Das Bahnprojekt Stuttgart 21 soll bis Mitte 2026 einen neuen Zeitplan für die Eröffnung erhalten. Darauf einigten sich die Projektpartner bei einer Sondersitzung des Lenkungskreises am Montagvormittag am Flughafen Stuttgart. Im Sommer soll der neue Zeitplan stehen. Das teilten die Vertreter von Bahn und Land sowie Stadt und Region Stuttgart nach der Sitzung bei einer Pressekonferenz mit. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) forderte zudem eine "ehrliche Bestandsaufnahme" seitens der Bahn. Zu klären seien nun die Gründe für den geplatzten Teileröffnungstermin Ende 2026.
Bahn-Chefin zieht Reißleine Eröffnung von Stuttgart 21 für 2026 abgesagt: BW-Verkehrsminister spricht von fataler Nachricht
Die Deutsche Bahn hat die Inbetriebnahme des Milliardenprojekts nach Informationen des SWR verschoben. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.
S21: Bahnchefin verspricht "lückenlose Aufklärung"
Bahnchefin Evelyn Palla sagte dafür "maximale Transparenz" und eine "lückenlose Aufklärung" zu. Palla ist seit Oktober Vorstandsvorsitzende der Bahn. Für sie müssen nun zunächst einmal die Fakten auf dem Tisch liegen, bevor es einen Zeitplan für die Inbetriebnahme geben kann. Dafür sollen sich nun 15 Mitarbeitende mit den Akten zu S21 befassen und Interviews mit den Mitarbeitenden führen, so Palla. Auch unter den Kolleginnen und Kollegen sei die Enttäuschung groß: "Niemand ist glücklich über diese Situation."
Aus bisheriger Sicht seien die "Freigabe von Planungen" und "Verzögerungen durch den Dienstleister Hitachi" beim Aufbau des Digitalen Knotens Stuttgart (DKS) die Ursachen für die Misere. Diese Verzögerungen hätte man nur durch verkürzte Testphasen und noch mehr Sperrungen im laufenden Bahnverkehr ausgleichen können. Davon habe man dann aber abgesehen, erklärte Palla.
Nopper: Finanzierung für Pfaffensteigtunnel klären
Auch Ministerpräsident Kretschmann betonte, dass es nun Verlässlichkeit seitens der Bahn brauche: "Sonst erodiert das Vertrauen weiter." Allerdings: Keinen Termin mehr zu nennen, da man alle bisherigen nicht halten konnte, sei auch "keine Alternative". Es brauche einen belastbaren Zeitplan, so Kretschmann. Die Bahn müsse jetzt zeigen, dass sie Versprechen auch einhalten könne.
Die Verschiebung der S-21-Eröffnung hat aber auch Vorteile. So erklärte der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU), dass die Gäubahn nun länger noch oberirdisch in den Hauptbahnhof Stuttgart einfahren kann - für Pendler und Reisende aus Richtung Zürich und Singen eine gute Nachricht. Nopper forderte, den geplanten Pfaffensteigtunnel zügig voranzutreiben. Über den Tunnel soll die Gäubahn künftig den Flughafen und dann den Tiefbahnhof erreichen. "Deshalb sollen die Vereinbarungen für die Finanzierung des Pfaffensteigtunnels schnell unterzeichnet werden - möglichst noch 2025", forderte Nopper.
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Verschiebung: Pendler können erstmal durchatmen
Die Sperrungen und Bauarbeiten, die für die Inbetriebnahme nötig sind, werden sich voraussichtlich auf einen längeren Zeitraum verteilen. Auch Rainer Wieland, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart, begrüßte bei der Pressekonferenz, dass die Belastungen für die Nutzer des Regional- und S-Bahn-Verkehrs durch die Verschiebung verringert werden könnten. Er forderte von der Bahn nun einen "offenen Austausch" auf. Statt sich "allzu sehr mit dem Blick in den Rückspiegel zu beschäftigen", brauche es nun den "Blick in die Zukunft".
Das sagt Rainer Wieland, Vorsitzender des Verbands Region Stuttgart, zu den Ergebnissen der Sitzung des Lenkungskreises:
Die neuste Panne beim Bahnprojekt Stuttgart 21 ist erst vor wenigen Wochen bekannt geworden. Mitte November hatte sich herausgestellt, dass die Bahn den bislang anvisierten Teileröffnungs-Termin 2026 für den neuen Tiefbahnhof nicht halten kann. Damals hatte die Bahn als Bauherrin keinen neuen Eröffnungstermin genannt.
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Allerdings ist fraglich, ob das die alleinigen Gründe sind. SWR-Recherchen zeigen, dass es wohl weitaus mehr Punkte gibt, an denen der Teileröffnungs-Termin gescheitert ist. Zum Start der Bauarbeiten für Stuttgart 21 hatte die Bahn ursprünglich eine Fertigstellung 2019 angepeilt. Der Eröffnungstermin ist seither immer wieder verschoben worden.