Der Einsatz rund um die als Hochrisikospiel eingestufte Europa-League-Begegnung VfB Stuttgart gegen Maccabi Tel Aviv (Endstand 4:1) ist laut Einsatzkräften "geordnet und reibungslos" verlaufen. Dies teilten Polizei, Bundespolizei, Feuerwehr und die Einsatzleitung für Rettungsdienste und Bevölkerungsschutz übereinstimmend am Freitagmorgen mit. Seit Mittwoch waren vor allem in der Stuttgarter Innenstadt und in Bad Cannstatt Hunderte Personen im Einsatz. Die Polizei war teilweise auch mit Maschinenpistolen bewaffnet.
Einsatzleitungen sprechen von einem "geordneten Einsatz"
Rund eine Stunde nach Abpfiff in der MHP Arena am Donnerstagabend sagte ein Polizeisprecher dem SWR, es habe einen "störungsfreien Abmarsch" aus dem Stadion gegeben. Auch Feuerwehr und Bundespolizei sprachen von einem geordneten Einsatz ohne große Zwischenfälle. Die Bundespolizei habe bei den Kontrollen an den Bahnhöfen lediglich ein paar Platzverweise erteilt. Auch die An- und Abreise der israelischen Mannschaft über den Stuttgarter Flughafen sei reibungslos verlaufen.
Nach dem Spiel und bis in die Nacht hinein war in der Innenstadt noch ein Polizei-Hubschrauber im Einsatz. Aber auch in der Nacht ist es ruhig geblieben, wie ein Polizei-Sprecher am Freitagmorgen auf SWR-Nachfrage bestätigte.
Ermittlungen wegen Hitlergruß und Abbrennen von Pyrotechnik
Am Treffpunkt der Maccabi-Fans im Schlossgarten wurde Pyrotechnik abgebrannt - und ein Fan soll aus einem Bus heraus einem Polizisten den Hitlergruß gezeigt haben. Hier wird jetzt ermittelt. An vielen Stellen in der Stadt und rund um das Stadion seien außerdem neue pro-palästinensische und anti-israelische Graffiti entdeckt worden. Die "Außergewöhnliche Einsatzlage" in Stuttgart gilt auch am Freitag noch, bis alle Fans abgereist sind.
"Außergewöhnliche Einsatzlage": Hunderte Kräfte im Einsatz
Aufgrund des Nahostkonflikts war die Partie als Hochrisikospiel eingestuft worden. Es galt eine "Außergewöhnliche Einsatzlage", deswegen waren seit Mittwoch Hunderte Einsatzkräfte in der Stadt unterwegs. In der Vergangenheit war es im Umfeld von Spielen mit Maccabi Tel Aviv zu gewalttätigen Ausschreitungen und antisemitischen Übergriffen gekommen.
Angesprochen auf die außergewöhnlichen Begleitumstände des Spiels sagte VfB-Profi Maximilian Mittelstädt nach der Partie, er habe zwar die verschärften Sicherheitsmaßnahmen mitbekommen, "aber für uns Spieler war eigentlich alles normal".
Am Stadion strenge Einlasskontrollen und lange Schlangen
Beim Einlass ins Stadion am Donnerstag gab es intensive Kontrollen. Die Schlangen waren dann auch wie erwartet lang. Es durften keinerlei Taschen, Rucksäcke oder Handtaschen mitgenommen werden; Metalldetektoren und Sprengstoffsuchhunde waren im Einsatz.
Der VfB Stuttgart hatte bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass es keine beschleunigten Kontrollen vor Spielbeginn gebe. Wer nach 17:15 Uhr komme, müsse damit rechnen, den Anpfiff zu verpassen. Außerhalb der Cannstatter Kurve sowie im Gästeblock durften Fans keine Fahnen, Flaggen oder Schilder mitnehmen. Kritik an den strengen Regeln kam zum Teil von Fangruppierungen. So hatten mehrere Ultra-Vereinigungen angekündigt, das Spiel nicht zu besuchen. Das Commando Cannstatt 1997 wollte die Form des Supports ändern.
