Die Stuttgarter Polizei hat ein Auge auf Vorfälle, in denen möglicherweise K.o.-Tropfen eine Rolle spielen. So gab es derartige Ermittlungen auf dem Cannstatter Volksfest, auf einer Halloween-Party in Stuttgart-Wangen und bei einer Motocross-Veranstaltung in der Stuttgarter Schleyerhalle. Das Problem: Lange kann man die Substanz, die zu Ausfallerscheinungen führt, nicht nachweisen.
Nachweis des Betäubungsmittels oft nur rund acht Stunden im Blut
Im Urin sind die Stoffe bis zu zwölf Stunden nachweisbar, sagte eine Polizeisprecherin dem SWR. Außerdem erinnerten die Ausfallerscheinungen an zu heftigen Alkoholgenuss. Man sei in Sachen K.o.-Tropfen auch mit dem Amt für öffentliche Ordnung in Kontakt. Die sogenannten Nachtmanager der Landeshauptstadt hätten sich bisher nicht explizit mit dem Thema beschäftigt, heißt es auf SWR-Anfrage.
In Stuttgarts Krankenhäusern ist kein Anstieg von Fällen bekannt
Im Klinikum Stuttgart und auch im Marienhospital wurden in der Notaufnahme keine vermehrten Fälle registriert. Das ergab eine SWR-Anfrage. Auch gab es jetzt Teilergebnisse zu dem Vorfall beim Cannstatter Volksfest: Vier Proben waren negativ, teilte die Polizei mit. Ein Fall werde weiter untersucht.
Dennoch behalte man das Thema K.o.-Tropfen weiter im Blick, so Lisa Schröder vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg. Die aktuellen Fälle würden in der neuesten Statistik noch nicht auftauchen. Zudem werden sie nicht einzeln erfasst, sondern fallen unter "gefährliche Körperverletzung".
Was sind K.o.-Tropfen, und wie wirken sie?
Der Wirkstoff in K.o.-Tropfen, der geruchs- und geschmacklos ist, ist in der Regel Gammahydroxybutyrat (GHB), das auch als Liquid Ecstasy bekannt ist. Es setzt schnell außer Gefecht. Auch das sogenannte Gamma-Butyrolacton (GBL) wird benutzt. Es ist leicht im Internet erhältlich. Denn es wird in der Industrie zum Beispiel als Reinigungsmittel genutzt. Die Droge wirkt entspannend, bei einer höheren Dosis bis zur Bewusstlosigkeit. Bis die Wirkung eintritt, dauert es an die 30 Minuten. Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Gedächtnisstörungen bis zur Bewusstlosigkeit.
Rechtsmediziner Sebastian Kunz: "Das K.o.-Mittel Nummer eins ist Alkohol" Pilotprojekt in Ulm: Kein einziger Fall von K.o.-Tropfen gefunden
Ein Jahr lang wurde in Ulm und Neu-Ulm auf K.o.-Tropfen getestet. Doch kein einziger Fall einer K.o.-Vergiftung wurde entdeckt. Das Projekt soll dennoch fortgesetzt werden.
Wie kann ich mich schützen?
Um sich besser vor der unsichtbaren Gefahr im Glas zu schützen, gibt es Helfer wie Testbändchen, wiederverwendbare Flaschenkorken, Pappdeckel für Becher oder Haargummis mit einem versteckten Glasschutz. Seniorinnen und Senioren sollten in Cafés und anderen Lokalitäten draußen vorsichtig sein, denn der verstärkte Einsatz von K.o.-Tropfen zum Überfallen und Ausrauben wird von der Polizei ebenfalls wahrgenommen. Grundsätzlich gilt: Tassen und Gläser, aber auch den Kuchenteller oder das belegte Brötchen nicht aus den Augen lassen, denn ein Tropfen genüge schon für eine spätere sedierende Wirkung, so die Polizei.