Nach der starken Hitze in den letzten Tagen hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özedmir (Grüne) einen Hitzeschutz-Aktionsplan der Landesregierung angekündigt. Dazu würden in jedem Ministerium die Erkenntnisse der jüngsten Hitzewelle analysiert und ausgewertet, so Özdemir am Dienstag.
Doch wie ist es bislang um den Hitzeschutz in Baden-Württemberg bestellt und wie kann man ihn verbessern? Ein Blick auf ausgewählte Bereiche im öffentlichen Leben:
- Die Situation für Klinken und Pflegeeinrichtungen
- Hitzeschutz an Schulen und Kitas
- Probleme im Straßen- und Nahverkehr
Die Situation für Klinken und Pflegeeinrichtungen
Ministerpräsident Özdemir betonte bei der Ankündigung des Hitzeschutz-Aktionsplans, dass die Hitze für vulnerable Gruppen - vor allem Ältere, aber auch Kinder - am härtesten sei. Krankenhäuser und Pflegeheime seien daher massiv herausgefordert.
Kliniken oder Pflegeeinrichtungen würden jedoch oft nicht genügend Schutz vor Hitze bieten, erklärte Ronny Hübsch, der Landesgeschäftsführer des Sozialverbands VDK Baden-Württemberg, dem SWR. Hauptproblem sei die Kombination aus Menschen mit besonderem Pflegebedarf und alten, schlecht hitzeangepassten Gebäuden. Hinzu kämen fehlende verbindliche Vorgaben und personelle Überforderung, so Hübsch. Außerdem gebe es in Kliniken und Pflegeheimen nicht ausreichend klimatisierte Räume.
Viele Einrichtungen und ältere Gebäude heizen sich stark auf - Klimaanlagen fehlen.
Der VDK-Landesgeschäftsführer plädiert daher für "bauliche, organisatorische und personelle Hitzeschutzmaßnahmen." Als Beispiele nennt er unter anderem Verschattung, gekühlte Räume sowie das Bereitstellen von Trinkwasser.
Nicht genügend Klimatisierung an Stuttgarter Klinik
Auch am Robert Bosch Krankenhaus (RBK) in Stuttgart ist unzureichende Klimatisierung laut Geschäftsführer Mark Dominik Alscher ein Problem. "Unsere Klinikgebäude sind in die Jahre gekommen und stammen aus einer Zeit, als die Höchsttemperaturen im Sommer deutlich geringer waren", sagte Alscher dem SWR. Das bedeute, dass sie für die derzeitige Hitzebelastung nicht ausgelegt seien.
Am RBK seien vor allem Operationssäle oder Intensivstationen sowie die neueren Gebäude mit einer sogenannten Spitzenlastkühlung ausgestattet. Die Normalstationen hätten dagegen keine Kühlung. Um trotzdem für Abkühlug zu sorgen, setze man beispielsweise auf Ventilatoren. Alscher drängt darauf, "Krankenhäuser mit Klimaanlagen auszustatten und die Kosten dafür über den Transformationsfond des Bundes zu finanzieren."
Bei den aktuellen Höchsttemperaturen haben wir nicht ausreichend klimatisierte Räume.
Aktuell wird am RBK das neue Kernkrankenhaus gebaut. Hier soll es laut Geschäftsführer Alscher eine Spitzenlastkühlung, einen speziellen Sonnenschutz wie hitzeabweisende Fenster sowie Verschattung und eine begrünte Fassade geben.
Die Hitze der vergangenen Tage hat gezeigt, dass auch in der Freiburger Uniklinik Freiburg der Hitzeschutz fehlt:
Hitzeschutzkonzept in Alten- und Pflegeheimen
Wie ein Hitzeschutzkonzept für Alten- und Pflegehäuser aussehen kann, zeigt die Stiftung Liebenau mit Sitz in Meckenbeuren (Bodenseekreis). Der Plan greife auch in diesen Tagen, teilte Pressesprecher Ulrich Dobler dem SWR mit.
Das Konzept sieht Getränkestationen für Bewohner, Angehörige und Mitarbeiter vor. Die Zimmer und Aufenthaltsbereiche sollen durch Jalousien, Rollladen oder Markisen verdunkelt und kühl gehalten werden, in den Außenbereichen sollen Sonnenschirme und Markisen Schatten spenden. Gelüftet werde in den Morgenstunden und über Nacht.