Kritik von Fans gab es nach dem Spiel auch an der Versorgungslage mit Getränken und Speisen. Der VfB Stuttgart hatte zuvor bekanntgegeben, dass es nur eine "Grundversorgung mit alkoholfreien Getränken" geben könne und viele Kioske in der MHP Arena nicht öffnen. Grund dafür seien die besonderen Rahmenbedingungen der Partie und damit verbundene besondere personelle Herausforderungen. Bei Hochrisikospielen ist es durchaus üblich, dass keine alkoholischen Getränke ausgeschenkt werden. Weil nur wenig Imbisse offen hatten, kam es zu Engpässen, und Fans machten ihrem Ärger in sozialen Medien Luft.
Weihnachtsmarkt Stuttgart: Die meisten Besucher fühlen sich sicher
Besucherinnen und Besucher des Weihnachtsmarkts hatten am Donnerstag weitgehend gelassen auf die Polizeipräsenz reagiert. Zwar sagten zwei Männer, es sei "schon traurig, dass das nötig" sei und man fühle "sich etwas eingekesselt bei so vielen Polizeieinheiten", andererseits gab es auch viel Zustimmung.
Auch im Schlossgarten hatten sich am Nachmittag viele Polizeikräfte versammelt. Dort war der Treffpunkt der Fans von Maccabi Tel Aviv. Von dort wurden sie mit Bussen ins Stadion gebracht. SWR-Reporter vor Ort beschrieben die Stimmung als friedlich: Die Fans hätten gesungen, gefeiert und getanzt. Laut Polizei zündeten Maccabi-Fans in einem Biergarten im Mittleren Schlossgarten Pyrotechnik.
Sechs Tatverdächtige seien in diesem Zusammenhang vorläufig festgenommen worden. Sie erhielten den Angaben nach ein Aufenthaltsverbot und durften das Spiel im Stadion nicht mitverfolgen. Geprüft werde auch ein Sachverhalt, bei dem Maccabi-Fans diffamierende Fangesänge angestimmt hätten.
Polizei Stuttgart: Mann soll antisemitische Parolen gegrölt haben
Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag berichtete, sollen zudem an einem israelischen Reisebüro in Stuttgart mehrere Banner angebracht worden sein. Darauf habe unter anderem "Nach Palästina umgesiedelt" und "Ab sofort geschlossen" gestanden. Auch soll an mehreren Orten der Schriftzug "Free Gaza" an Gebäude gesprüht worden sein. Demnach ermittelt die Polizei unter anderem wegen Sachbeschädigung und Volksverhetzung.
Bereits am Mittwochabend fand in Stuttgart eine pro-palästinensische Versammlung statt. Daran nahmen laut Polizei rund 100 Personen teil. Ein 30-jähriger Mann sei vorläufig festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, antisemitische Parolen gegrölt zu haben. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen Volksverhetzung. Außerdem habe ein 47-jähriger Mann die Teilnehmenden der pro-palästinensischen Versammlung beleidigt. Beide wurden am Abend wieder auf freien Fuß gesetzt.
Bis hin zu terroristischen Szenarien VfB - Maccabi: Polizei Stuttgart rechnet mit großen Herausforderungen
Eine Woche vor dem Europa League-Spiel VfB Stuttgart gegen Maccabi Tel Aviv stimmt die Polizei auf die Partie ein. Die Sicherheitskräfte erwarten eine komplexe Sicherheitslage.
Luftraum wurde teils gesperrt
Auch der Luftraum rund um das Stadion und die Innenstadt blieb teilweise gesperrt und wurde von der Polizei mit Hubschraubern bis in die Nacht zu Freitag überwacht. Der finanzielle Aufwand für den Einsatz hielt sich für die Stadtverwaltung in Grenzen. Wie ein Stadt-Sprecher am Donnerstag mitteilte, hat man erhebliche Investitionen bereits seit 2017 getätigt. Ein Sicherheitskonzept für Großveranstaltungen sei umgesetzt worden, unter anderem mit Zufahrtssperren in der Innenstadt sowie rund um das Stadion.