In Baden-Württemberg haben sich zuletzt weniger Frauen anteilig für eine Ausbildung im Handwerk entschieden als noch etwa vor zehn Jahren. Das zeigen Zahlen von HandwerkBW. Daran will nun auch die angehende Elektrikerin Sarah Jetter aus Steinheim (Kreis Ludwigsburg) etwas ändern. Aber auch die Handwerkskammer wünscht sich mehr Frauen im Handwerk.
Die Handwerkerin in Pink: Sarah Jetter
Jeden Morgen, wenn Sarah Jetter ihr Werkzeug packt, fällt eines direkt auf: Sie bekennt Farbe! Hammer, Meterstab und sogar eine extra angefertigte Schere - sie hat alles in Pink. Sie sieht das ganze als Statement, man dürfe das "Frau-Sein" auf der Baustelle durchaus zeigen. Außerdem kommt ihr so kein Werkzeug weg.
Der Vorteil ist auch, kein Mann nimmt dir das auf der Baustelle weg, weil niemand mit pinkem Werkzeug arbeiten will!
Sarah ist 20 Jahre alt und im dritten Ausbildungsjahr. Sie hat bislang alles mit 1,0 bestanden. Sie lernt im elterlichen Betrieb und ist neben ihrer Mutter die einzige Frau unter acht Männern.
Sie gibt zu, schwere Lasten wie eine Kabeltrommel könne sie nicht allein tragen. Aber dafür habe man doch ein Team dabei. "Die Männer akzeptieren mich", erzählt sie stolz.
Handwerkskammer: Frauen häufig unter den Jahrgangsbesten
Bei der Handwerkskammer ist das Interesse allerdings groß, Frauen für das Handwerk zu gewinnen. "Frauen gehören oft zu den Jahrgangsbesten - gerade in den Berufen, die nicht typisch Frau sind", sagt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Kammer für die Region Stuttgart. Mit Praktika oder etwa dem Girls' Day versuche man, mehr Frauen auf die verschiedenen Berufe aufmerksam zu machen.
Zu den Herausforderungen wie den schweren Kabeltrommeln sagt Friedrich, dass es heute auch technische Möglichkeiten gebe, die etwa bei schweren Lasten unterstützen könnten. Damit gemeint sind etwa spezielle Roboter oder auch Exoskelette, also Stützen für den Körper.
Sarah: "Arbeit als Elektrikerin ist abwechslungsreich"
Auch Elektrikerinnen wie Sarah könnten künftig damit operieren. Im Moment geht das Meiste aber auch allein. In ihrer Ausbildung prüft sie etwa, ob Strom auf Steckdosen ist oder montiert die Abdeckungen darauf.
Auf einer Großbaustelle in Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) montiert sie gemeinsam mit ihrem Vater einen Stromverteiler. Sie schätzt an dem Job, dass er so abwechslungsreich ist. Von feinen Arbeiten bis hin zum Bohren und Fräsen sei alles mit dabei.
Zahlen: Weniger weibliche Azubis beginnen Ausbildung im Handwerk
Dass weiterhin vergleichsweise wenige Frauen im Handwerk arbeiten, findet Sarah schade. "Meine Klassenkameradinnen im Gymnasium haben nur an ein Studium gedacht", sagt sie.
Und ein Blick auf die Zahlen zeigt: Der Trend geht im Moment sogar bergab. 2015 waren immerhin noch 25 Prozent der neuen Azubis im Handwerk weiblich. Seit 2020 liegt die Zahl nur noch zwischen 19 und 20 Prozent. Laut HandwerkBW liegt es daran, dass weniger Frauen eine Ausbildung als Friseurin oder Fachverkäuferin beginnen. Zwei Branchen, die stark unter der Pandemie litten und sich bis heute nicht vollständig erholt haben, in denen traditionell immer sehr viele Frauen arbeiteten.
Dennoch sind diese Berufe weiterhin die beliebtesten bei den neuen weiblichen Azubis. Im Jahr 2024 haben die meisten Frauen im Land eine Ausbildung als Friseurin, Kauffrau für Büromanagement und dann als Fachverkäuferin, etwa in einer Bäckerei, begonnen. Allerdings: Berufe, die bislang als traditionell männlich galten, klettern nach oben: auf den Plätzen 6 und weitere folgen inzwischen: Tischlerin, Kfz-Mechatronikerin und Malerin/Lackiererin.
Für mehr Frauen: Sarah teilt Arbeitsalltag auf Social Media
Vorurteile beseitigen und mehr Frauen ins Handwerk holen - das hat Sarah sich auf die Fahne geschrieben. Deshalb ist sie auch auf Instagram aktiv. Dort zeigt sie ihren Arbeitsalltag.
Sie will diejenigen, die gerade dabei sind die Schule abzuschließen, zumindest ermutigen, sich die Ausbildungsberufe im Handwerk mal anzuschauen. Denn "Handwerk hat goldenen Boden", sagt sie selbstbewusst. So schnell werde man dort nicht ersetzt.
KI kann vieles ersetzen, aber dass das Handwerk mal von KI ersetzt wird, das wird noch dauern.
Deshalb will Sarah bald auch noch ihren Meister machen und eines Tages den Betrieb ihres Vaters übernehmen.