Preisexplosion

Schokolade: So teuer war sie noch nie

Ein Stückchen Weihnachtsfreude - die dieses Jahr bitter schmeckt: Schokolade ist Weihnachten 2025 teuer wie nie. Obwohl Kakao auf dem Weltmarkt gerade wieder billiger ist.

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Von Autor/in Laura Wolf RBB Supermarkt

Wenn der Lindt-Weihnachtsmann gute sechs Euro kostet, heißa, dann ist Weihnachtstag? Schaut man sich die aktuellen Schokoladenpreise in den Supermärkten an, sieht es ganz danach aus.

Um 54 Prozent teurer im Vergleich zu 2020 ist der Sechs-Euro-Mann von Lindt laut Verbraucherzentrale Hamburg. Und das ist noch nicht einmal die krasseste Preissteigerung. Teils haben sich die Schokoladenpreise verdoppelt.

Die Begründung der Hersteller: Die gestiegenen Kakaopreise seien schuld. Doch stimmt das? Oder gibt es andere Gründe für die horrenden Preise?

Für Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg steht fest, dass multinationale Konzerne, die hinter der Supermarkt-Schokolade stehen, die hohen Preise vor allem behalten wollen. Hinzu kämen ausgeklügelte Preistricks - und schon stünden Verbraucher den Rekordpreisen ohnmächtig gegenüber.

Rekordpreise für Kakao als Grund für teure Schokolade?

Lag der Kakaopreis für eine Tonne jahrelang zwischen 2.000 und 3.000 Euro, schoss er Ende 2024 auf über 12.000 US-Dollar pro Tonne. Inzwischen hat er sich zwar fast wieder halbiert, bleibt damit aber auf vergleichsweise hohem Niveau.

Hauptgrund für den Höhenflug: schlechte Ernten in Westafrika wie in Ghana und an der Elfenbeinküste sowie Spekulationen an den Börsen, die den Preis zusätzlich nach oben trieben. Denn eigentlich fiel die weltweite Ernte nur leicht geringer aus, da es andernorts Rekordernten gab. Dennoch explodierten die Preise.

Ein Zeichen dafür, wie verrückt der Markt sei - und wie hoch die Margen, wenn die Unternehmen bereit seien, so viel zu bezahlen, wirft Friedel Hütz-Adams ein, Kakaomarkt-Experte am Südwind Institut für Ökonomie und Ökumene.

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Trotz sinkender Rohstoffpreise keine Günstig-Schokolade

Jetzt, wo sich die Ernten bessern, sinken die Rohstoffpreise wieder. Doch die Preise im Supermarkt bleiben hoch. Das liegt zum Teil auch an den Einkaufspraktiken der Händler und langfristigen Lieferverträgen.

Doch laut Hütz-Adams nutzen einige Hersteller die Schwankungen auch für Extra-Gewinne: Schokopreise hoch, obwohl noch günstigerer Kakao im Umlauf war.

"Wenn ich heute Kakao kaufe, dann ist der erst in zwei, drei, vier Monaten als Schokolade hier im Regal", so Hütz-Adams.

Wenn er dann aber sehe, dass die Schokoladenpreise zum Teil stiegen, sobald der Weltmarktpreis stiege, frage er sich schon, ob die Unternehmen nicht einen bestimmten Gewinnpuffer haben würden, um "jetzt auch schnell zu senken".

Teure Schokolade trotz weniger Kakaogehalt

Auch Chocolatier Reimar Philipps spürt die Schwankungen beim Kakaopreis. In seiner Berliner Manufaktur "Rosa Canina" entsteht Schokolade von Hand. Philipps kauft seine Kakaobohnen direkt von Farmen, etwa in Tansania, Peru oder Vietnam - bio, fair bezahlt, ohne Börsenspekulation.

Der Preis sei von 9 Dollar auf 13,5 Dollar gestiegen, so Philipps. Beim Industriekakao sei der Preis in den letzten zweieinhalb Jahren hingegen von 2 Dollar auf 10 Dollar gestiegen.

Für seine Kunden habe der Preisanstieg bedeutet, dass sie für die 50 g-Tafel nicht mehr 6,90 Euro, sondern 7,90 Euro zahlen müssten. In der Industrie sehe die Rechnung anders aus, so Philipps. Hier werde weniger Kakao verwendet, dafür mehr Zucker.

Eine Kakaofrucht enthält 30 bis 50 Kerne; daraus lässt sich unterschiedlich viel Schokolade gewinnen. Bei Philipps reichen diese Kerne für ein bis zwei Tafeln.

Bei einer Industrie-Schokolade, bei der der Kakaogehalt im Schnitt 30 Prozent sei, könne aus einer Frucht die dreifache Menge produziert werden, so Philipps. "Das heißt, die machen dann da sechs Tafeln draus."

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Der Preisvergleich am Schokoladenregal – mit Steigerungen von bis zu 200 Prozent

Aber wie viel teurer ist die gängigste Weihnachtsschokolade denn nun wirklich geworden? Der Blick auf die Schokoladenregale in Supermärkten und Discountern soll die Antwort geben.

