Konrad Walter aus Stuttgart ist Mitglied bei der Partei, die sich einst als Anti-Kriegs-Partei bezeichnet hat - bei den Grünen. Er hat auch die Landtagswahl in Baden-Württemberg mitorganisiert und mitgestaltet. Doch die Drohnen, die er gerade in einem kleinen Büro in der ukrainischen Hauptstadt Kiew zusammenlötet, können nicht nur gegnerische Panzer und Ziele angreifen, sondern auch Menschen töten. Ein Widerspruch?
"Die Grünen sind eine Menschenrechtspartei", sagt Konrad Walter. Daher stünden die Grünen an der Seite der Menschen in der Ukraine. "Den Menschen in der Ukraine wurde dieser Krieg aufgezwungen, die wollen Frieden. Ich will auch Frieden. Und jetzt bauen wir diese Drohnen, um dem ein bisschen näher zu kommen."
Ich definiere das nicht als Aufrüstung, sondern eher als Beitrag für den Frieden in Europa.
Erst Häuser reparieren, dann Drohnen bauen
Seit 2010 fährt Walter regelmäßig nach Kiew und hat dort viele Freunde. Als der russische Angriffskrieg begann, habe er mit seinen Freunden bombardierte Häuser repariert oder wieder aufgebaut. "Doch dann zerstörten russische Angriffe wieder die Häuser, die wir gerade repariert hatten", erzählt er.
Knapp 2.000 Kilometer Fahrt
Eine Freundin von ihm, die Floristin Kseniia Kalmus, hat ihr Pflanzen- und Blumengeschäft in einen Produktionsraum für Drohnen umgebaut. Bei ihrer Organisation mit dem Namen KLYN Drones hilft er jetzt mit. "Konrad kommt oft, alle drei Monate", sagt Kseniia Kalmus. "Alle drei Monate kommt er her. Und von Deutschland aus unterstützt er uns auch."
Wenn Konrad hier ist, hilft er mit. Je nachdem, was gerade anfällt.
Das beginnt für Konrad Walter schon mit mit der Anfahrt aus Stuttgart. Mit einem Pick-Up-Truck, der in der Ukraine gebraucht wird, fährt er knapp 2.000 Kilometer in die Ukraine. Der Truck ist beladen mit Hilfsgütern, auf der Rückbank stehen zwei große Kisten. "Das kann man sich vorstellen wie riesige Powerbanks", erklärt Walter. Sie seien für die Sanitäter an der Front im ukrainischen Pokrowsk gedacht. Denn sie hätten um die Energieversorgung gebeten, um beispielsweise medizinische Geräte mit Strom versorgen zu können.
Deutscher baut in Kiew an Kriegswaffen
Für zwei Wochen bleibt der Stuttgarter in der Regel in Kiew, bevor er wieder zurück nach Deutschland fährt. In der ukrainischen Hauptstadt findet trotz des Krieges, dessen Spuren überall sichtbar sind, normales Leben statt, berichtet er. "Es gibt Cafés, es gibt Kulturleben. Es ist eine schöne Stadt".
Dass er dort an Drohnen arbeitet, stößt in Deutschland nicht nur auf Begeisterung. "Manche Leute fragen mich, ob ich ein schlechtes Gewissen hätte", erzählt er, doch das Gegenteil sei der Fall: "Wir tun etwas für den Frieden in Europa. Wenn es gut läuft, können solche Drohnen, wie wir sie hier bauen, einen russischen Panzer ausschalten und demilitarisieren. Das ist ein Panzer weniger."