Der Träger des Stuttgarter Marienhospitals hat am Mittwoch beim Amtsgericht Stuttgart einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Wie die Vinzenz von Paul Kliniken gemeinnützige GmbH am Nachmittag selbst mitteilten, wurde ein Sanierungsverfahren in vorläufiger Eigenverwaltung angeordnet. Die Insolvenz betreffe das Marienhospital in Stuttgart, die Vinzenz Klinik und die Vinzenz Therme in Bad Ditzenbach sowie die Luise von Marillac Klinik in Bad Überkingen (alle Kreis Göppingen). Interims-Geschäftsführer Jan Schlenker versicherte, dass die Anordnung der Eigenverwaltung keine Auswirkungen auf die laufenden Klinikbetriebe habe.
Insolvenz trifft 3.000 Beschäftigte der Kliniken
Insgesamt beschäftigen die Vinzenz von Paul Kliniken nach eigenen Angaben rund 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Personal sei über die Situation und das weitere Vorgehen informiert worden. Auch künftig wolle man die Belegschaft "über alle Schritte auf dem Laufenden" halten, teilte der Klinikbetreiber mit.
Das Medizinische Versorgungszentrum im Marienhospital und weitere Tochtergesellschaften seien von der Insolvenz nicht betroffen. Insgesamt sehe man die Sanierungschancen positiv, heißt es.
Sorgen im Sozialministerium: Drohen weitere Insolvenzen?
Im baden-württembergischen Sozialministerium blickt man besorgt auf die Nachricht, heißt es am Abend von einem Sprecher. Das Marienhospital in Stuttgart sei ein wichtiger Akteur für die Gesundheitsversorgung in der Region Stuttgart. Weitere Insolvenzen von Kliniken seien zu befürchten. Grund sei die wirtschaftlich sehr angespannte Situation, so der Sprecher weiter.
Am Dienstag hatten Baden-Württembergs Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand und Ministerpräsident Cem Özdemir (beide Grüne) die Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kritisiert - unter anderem, da diese die finanzielle Stabilität der Krankenhäuser im Land weiter gefährde.
Von Waldshut bis Offenburg: "Versorgung braucht Verlässlichkeit" Kliniken fordern Kurswechsel: Protest gegen Sparpläne bei Gesundheitsreform
Während in Berlin über die Reform gestritten wird, warnen Krankenhäuser in Südbaden vor Milliardenlücken, Klinikschließungen und schlechterer Versorgung im ländlichen Raum.
Reaktion: Krankenhäuser kritisieren Bund
Auch die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) zeigte sich alarmiert. Noch nie zuvor habe ein Krankenhaus der Größe wie das Marienhospital in Baden-Württemberg Insolvenz anmelden müssen. "Diese Insolvenz ist ein klares Zeichen dafür, dass die Politik des Bundes selbst bedarfsnotwendige große Krankenhäuser massiv bedroht und die Trägervielfalt gefährdet," sagte der Vorstandsvorsitzende Heiner Scheffold.
Im Marienhospital arbeiten der BWKG zufolge rund 2.000 Menschen, die Klinik zähle 30.000 Behandlungen pro Jahr. "Wir haben immer wieder davor gewarnt, dass die Kliniken finanziell ausbluten", sagte Scheffold weiter. Wenn der Bund so weiter mache, würden weitere "unkontrollierte Klinikpleiten" die Folge sein.
Aktionen in Krankenhäusern und Arztpraxen "Kein Geld. Keine Versorgung" - Proteste gegen geplante Sozialkürzungen im Gesundheitswesen
Gegen die Sozialreformen der Bundesregierung regt sich Widerstand. In BW finden in diesen Tagen viele Protestaktionen statt. In Karlsruhe protestierten am Mittwochnachmittag über 300 Menschen.
Gesundheitsreform als Gefahr für Krankenhäuser?
Ziel der geplanten Gesundheitsreform ist es, die finanziell angeschlagenen Krankenkassen zu entlasten und so einen weiteren Anstieg der Beiträge zu verhindern. Die Einsparung - für 2027 ist die Rede von 16,3 Milliarden Euro - sieht auch Einschnitte für die Krankenhäuser vor. Nach Angaben der Klinikträger hätte die geplante Gesetzesänderung für Krankenhäuser in BW finanzielle Einbußen von mehr als 600 Millionen Euro pro Jahr zur Folge.