Im Preisvergleich der gängigsten Weihnachtsschokoladen der Eigenmarken von Aldi, Lidl und Edeka. Zusätzlich Erzeugnisse von Milka, Ritter Sport, Kinder und Lindt. Zwischen zwei Euro und fast 30 Euro - für einen Adventskalender - ist alles dabei.

Gerade an Weihnachten seien Verbraucherinnen und Verbraucher bereit, Geld auszugeben, so Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg. Das werde zum Teil schamlos ausgenutzt. Stimmt das?

Mithilfe der Preisvergleichs-App Smhaggle und der Verbraucherzentrale hat die ARD-Verbraucherredaktion die Preisentwicklung der jeweiligen Produkte in den letzten Jahren nachvollzogen:

Der Kinder-Weihnachtsmann für 110 g ist seit 2022 um rund 45 Prozent teurer geworden. Der Milka Weihnachtsmann für 90 g um rund 50 Prozent. Bei Lindt stiegen die Preise je nach Produkt - etwa 30 Prozent seit 2023 beim Adventskalender - bis zu 54 Prozent seit 2020 beim 125 g-Weihnachtsmann. Und auch der Preis einer 100 g-Ritter-Sport-Tafel ist seit 2022 um rund 67 Prozent gestiegen.

Die Schoko-Lollis von Aldi (Nord) und Lidl sind seit 2022 um rund 109 Prozent teurer geworden, der Preis hat sich also mehr als verdoppelt. Der Preis des Edeka-Weihnachtsmannes von Gut & Günstig ist sogar um 202 Prozent gestiegen - eine Verdreifachung des Preises.

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Langfristige Verträge binden die Schokoladen-Hersteller

Um Stellungnahme gebeten, verweist Edeka auf gestiegene Rohstoff-, Energie- und Personalkosten. Für saisonale Ware würden die "Preise und Rohstoffverträge (...) meist schon im ersten Quartal eines Jahres zu den dann gültigen Konditionen festgelegt."

Auch Lindt kauft Kakao nach eigener Aussage langfristig ein. "Es wird deshalb noch einige Zeit dauern, bis wir den Effekt gesunkener Kakaopreise spüren." Außerdem investiere man weiter in Qualität und Produktion.

Lidl schreibt:

Sobald sich die Einstandspreise bei unseren Lieferanten reduzieren, werden wir diese Preisvorteile unmittelbar an unsere Kunden weitergeben.

Hört sich gut an - doch keiner sagt, wann die Schokolade wirklich wieder günstiger wird.

Schokoladen: steigende Preise einerseits, weniger Gewicht andererseits

Eine Strategie, um Preiserhöhungen zu verstecken, ist die sogenannte Shrinkflation: Die gleiche Verpackung hat weniger Inhalt. So geschehen zum Beispiel bei verschiedenen Milka-Schokoladen, eine Tafel wurde von 100 auf 90 Gramm geschrumpft.

Die Verbraucherzentrale Hamburg klagt deshalb gegen Milka vor dem Landgericht Bremen. Mondelez, der Hersteller von Milka, erklärt, Transparenz habe "höchste Priorität" - deshalb sei das neue Gewicht jeder entsprechenden Tafel "deutlich auf der Produktverpackung angegeben".

Die Verbraucherzentrale Hamburg widerspricht dem, ein deutlicher Hinweis fehle, lediglich im Kleingedruckten könne man die neue Gewichtsangabe finden. Zum laufenden Verfahren äußert sich das Unternehmen nicht. Eine Entscheidung wird im kommenden Frühjahr erwartet.

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Auch bei den Weihnachtsmännern hat Milka laut der Verbraucherzentrale das Gewicht reduziert: Vor 2020 waren es 50 Gramm, heute sind es 45 Gramm.

Arbeitet Lidl nach einem ähnlichen Prinzip? Den Favorina-Weihnachtsmann mit 200 Gramm, den es laut Preis-App Smhaggle 2024 noch gab und den Lidl nach eigenen Angaben auch weiterhin im Angebot habe, finden wir in keiner der besuchten Filialen - stattdessen überall nur die kleine 110-Gramm-Version, die pro 100 Gramm sogar teurer ist. Lidl schreibt, man wolle den Kunden "eine breitere Auswahl anbieten."

Gerade bei Saison-Artikeln sei es schwierig, den Preisanstieg zu erkennen - kein Mensch habe zuhause noch einen Weihnachtsmann aus dem letzten Jahr, um auf der Packung nachzuschauen, wie viel Inhalt er im letzten Jahr hatte, sagt Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale.

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Kakao wird also billiger - Schokolade nicht. Zwischen Rohstoffpreisen, Preistricks und Marketing bleibt sie erstmal ein Luxusgut.

Wer sparen will, sollte genau hinschauen: auf den Preis pro 100 Gramm und aufs Gewicht, das oft im Kleingedruckten auf der Verpackung versteckt ist.

Und dann gebe es immer Sonderangebote, auch vor Weihnachten, so Armin Valet. Da könne man eher zugreifen, da die Preise zum Teil extrem gesenkt würden. Wenn es vor Weihnachten eine Konsumflaute gebe, sei die Wahrscheinlichkeit für solche Aktionen deutlich höher, so sein Tipp.

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