Beim Dönerfabrikanten Birtat in Murr (Kreis Ludwigsburg) haben mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden ihre Arbeit niedergelegt: Etwa 115 Beschäftigte waren am Donnerstag zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Hintergrund ist der Tarifstreit mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) kurz vor der vierten Verhandlungsrunde am Freitag.
Fronten zwischen Gewerkschaft und Unternehmen verhärtet
Im Ringen um den ersten Tarifvertrag zwischen der Gewerkschaft und dem Unternehmen scheinen die Fronten verhärteter denn je. In den vergangenen Verhandlungsrunden habe Baden-Württembergs größter Dönerfabrikant überhaupt keinen Willen gezeigt, eine Einigung zu erzielen, so die Gewerkschaft.
Die aktuelle individuelle Vergütung sei "völlig willkürlich" und entscheide sich durch persönliche Beziehungen und Verhandlungsgeschick, sagte eine Sprecherin.
Forderung: 375 Euro pauschal mehr für jeden
Aktuell fordert die Gewerkschaft für die etwa 115 Beschäftigten pauschale Lohnerhöhungen von 375 Euro. Die Arbeitgeberseite fürchtet bei dieser Forderung um den Fortbestand des Unternehmens. Sie bevorzugt ein betriebliches Eingruppierungssystem, das sie allerdings nur mit dem Betriebsrat verhandeln will und nicht mit der Gewerkschaft. Im Mai hatte es den wohl ersten Warnstreik aller Zeiten in der Dönerfleisch-Branche bei Birtat gegeben.
Wenn wir einen Tarifvertrag durchbringen, wäre es der erste in einer Dönerfabrik.
13 Millionen Döner-Kunden jeden Monat
Jeden Monat versorgt Birtat nach eigenen Angaben mit seinen Dönerspießen aus Kalb, Pute, Hack und Hähnchen mehr als 13 Millionen Endkunden. Derzeit gibt es sieben Varianten im Angebot in der Größe von 5 bis 120 Kilogramm. "Unsere Produkte kann man fast in jeder großen Stadt in Europa verkosten", wird ein Firmensprecher auf Online-Portalen zitiert. Man sei Marktführer, das gesamte Unternehmen machte zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 200 Millionen Euro.
Auf der Homepage ist angegeben, dass die Birtat-Produkte seit 1998 aus Stuttgart nach ganz Europa exportiert werden. Im November 2023 sagte Birtat-Inhaber Cihan Karaman in der "Stuttgarter Zeitung", dass die Dönerpeise im Land zu niedrig seien. Seine Einschätzung, dass der Döner eigentlich zehn Euro kosten müsste, machte bundesweit Schlagzeilen.
In Flensburg und Karlsruhe sind Döner aktuell besonders teuer
Nach Angaben des aktuellen Lieferando-Döner-Index (von Mai 25) haben sich im Schnitt die Dönerpreise in Deutschland seit zwei Jahren von 7,74 Euro auf 8,03 Euro erhöht. Dies sei eine Steigerung von knapp 4 Prozent. Allerdings seien die Preisunterschiede innerhalb Deutschlands riesig: Fast 70 Prozent Unterschied trennen den günstigsten (in Halle/Sachsen-Anhalt) vom teuersten Döner in Flensburg. Karlsruhe kam in dem Index dicht hinter Flensburg auf den zweiten Platz.
Sponsor des Deutschen Ringer-Bundes
Als Hauptsponsor unterstützt Birtat seit April 2021 den Deutschen Ringer-Bund (DRB). Dazu schreibt der Dönerproduzent, dass er sich bewusst für eine Sportart wie Ringen engagiere, die vergleichsweise wenig Präsenz in den Medien finde. Mit dem Engagement wolle man auch mehr Menschen für die Sportart begeistern. Birtat ist eine Zweigniederlassung der Meat World SE.