Tödliche Verkehrsunfälle

Wie sicher sind Städte in BW für Fußgänger?

Immer wieder gibt es tödliche Verkehrsunfälle mit Fußgängern in BW, zuletzt in Schramberg. Wie Fußgänger geschützt sind, welche Unfälle sich verhindern lassen - und welche nicht.

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Von Autor/in Katharina Kurtz

Der tödliche Verkehrsunfall in Schramberg (Kreis Rottweil) hat die Menschen erschüttert. Und er erinnert an weitere schwere Verkehrsunfälle mit Fußgängern in Baden-Württemberg: Im Mai 2025 war eine Fußgängerin in Stuttgart am Olgaeck gestorben, im Herbst 2024 kamen in Esslingen eine Mutter und zwei Kinder auf einem Gehweg ums Leben, im Sommer 2024 hatte es einen tödlichen Unfall mit Fußgängern in Nürtingen (Kreis Esslingen) gegeben.

Die Fälle sind nicht miteinander vergleichbar und doch drängt sich immer wieder die Frage auf: Wie können Fußgängerinnen und Fußgänger im Straßenverkehr besser geschützt werden?

Unfälle wie in Schramberg sind sehr selten

Schwere Verkehrsunfälle mit Fußgängern wie zuletzt in Schramberg hält der Unfallforscher Siegfried Brockmann für eher seltene, untypische Fälle. Brockmann leitet bei der Björn-Steiger-Stiftung in Winnenden (Rems-Murr-Kreis) die Unfallforschung. Zudem ließen sich Unfallursachen wie etwa ein plötzlicher medizinischer Notfall, Ablenkung durchs Handy oder zu hohes Tempo nicht präventiv in der Infrastrukturplanung einpreisen, so Brockmanns Einschätzung.

Mehr Sicherheit für Fußgänger durch KI im Auto?

Potential sieht Brockmann jedoch durch Sicherheitssysteme in Autos. Wenn ein Fahrer beispielsweise einen Herzinfarkt erleide, habe er selbst keine Chance mehr zu reagieren. "Und deswegen wäre es umso wichtiger, wenn das Kraftfahrzeug solche Fälle erkennen würde. Das gibt es schon in einer sehr ausgeprägten Form bisher in einem einzigen Oberklassemodell."

In Künstlicher Intelligenz und Sicherheitssensorik im Auto sieht auch der Berliner Zukunftsforscher und Mobilitätsexperte Stefan Carsten eine riesige Möglichkeit, für mehr Sicherheit auf den Straßen zu sorgen. Konzepte wie beim autonomen Fahren seien sehr sicher und vermieden Unfälle. Die KI erkenne, wenn es eine Gefahrenlage gebe. Das Fahrzeug werde sofort abgebremst, so Carsten.

"Meiste Fußgänger-Unfälle beim Überqueren einer Straße"

Im Jahr 2025 sind in Baden-Württemberg nach Zahlen des Landesverkehrsministeriums 55 Fußgängerinnen und Fußgänger bei Verkehrsunfällen gestorben, knapp 500 wurden schwer verletzt. Die allermeisten solcher Unfälle entstehen nach der Einschätzung von Unfallforscher Brockmann, wenn Menschen über die Straße gehen, besonders Kinder und Ältere.

Hier könnten Kommunen mit Verbesserung in der Infrastruktur nachsteuern, sagt Brockmann. So sollten unter anderem Fußgängerüberwege wirklich an Stellen sein, wo sie gebraucht würden, beispielsweise direkt am Pflegeheim und nicht erst 100 Meter weiter. Auch parkende Fahrzeuge seien teilweise ein Problem, weil sie die Sicht behinderten.

Wer bekommt in einer Stadt wie viel Platz?

Ganz grundsätzlich befinden sich Städte und Gemeinden in der schwierigen Situation, dass sich viele verschiedene Verkehrsteilnehmende den engen Raum teilen müssen. Mobilitätsexperte Stefan Carsten sucht Lösungen.

Wir müssen über eine Neuaufteilung des öffentlichen Raumes nachdenken.

"In Städten in Deutschland ist der Anteil, den das Auto am öffentlichen Raum hat, so zwischen 50 und 60 Prozent", so Carsten. Gleichzeitig schreite die Mobilitätswende massiv voran, in den Städten bewegten sich immer weniger Menschen mit dem Auto. Als Sofortmaßnahme - auch für mehr Sicherheit für Radfahrer und Menschen zu Fuß - könnten Städte parkende Autos entlang der Straße verbannen, diese Spur räumlich abtrennen und für Radfahrer und Fußgänger zur Verfügung stellen.

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"Die Stadt, die das am meisten vorantreibt, ist Paris", so Carsten. Paris habe seinen öffentlichen Raum umgebaut, um Park- und Autospuren zu reduzieren. Diese Flächen seien nun Fußgängern und Fahrradfahrern gewidmet. "Mit extrem positiven Wirkungen für den Einzelhandel und extrem positiven Wirkungen für das Unfallgeschehen vor Ort."

Diskussion um Tempo 30 in Städten

Stefan Carsten regt an, in deutschen Städten über "flächdendeckend Tempo 30" nachzudenken. Auch Unfallforscher Siegfried Brockmann hat dazu eine klare Haltung: "Als Unfallforscher kann ich immer nur die kleinere Geschwindigkeit besser finden": weniger Aufprallenergie bei einem Unfall, kürzerer Bremsweg. Entscheiden müssten das letztlich aber Politik und Gesellschaft. "Was wir aber jetzt schon können, weil wir die Gesetzmäßigkeit schon haben, ist an kritischen Stellen Tempo 30 anzuordnen."

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