Von Freitag bis Sonntag findet bei Leonberg (Kreis Böblingen) wieder eines der größten Motorradfestivals in Europa statt - das "Glemseck 101" an der ehemaligen Solitude-Rennstrecke. Die Veranstaltung zieht jedes Jahr zwischen 40.000 und 50.000 Motorradfans an. Zu den Höhepunkten zählen die Sprints über eine Achtelmeile. Dabei treten jeweils zwei Motorräder bei Beschleunigungsrennen gegeneinander an.
"Glemseck 101": Wie bei historischen Rennen
Sobald die Startflagge fällt, geben die Fahrerinnen und Fahrer für rund 200 Meter auf der ehemaligen Start- und Zielstrecke Vollgas - eine Erinnerung an Rennen aus früheren Jahrzehnten. "Dort ging es auf den letzten Metern darum, wer das Rennen gewinnt", erklärt Veranstaltungschef Steffen Hofmann. "Und deswegen zelebrieren wir genau das, sozusagen die letzten Meter." Gefahren wird am Samstag und Sonntag in unterschiedlichen Klassen im K.o.-System.
Neben den Rennen bietet "Glemseck 101" auch eine Händlermeile mit mehr als 100 Ausstellern aus Deutschland und Europa. Sie präsentieren Motorradumbauten, Neuheiten, Unikate, Schmuck, Kleidung, Pflegeprodukte oder Ersatzteile. Außerdem gibt es die Möglichkeit zu Probefahrten und ein umfangreiches Musikprogramm. Der Eintritt ist kostenlos.
Motorräder werden verlost und versteigert
Bei der mittlerweile 19. Auflage des Motorradfestivals "Glemseck 101" wird ein Motorrad verlost und eine weitere Maschine versteigert. Der Hersteller hat beide gespendet, dann wurden sie noch individuell gestylt: Tank, Schutzbleche, Seitendeckel und viele weitere Details wurden in aufwendigem Aluminium- und Messingguss selbst angefertigt. Mitgeholfen haben Verurteilte, die in Werkstätten in Sichtweite der Rennstrecke arbeiten.
Früher Straftäter, heute Motorradschrauber
Mit dem Erlös aus der Verlosung und Versteigerung der Motorräder wird die Opfer- und Traumaberatung von Seehaus e.V. unterstützt. Diese wird komplett aus Spenden finanziert.
Die Jungs machen eine symbolische Wiedergutmachung durch diesen Motorradumbau.
Dass sie an diesen besonderen Motorrädern mitgearbeitet haben, erfülle die Jugendlichen mit Stolz, sagt Anja Halle von Seehaus: "Es ist für sie auch wichtig, dass sie sehen, was sie können." Tobias Merckle vom Seehaus-Vorstand ergänzt: "Früher haben sie ihre Fähigkeiten dazu genutzt, Straftaten zu begehen und anderen zu schaden. Jetzt setzen sie ihre Fähigkeiten positiv für die Gesellschaft ein." Die Verantwortlichen von Seehaus e.V. und von "Glemseck 101" hoffen jetzt, dass über die Verlosung und Versteigerung der Motorräder mehrere Zehntausend Euro zusammenkommen.
Rennstrecke bei Leonberg hat lange Tradition
Das "Glemseck" hat eine lange Motorsporttradition. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts fanden im Umfeld des Schlosses Solitude Motorradrennen statt, ab 1922 auch Autorennen. Seit 1935 wurde ein neuer Rundkurs befahren, Start und Ziel war am Glemseck. 1950 fand auf der Solitude-Rennstrecke erstmals der Große Preis von Deutschland für Motorräder statt. Sogar Formel 1-Rennen gab es - sie zählten allerdings nicht zur Weltmeisterschaft.
1965 wurde vor rund 200.000 Zuschauerinnen und Zuschauern das letzte Solitude-Rennen ausgetragen - der Kurs galt nach mehreren tödlichen Unfällen als zu gefährlich. Seit 1999 finden unter dem Namen Solitude-Revival Oldtimerrennen statt. "Glemseck 101" heißt so, weil 2006 nicht nur der 100. Geburtstag des Hotels Glemseck gefeiert wurde, sondern damals zum ersten Mal das Motorradfestival dazukam.