Die Öffnungszeiten von Kindertagesstätten in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) könnten künftig kürzer ausfallen. Vorgelegt hat diese Pläne die Stadtverwaltung, der Steuereinnahmen weggebrochen sind und die wie viele andere Städte sparen muss. Zusätzlich zu den reduzierten Öffnungszeiten sollen vier kleine, renovierungsbedürftige Kindertagesstätten schließen. Eltern sind entsetzt und haben eine Petition gestartet.
Spagat zwischen Familie und Beruf wird größer
Eine, die von den verkürzten Betreuungszeiten betroffen wäre, ist Melanie Munk. Sie ist Geschäftsführerin in einem metallverarbeitenden Betrieb. Außerdem engagiert sie sich ehrenamtlich bei der Kreishandwerkerschaft im Rems-Murr-Kreis. Ihr Mann arbeitet im öffentlichen Dienst und ist ehrenamtlich bei der Feuerwehr. Wenn die Öffnungszeiten der Kitas verkürzt würden, bliebe keine Zeit mehr für so ein Ehrenamt, sagen sie.
Ein Ganztagesplatz in Fellbach sieht laut Stadt künftig 40 Stunden anstatt wie bisher 50 Stunden vor. 50 Stunden soll es nur noch in zwei ausgewählten Einrichtungen geben.
Ganztagesplatz in Fellbach künftig bei 40 Stunden
Im Kindergarten der Munks würden die neuen Betreuungszeiten so aussehen: Montag, Mittwoch und Donnerstag wäre von 7:30 bis 16 Uhr offen, dienstags von 7:30 bis 15:30 Uhr und an Freitagen von 7:30 bis 14 Uhr. Zeiten, die man einem Arbeitgeber schwer erklären könne, sagt auch die Fellbacher Mutter Lan Venus. Sie und ihr Mann haben drei Kinder, zwei sind noch im Kindergarten. Sie erzählt: "Ich kann schon jetzt nicht flexibel arbeiten und habe so Nachteile bei der Jobsuche und bei der Arbeit."
Der Fellbacher Erste Bürgermeister Johannes Berner habe bei einem Treffen mit den Eltern auf die Möglichkeit verwiesen, im Homeoffice zu arbeiten, erzählen Lan Venus und andere Eltern dem SWR. Er habe gesagt, dass so Kinder teilweise zu Hause betreut werden könnten und Fahrzeiten wegfielen. Aber das sei keine Lösung, sagt Lan Venus. "Wenn die Kinder Bedürfnisse haben, kann ich mich nicht zum Beispiel auf Gespräche mit Kunden konzentrieren."
Erster Bürgermeister verteidigt Sparmaßnahmen
Der Erste Bürgermeister Johannes Berner und sein Amtsleiter erklären im SWR-Interview, dass die Kinderbetreuung in Fellbach richtig gut sei. Es gebe genügend Plätze, keine Wartelisten und bisher sehr lange Öffnungszeiten. Aber allein seit dem letzten Jahr seien die städtischen Zuschüsse für die Kinderbetreuung um fast drei Millionen Euro gestiegen. "Die Verkürzung, die wird es geben müssen, weil wir einfach einen finanziellen Anstieg der Kosten hatten, den wir anders nicht mehr wuppen können", so Berner.
Wir glauben, dass mit dieser Reduzierung der Gesamtheit der Eltern am wenigsten genommen wird.
Die Stadt Fellbach argumentiert außerdem mit gesunkenen Geburtenzahlen und einer geänderten Nachfrage nach Kinderbetreuung. Demnach haben Eltern ihre Kinder in den vergangenen Jahren eher später in den Kitas angemeldet. Das sei auch mit ein Grund, warum es vertretbar sei, mittelfristig vier kleine, renovierungsbedüftige Kitas zu schließen.
Petition gegen kürzere Öffnungszeiten der Kitas
Der Gesamtelternbeirat der Stadt Fellbach hat eine Petition gegen die Kürzungen bei den Kitas gestartet. Darin bezeichnet er die Sparmaßnahmen als "ungerecht, familienfeindlich und wirtschaftlich kurzsichtig". Henny Müller vom Gesamtelternbeirat Fellbach erklärt, dass die verkürzten Öffnungszeiten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch schwerer machten, als sie ohnehin schon seien.
Auf dem Papier sieht das gut aus, aber die Umsetzung hat schwerwiegende Folgen für die Familien.
Denn es reiche nicht, wenn die Betreuungszeit lediglich die reine Arbeitszeit der Eltern abdecke. Auch für den Weg zur Arbeit und zurück brauche es Zeit.
Kinderbetreuung: Entscheidung im Juni
Noch ist über das Sparkonzept nicht final entschieden. Laut Stadtverwaltung ist geplant, dass der Gemeinderat am 23. Juni darüber berät und es verabschiedet. Die Unterzeichnenden der Eltern-Petition hoffen, mit ihrem Engagement die Entscheidung noch zu beeinflussen.