; derzeit ist Kakao so günstig wie seit zwei Jahren nicht mehr. Denn während das Produkt wegen der hohen Preise weniger nachgefragt wird, wird in Westafrika wieder mehr Kakao geerntet. Doch warum kosten die Schokohasen dann trotzdem so viel?
Preissenkungen kommen kaum bei Kunden an
"Leider stellen wir immer wieder fest, dass sinkende Rohstoffpreise erst sehr zeitversetzt zu reduzierten Preisen bei den Endprodukten führen", erklärt Heike Silber von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wird ein Rohstoff teurer, werde das hingegen sehr schnell an die Verbraucher weitergegeben. "Die Verbraucherzentralen kritisieren seit Jahren, dass die Preisbildung bei Lebensmitteln entlang der gesamten Wertschöpfungskette einer Blackbox gleicht und intransparent ist", so Silber.
Zwar gebe es durchaus Gründe, wenn Kakao und Süßwaren teurer würden. Oft sei aber unklar, worauf genau ein Preisanstieg bei Lebensmitteln zurückzuführen sei, fährt die Lebensmittel-Expertin fort. Denn Ernteausfälle und gestiegene Kosten für Rohstoffe und Verarbeitung könnten den Preisanstieg nicht vollständig erklären. "Wir vermuten, dass die Lebensmittelhersteller und -händler das Ostergeschäft noch ausnutzen, um mit den hohen Preisen Gewinne zu erzielen."
Lidl erklärt Anstieg mit Verhandlungspreisen
Dass sich der gesunkene Kakaopreis noch nicht im Osterregal erkennbar macht, erklärt der Discounter Lidl mit Sitz in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) so: Viele Rohstoffe - darunter Kakao - würden über längerfristige Verträge eingekauft. So wolle man sicherstellen, dass in der Saison ausreichend Rohstoffe und Verpackungsmaterial zur Verfügung stünden.
"Als Verhandlungsgrundlage gilt der jeweils zu dem Zeitpunkt gültige Kakaopreis", so ein Pressesprecher von Lidl. Kurzfristige Schwankungen am Weltmarkt wirkten sich deshalb zeitlich verzögert auf die endgültigen Preise aus.
Kunden kaufen Schokohasen nicht: Droht ein Preiskampf?
Gleichzeitig fällt auf, dass einige Supermärkte ihre Schokohasen aktuell teils stark reduzieren. Die Handelskette Kaufland aus Neckarsulm (Kreis Heilbronn) etwa reduziert den Milka-Schokohasen ab Donnerstag (26. März) um 60 Prozent, Lidl den Schokohasen von Milka (45 Gramm) ab Montag (30. März) um knapp die Hälfte. Aber auch andere Discounter und Supermärkte wie etwa Penny, Netto und EDEKA bieten in den Wochen vor Ostern ähnliche Vergünstigungen an.
Ähnliches war Ende 2025 beim Verkauf der Schoko-Weihnachtsmänner zu beobachten. Zwischen den Discountern entbrannte ein regelrechter Preiskampf, wie der SWR berichtete. Der Grund: Wegen der hohen Preise bekamen die Ketten ihre Produkte nicht mehr los. Passiert das jetzt auch mit den Schokohasen?
Expertin: "Bei hohen Preisen wird in der Regel weniger gekauft"
"Bei hohen Preisen wird in der Regel weniger gekauft", antwortet Heike Silber von der Verbraucherzentrale. Oder die Verbraucher warteten ab und spekulierten darauf, dass es kurz vor Ostern noch Rabattaktionen gibt. Genau ließe sich das aber nicht voraussagen. "Es ist jedoch davon auszugehen, dass solche Preissenkungen eintreten, um die schon produzierte Osterware noch verkauft zu bekommen", so die Expertin.
Lidl und Kaufland wollen sich zu Fragen der Preisgestaltung auf Anfrage des SWR nicht äußern. Dennoch kann es sich lohnen, die Entwicklung der Preise bei Schokohasen in diesem Jahr besonders genau zu beobachten. Denn Abwarten kann sich möglicherweise lohnen.