Die Preise für Schokolade sind deutlich gestiegen. Laut Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Heilbronn, haben sich die Preise verdoppelt. Die Kunden greifen nicht mehr zu und die Discounter reagieren mit deutlichen Rabatten. Gleichzeitig übt Eberhard Schell, Konditor und Inhaber der gleichnamigen Schokoladenmanufaktur in Gundelsheim (Kreis Heilbronn), Kritik: Schokolade sei viel zu lange viel zu billig gewesen.
Ist Schokolade Luxus? Die Kunden greifen nicht mehr zu
"Man hat […] den Eindruck, dass gerade die Weihnachtsmänner schon fast wie Blei in den Regalen liegen", so Rüschen zum Weihnachtsgeschäft im SWR-Interview. Generell könnte Schokolade zum Luxusgut werden. Bei doppelt so hohem Preis im Vergleich zum Vorjahr sei für viele Kundinnen und Kunden die Schwelle erreicht. Dann würden sie das Produkt nicht mehr kaufen. Hinzu komme die sogenannte Shrinkflation - also kleinere Packungsgrößen bei gleichzeitig höherem Preis. Das veranlasse viele Konsumentinnen und Konsumenten dazu, bestimmten Marken den Rücken zu kehren.
Discounter starten Preiskampf bei Schokolade zu Weihnachten
Das scheinen die Discounter zu spüren. Zuletzt gab es schon deutliche Rabatte - beispielsweise bei Aldi. Jetzt kündigte Lidl mit Sitz in Bad Wimpfen (Kreis Heilbronn) weitere Rabatte bei der Markenschokolade an.
Demnach soll die Tafel Milka-Schokolade in der kommenden Woche um 55 Prozent reduziert werden. Auch andere Ketten ziehen mit. So haben Medienberichten zufolge auch Aldi, Penny, Rewe und wohl auch Kaufland die Preise für Schokolade bereits gesenkt. Auf SWR-Anfrage wollte sich Kaufland nicht zur aktuellen Preisgestaltung äußern.
Schokolade wird teurer: Rohstoffpreise enorm gestiegen
Dass die Schokolade überhaupt so teuer wurde, liegt laut Handelsprofessor Rüschen an gestiegenen Rohstoffkosten. Vor allem der Kakao-Preis hat ihm zufolge in der Spitze um 500 Prozent zugenommen. Das bestätigt auch Eberhard Schell. Allerdings sagt er auch, die Kundinnen und Kunden seien zu lange von zu niedrigen Schokoladenpreisen verwöhnt worden. Seiner Meinung nach müsste Schokolade generell teurer sein, als sie es die letzten Jahre gewesen sei.
Er kritisiert vor allem, dass die Kakaobauern selbst nach den Preissteigerungen noch zu wenig verdienten. Die großen Marken würden für das Kilo Kakao nur etwa die Hälfte von dem bezahlen, was die Kakaobauern in Afrika oder Südamerika zum Überleben bräuchten, so Schell im SWR-Gespräch.
Klimawandel schuld? Konditor vermutet Spekulationen
Zwar sei auch der Klimawandel ein Problem, laut Schell aber haben vor allem Spekulationen an der Börse zu den extremen Steigerungen des Kakaopreises geführt.
Als bio-zertifizierter Betrieb zahle er schon immer mehr für seinen Kakao. Da er auch Zwischenhändler umgehe, habe die Preissteigerung bei ihm nicht so sehr zu Buche geschlagen. Er spricht davon, dass für ihn der Preis rund 30 Prozent gestiegen ist, das müsse er an die Kunden weitergeben.
Viele Besucher schon bei der Eröffnung Schokomarkt in Tübingen - Genuss trotz hoher Preise
Tübingen hat sich in ein Schoko-Paradies verwandelt. Das deutschlandweit größte Schokoladenfestival chocolART hat begonnen. Tausende Besucher werden bis Sonntag erwartet.
Schokolade könnte dauerhaft teuer bleiben
Aktuell gehe der Kakaopreis wieder zurück. Laut Schell liegt er aber immer noch beim Dreifachen im Vergleich zu der Zeit vor den Steigerungen. Daher glauben weder er noch Rüschen daran, dass die Schokoladenpreise wieder sinken werden. "Wir […] als Kunden [müssen] damit rechnen […], dass Schokolade teuer bleibt", so Rüschen im SWR-Interview. Schell würde sich wünschen, dass davon dann auch mehr bei den Kakaobauern ankommt. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Rabatte in den Supermärkten nach Weihnachten anhalten werden oder die Preise wieder in die Höhe schießen.