Blackouts und Störungen

FAQ: Was tun bei Stromausfällen - und ist Baden-Württemberg besonders gefährdet?

Ein großflächiger Stromausfall im Schwarzwald-Baar-Kreis, Blackouts in Stuttgart und Tübingen: Seit einiger Zeit häufen sich die Störungen. Was ist da los? Wie kann man vorsorgen?

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Von Autor/in Petra Thiele

In einer Stuttgarter Umspannstation sorgte mal ein Kleintier für einen Kurzschluss. Nun brannte in Tübingen ein Transformatorenhaus. Es gibt technische Fehler, menschliches Versagen, unklare Ursachen: Die Gründe für Stromausfälle in Baden-Württemberg sind unterschiedlich. Zwar dauern die Blackouts nicht so dramatisch lange an wie in der Januarwoche in Berlin. Sie sind auch nicht so großflächig wie im April 2025 in Spanien und Portugal. Trotzdem entsteht der Eindruck, dass es immer mehr Stromausfälle gibt.

Warum sind Stromausfälle so häufig?
Was hilft bei Stromausfällen?
Sind erneuerbare Energien ein Problem?
Was sind die Hauptursachen für einen Stromausfall?
Nehmen Sabotageakte zu?
Wie funktioniert die Alarmkette?
Was muss ich zu Hause oder im Büro beachten?
Wer haftet bei Schäden?

Warum sind Stromausfälle so häufig?

Es sei gerade eine unglückliche Häufung in Baden-Württemberg, sagt der Energie-Experte Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg dem SWR. In Deutschland gebe es Strom-Ausfälle. Meist seien sie von kurzer Dauer - im Durchschnitt dauerten sie etwa 15 Minuten. Dies sei ein "super Wert" im Vergleich mit anderen Industrieländern - wie etwa den USA oder Japan. Stromausfälle kommen dort viel häufiger vor als in Deutschland.

Auch unsere Nachbarländer hätten öfters mal Probleme, betont Matthias Bauer. Das gemeinsame europäische Stromnetz wachse gerade aber immer mehr zusammen. Es werde dadurch sicher und auch enorm redundant - es gebe also so etliche technische Einheiten zur Sicherheit parallel. Trotzdem kann immer wieder was wieder passieren - auch ein Sabotageakt. Nach Ansicht des baden-württembergischen Energie-Experten passiert ein Sabotageakt allerdings äußerst selten.

Was hilft bei Stromausfällen?

Ein normaler Stromausfall kann durch einen Bypass, also durch eine Umleitung, meist schnell behoben werden. Die Energieversorger in Deutschland sind in der Regel gut auf Stromausfälle vorbereitet. Bislang klappt es mit dem Stromausgleich relativ gut. Redispatch-Maßnahmen (also technische Eingriffe, die Überlastungen im Stromnetz verhindern sollen) haben aber einen hohen Preis.

Sind erneuerbare Energien ein Problem?

Erneuerbare Energien bringen einen neuen Ansatz in die Stromnetze rein. Das ist tatsächlich ein Problem, wenn zu viel Sonne- und Wind-Energie eingespeist wird. Das passiert aber eher im Sommer oder auch an kälteren, klaren Wintertagen. Einen größeren Stromausfall wegen erneuerbaren Energien gab es in Deutschland und Europa noch nicht. Die Stromnetze werden allerdings durch die Erneuerbaren teurer. Das zahlen Verbraucher über die Netzentgelte. Die Netzbetreiber müssen Strom-Ungleichheiten ausgleichen - teilweise sogar Stromerzeuger abschalten. Diese Redispatch-Maßnahmen sollen aber in der Zukunft vermieden werden, da sie kostenintensiv sind.

Was sind die Hauptursachen für einen Stromausfall?

Technische Probleme sind der Hauptgrund. Netzbetreiber müssen die Stromspannung im Netz immer im Gleichgewicht halten. So viel wie abgenommen wird, muss wieder reinkommen. Bei Ungleichheiten entstehen Blackouts. Wenn dann externe Einflüsse kommen, führt dies zu Spannungsabfällen. Wenn also ein Umspannungswerk oder eine Umspannungseinheit ausfällt, eine Verteilstation oder ein Transformatoren-Häuschen abbrennt, wird das System gestört.

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Nehmen Sabotageakte zu?

Cyber-Attacken sind für Energieunternehmen eine reale Gefahr. Meist werden sie erfolgreich abgewehrt. Alle Energielinien wie auch das Stromnetz sind Angriffspunkte. Es kann auch eine Gasleitung sein. Es ist extrem schwer, sich gegen militärisch organisierte Sabotageakte oder Terroranschläge zu schützen. "Drohnenangriffe, die sie aus dem Nichts mal eben machen können, wie wollen Sie sich davor schützen?", fragt der Experte für Stromsysteme Wolfrang Wellßow. Letztlich müsste man dann alle Anlagen regelrecht einbunkern. Das aber sei reine Utopie.

Wie funktioniert die Alarmkette beim Stromausfall?

Jeder Netzbetreiber hat Teams, die sich im Schadensfall sofort auf den Weg machen. Die Störung wird erstmal lokalisiert und dann analysiert, wie man das Problem am besten und schnellstmöglich beseitigen kann. Viele kleinere Schadensfälle werden auch intern gelöst, indem man einen Bypass macht: Die Stromautobahn wird vom Schreibtisch aus umgeleitet.

Was muss ich zu Hause oder im Büro beachten?

Zunächst einmal ruhig bleiben und daran denken, dass Stromausfälle in der Regel von kurzer Dauer sind. Wenn der Strom länger als eine Minute ausfällt, sollte man nach der Ursache schauen. Also zunächst im Haushalt prüfen, ob das nur die Wohnung oder das Haus betrifft. Ist der Leitungsschutzschalter betroffen? Kann man den Schalter wieder einschalten? Wenn sich dann nichts tut- und der Stromausfall auch die Nachbarschaft betrifft - dann sollte man den örtliche Netzbetreiber kontaktieren. Der Stromanbieter ist nicht zuständig. In Baden-Württemberg sind Stromanbieter und Netzbetreiber allerdings oft das gleiche Unternehmen.

Ganz wichtig ist für Verbraucher: Kühl- und Gefrierschränke geschlossen halten. Mehrere Stunden hält Gefriergut oder Kühlgut problemlos durch. Und: Empfindliche Geräte - wie PC/TV oder Musikanlagen - besser vom Netz nehmen.

Eine Warnung der Verbraucherzentrale BW: Vorsicht vor "Notfallhandwerkern", die online ihre Dienste anbieten. Der örtliche Netzbetreiber ist der richtige Ansprechpartner.

Wer haftet bei Schäden?

Tipp: Nicht nur die Hausratversicherung hilft bei Schäden: Nach einem Bundesgerichtshofsurteil haftet für einen Schaden, der durch eine Netzüberspannung verursacht worden ist, möglicherweise auch der Netzbetreiber. Der Verbraucher hat in manchen Fällen Ausgleichsansprüche aus dem Produkthaftungsgesetz.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Petra Thiele
SWR-Wirtschaftsredakteurin Petra Thiele

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