Das Personal sei zudem dafür sensibilisiert, hitzebedingte Krankheiten zu erkennen und umgehend zu handeln, so der Sprecher der Stiftung Liebenau. Auch bauliche Maßnahmen wie wärmedämmende Fenster habe es in den letzten Jahren gegeben. Die Einrichtungen würden zudem schrittweise mit Klimaanlagen nachgerüstet werden.
Hitzeschutz an Schulen und Kitas
Auch in Schulen und Kitas ist die Hitze und fehlende Klimatisierung ein Problem. In Schulen kann an zu heißen Tagen Hitzefrei helfen. Doch es fehlen gesetzliche Vorgaben. Das baden-württembergische Kultusministerium empfiehlt lediglich Hitzefrei nach der vierten Stunde bei mindestens 25 Grad im Schatten. Die Entscheidung liege allerdings bei den Schulen. Daraus müsse eine "Soll"-Regelung werden, sagte Kultusminister Andreas Jung (CDU) letzte Woche dem SWR. Das Kultusministerium sei dabei die Regelungen zu optimieren, hieß es am Dienstag.
Mehrere Gymnasien in Heidelberg verkürzen bei extremer Hitze die Unterrichtsstunden:
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg betont außerdem: "Hitzefrei kann immer nur eine Notlösung und darf kein Dauerzustand sein. Wichtig wäre eine Sanierungsoffensive für Kita- und Schulgebäude, um unsere Kitas und Schulen für den Klimawandel fit zu machen."
Kühlmaßnahmen in Kitas reichen oft nicht aus
In Kitas ist der Umgang mit der Hitze von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich. Lüften, abgedunkelte Räume und Ventilatoren sind bei heißen Temperaturen in vielen Kitas Standard. Doch das reicht nicht immer aus. "Diese Maßnahmen stoßen an ihre Grenzen, wenn die bauliche Substanz nicht mitzieht", sagte der Deutsche Kitaverband auf Nachfrage des SWR. Langfristig brauche es "strukturelle Lösungen wie eine bessere Wärmedämmung, Verschattungssysteme oder Klimatisierung sowie entsprechende Förderprogramme."
Probleme im Straßen- und Nahverkehr
Die Hitzewelle der vergangenen Tage sorgte auch auf den Straßen und im öffentlichen Nahverkehr für Probleme. So löste sich beispielsweise auf der A6 zwischen Kirchberg und Ilshofen (beide Kreis Schwäbisch Hall) an mehreren Stellen die Mittelfuge.
Autofahrer müssen allerdings nicht permament mit hitzebedingten Straßenschäden rechnen. Dass akut während der Fahrt eines einzelnen die Straße aufbreche, ist laut Verkehrsexperte Matthias Zimmermann vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) äußerst selten.
Bei Straßenschäden würden zur Gefahrenabwehr unter anderem Geschwindigkeitsbeschränkungen angeordnet. Autofahrer sollten sich auch dann daran halten, wenn sie keine Schäden sehen, sagt der Verkehrsexperte.
Das Problem mit aufgeweichter Fugenmasse
In Heidelberg konnten Busse und Straßenbahnen aufgrund der Hitze teilweise nicht fahren, weil die Fugenmasse zwischen dem Straßenbelag und den Bahnschienen aufgeweicht war.
Wenn diese Masse sich erhitze, könne sie durch Busse oder auch Pkw herausgezogen und verteilt werden. Das sei vergangene Woche ein großes Problem gewesen, erklärte ein Sprecher des Nahverkehrsunternehmens rnv dem SWR. Aktuell gebe es jedoch noch keine anderen Materialien, die besser mit der Hitze klarkämen. "Das zeichnet sich so zwar so langsam ab, aber das ist noch kein Branchenstandard", so der Sprecher. Die rnv achte beim Neubau von Gleisanlagen allerdings darauf, die Masse tiefer einzubauen, sodass sie nicht so schnell herausgezogen werden könne.
Eine andere Herausforderung sind auch hier die Klimaanlagen. Bei der rnv hätten ältere Fahrzeuge teilweise Klimaanlagen, die nicht auf solche Temperaturen ausgelegt seien, erklärte der Sprecher. Bei neueren Fahrzeugen könnten die Klimaanlangen dagegen damit umgehen.