Im Jahr 2026 gibt es weiter viele Baustellen bei S-Bahnen und Zügen im Raum Stuttgart und darüberhinaus. Wer sich Hoffnungen gemacht hatte, dass es wegen der Verschiebung von Stuttgart 21 vorerst weniger Baustellen geben könnte, wird enttäuscht. Die Bahn hält nach eigenen Angaben an ihrer Baustellenplanung fest - zumindest bis zum Sommer.
Von Fern- bis S-Bahnverkehr: Überall Baustellen
Bereits seit Dienstag ist der Bahnverkehr in Baden-Württemberg eingeschränkt durch die Bauarbeiten am Ulmer Hauptbahnhof, die sich aufs ganze Land auswirken. ICE-Züge zwischen Stuttgart und München brauchen daher rund eine Stunde länger. Und alleine in der Region Stuttgart kommen laut Bahn auf die Fahrgäste in den kommenden drei Monaten folgende Sperrungen zu:
- 16. Januar bis 23. Februar: Sperrung zwischen Stuttgart-Vaihingen und Böblingen an Wochenenden. Betroffen: S-Bahn, Regional- und Fernverkehr (aus Zürich und Singen). Ersatzverkehr mit Bussen wird eingerichtet.
- 26. Januar bis 1. Februar: Sperrung zwischen Weil der Stadt und Renningen (beides Kreis Böblingen). Betroffen: S-Bahn-Verkehr. Ersatzverkehr mit Bussen wird eingerichtet.
- 24. Februar bis 25. März: Sperrung zwischen Bad Cannstatt und Fellbach (auch Waiblingen betroffen). Betroffen: S-Bahn, Regional- und Fernverkehr (aus Berlin, Nürnberg, Aalen). Ersatzverkehr mit Bussen wird eingerichtet, Fernverkehrszüge fallen aus oder werden umgeleitet.
Auch danach wird es zu weiteren Sperrungen kommen. Bereits jetzt ist klar: Im Sommer wird erneut der innerstädtische S-Bahn-Tunnel, die sogenannte Stammstrecke, vom 20. Juli bis 11. September gesperrt. Welche Bahnlinien genau betroffen sind und wie der Ersatzverkehr aussieht, kann man bei der Bahn nachlesen - für S-Bahn-Fahrgäste hilft auch ein Blick auf die Seite "Betriebslage und Baustellen der S-Bahn-Stuttgart".
Arbeiten für das neue elektronische Stellwerk Bauarbeiten am Hauptbahnhof Ulm: Keine Fernzüge und nur eingeschränkt Regionalzüge
Die Bahn baut, der Fernverkehr ruht: Am Hauptbahnhof Ulm entsteht ein neues, elektronisches Stellwerk. Beim eingeschränkten Regionalverkehr gibt es zum Start Probleme.
Bahn: Bauarbeiten gehen weiter
Auf SWR-Anfrage heißt es von der Bahn, dass trotz der Verschiebung der Tiefbahnhof-Inbetriebnahme die Arbeiten am Digitalen Knoten Stuttgart weitergehen und es daher auch in den kommenden Wochen zu den Sperrungen und Baustellen kommt. "Sie werden deshalb verstehen, dass wir uns zu Arbeiten, die unter anderem unmittelbar in Verbindung mit (Teil-)Inbetriebnahmen neuer Digitaltechnik stehen, aktuell nicht äußern können." Übersetzt bedeutet das: Im zweiten Halbjahr 2026 sollten ursprünglich Sperrungen stattfinden, die direkt mit der Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs in Verbindung standen. Ob davon Sperrungen eventuell auf 2027 verschoben werden können, scheint noch nicht fest zu stehen.
Auch im ersten Quartal 2026 führt die DB umfangreiche Arbeiten für das bundesweite Pilotprojekt Digitaler Knoten Stuttgart (DKS) aus.
Arverio: Die Bahn kündigt Baustellen zu knapp an
Nicht nur viele Fahrgäste haben das Gefühl, dass die Informationen zu Baustellen zu knapp und zu kurzfristig kommen. Auch dem Bahnbetreiber Arverio, der zum Beispiel die Nahverkehrsverbindungen von Stuttgart nach Karlsruhe, Nürnberg, Würzburg, Aalen und Ulm betreibt, bestätigt das. "Das Baustellenmanagement der Bahn wird immer schlechter im Vergleich zu den letzten Jahren", sagt Arno Beugel dem SWR. Er ist einer der Geschäftsführer bei Arverio. "Wir bekommen die Ankündigungen wirklich sehr, sehr spät", so Beugel weiter. Eigentlich müssten Baustellen mindestens 24 Wochen vorher angemeldet werden, im Schnitt kämen die Ankündigungen lediglich 14 Wochen vorher. "Da ist es für uns fast unmöglich, die Fahrgäste vernünftig zu informieren und einen guten Fahrplan und einen guten Verkehr bereitzustellen."
In Bezug auf die Baustellen von Stuttgart 21 hat auch er gewisse Hoffnungen, dass es vielleicht im zweiten Halbjahr besser wird, falls Sperrungen verschoben werden sollten. Das liege aber im Ermessen der Bahn. Ganz allgemein fordert Beugel beim Baustellenmanagement der Bahn: "Es darf eigentlich nur das gebaut werden, was wirklich planbar ist, was vernünftig angekündigt werden kann und was auch vernünftig abgewickelt werden kann." Zu oft würden Baustellen länger dauern, als angekündigt. "Das bedeutet Schwierigkeiten, denn oft sind die Busse für den Ersatzverkehr dann nicht mehr da."
Verschiebung von Stuttgart 21 sorgt auch für weitere Probleme
Die Verschiebung der Inbetriebnahme des künftigen Tiefbahnhofs bedeutet nicht nur, dass Fahrgäste länger mit Baustellen leben müssen. Es bedeutet auch, dass viele Planungen, die für Dezember 2026 bereits fertiggestellt wurden, wieder zurückgedreht werden müssen. Das betrifft vor allem den Regionalverkehr in Baden-Württemberg. Darüber hinaus muss die bisherige Infrastruktur des alten Kopfbahnhofs länger in Betrieb gehalten werden als bisher gedacht.