Zu wenig Wind und zu trocken

Stuttgart: Luftschadstoffe Stickstoffdioxid und Feinstaub steigen wieder

Die Schadstoffkonzentration in der Luft nimmt wieder zu und liegt nur knapp unter dem aktuellen Grenzwert. Stuttgart und Ludwigsburg sind Brennpunkte. Grund dafür ist das Wetter.

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Von Autor/in Joachim Thiel

Die Luftschadstoffe Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub sind im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in Baden-Württemberg wieder angestiegen. Die Werte liegen nur noch knapp unter dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, teilte das Verkehrsministerium in Baden-Württemberg mit. Das Ministerium bezieht sich auf Messstellen im städtischen Bereich und im ländlichen Raum.

Autos fahren in Richtung Stuttgart (Archivbild)
Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) teilte mit: "Die höheren Werte sind eine schlechte Nachricht für Menschen mit Asthma, hohem Blutdruck oder anderen Vorerkrankungen."

Höchste Schadstoffwerte in Ludwigsburg gemessen

Die höchsten Halbjahreswerte für Stickstoff wurden an der Ludwigsburger Messstelle in der Schlossstraße mit 39 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. In Stuttgart am Neckartor wurden 36 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht und in Pforzheim in der Luisenstraße gibt das Verkehrsministerium einen Höchstwert von 35 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an.

Auch die Messwerte für Feinstaub, dessen Korngröße kleiner als zehn Mikrometer ist, hätten im ersten Halbjahr im Mittel höher als in den letzten Jahren gelegen. Die Tage mit einer Überschreitung der Feinstaub-Mittelwerte seien aber deutlich unterhalb der Grenze von 35 Tagen, so das Ministerium.

Zu wenig Regen und zu trockenes Wetter

Für den Schadstoffanstieg führt das Verkehrsministerium schon bekannte Gründe an: So gab es zwischen Januar und März länger anhaltende Perioden in denen die Luft nicht genügend durch Regen "ausgewaschen" wurde.

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Zudem fehlte der Wind, mit dem die Schadstoffe hätten weggeweht werden können. Der dritte Grund ist die sogenannte Inversionswetterlage, bei der warme Luft in größerer Höhe dafür sorgt, dass sich die Luftschichten nicht durchmischen können.

Weniger Verkehr an den Brennpunkten

Ziel müsse jetzt sein, die Elektrifizierung des Verkehrs weiter voranzutreiben, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) laut Mitteilung. Man beobachte zudem, dass der Autoverkehr in den Städten deutlich abnehme. Auf der B27 in Ludwigsburg habe sich der Verkehr um 18 Prozent seit 2020 reduziert. In Stuttgart am Neckartor sei der Verkehr seit 2013 um 25 Prozent zurückgegangen. Aktuelle Luftmesswerte gibt es vom Landesamt für Umwelt in Baden-Württemberg hier in Netz.

In Zukunft strengere Regeln durch neue EU-Luftqualitätsrichtlinien

Ab 2030 gelten wegen der neuen EU-Luftqualitätsrichtlinien neue Grenzwerte. So halbieren sich die Grenzwerte beim Stickstoffdioxid und beim Feinstaub und liegen dann bei 20 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Auch die zulässige Anzahl der Überschreitungen des Tagesmittelgrenzwerts beim Feinstaub wird sich halbieren.

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