Beinahe wäre das "Open Piano" der Jugendkunstschule Stuttgart in der Stadtbahn-Haltestelle Charlottenplatz verstummt. Dass dort auch zukünftig Melodien neben den fahrenden Stadtbahnen zu hören sein werden, ist einem privaten Spender zu verdanken. Doch zahlreiche andere Projekte stehen jetzt auf der Kippe.
"Open Piano" von Sparmaßnahmen betroffen
Die Stadt Stuttgart muss sparen - und das Finanzloch in Stuttgart ist noch viel größer als erwartet. Davon betroffen ist auch das "Open Piano", das von der Jugendkunstschule Stuttgart am Charlottenplatz gestellt wird.
Auf dem frei zugänglichen Klavier in der Stadtbahn-Haltestelle kann jeder spielen. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Stuttgart das Projekt noch mit 8.000 Euro bezuschusst, doch im neuen Haushalt ist dafür kein Geld mehr vorgesehen.
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Das "Open Piano" am Charlottenplatz in Stuttgart gibt es seit 2023
"Das hat uns hart getroffen", sagt Tina Pantisano. Die 42-jährige Erzieherin mit dem Schwerpunkt Kunst arbeitet an der Jugendkunstschule. Die Idee für ein Klavier entstand dort 2023 auf Initiative der Stadträtin Guntrun Müller-Enßlin (SÖS) gemeinsam mit der Jugendkunstschule. Seitdem wurden die Klaviere in der Jugendkunstschule restauriert und gestaltet. Aufgrund der Witterung müssen sie regelmäßig getauscht werden.
"Inzwischen ist das Klavier ein musikalischer Begegnungsort geworden. Es vergeht kein Tag, an dem das Klavier stumm bleibt", sagt Pantisano. In den vergangenen Tagen haben die Mitarbeiterinnen der Jugendkunstschule das neue "Open Piano" restauriert, lackiert und gestaltet. Als klar war, dass die Stadt kein Geld mehr dafür bereitstellen wird, ging die Jugendkunstschule an die Öffentlichkeit. Mit Erfolg - 6.000 Euro stellte ein Ehepaar aus Stuttgart-Heumaden zur Verfügung, wodurch die Finanzierung des "Open Piano" inklusive Wartung in den nächsten zwei Jahren gesichert ist.
Andere Kultur-Projekte durch die Kürzungen weiterhin gefährdet
Für Pantisano ein Lichtblick in einer unsicheren Zeit. Andere Kultur-Projekte seien durch den Sparzwang stark gefährdet, sagt sie. Denn die institutionelle Förderung soll bei der Jugendkunstschule im kommenden Doppelhaushalt um circa sechs Prozent gekürzt werden, konkret würden dadurch ungefähr 20.000 Euro fehlen.
Das "Open Piano" ist nur eines von vielen Projekten, das die Jugendkunstschule Stuttgart verantwortet. Das Kerngeschäft sind Kunstkurse, bei denen Schulen und Kindergärten die Möglichkeit haben, sich mit einem geringen finanziellen Beitrag künstlerisch kreativ zu betätigen.
Neuer Haushalt: Kunstkurse könnten zukünftig wegfallen
Durch die Förderungen der Stadt werden diese Kurse subventioniert, damit auch Gruppen aus Brennpunktschulen oder benachteiligte Kinder daran teilnehmen können. Zahlreicher dieser Angebote könnten durch die Kürzungen wegfallen und Personal nicht mehr gezahlt werden, sagt Pantisano.
Noch sei unklar, welche Förderungen noch wegfallen werden und welche konkreten Auswirkungen diese dann für die Jugendkunstschule hätten. "Wir wollen diese niederschwelligen Angebote auch in Zukunft ermöglichen, und dafür brauchen wir die Stadt, dass wir das leisten können", so die 42-Jährige.
"Open Piano" als Beispiel für privates Engagement in der Kultur
Seit Montagmittag steht das neue "Open Piano" am Charlottenplatz. Für Pantisano könnte das Klavier ein gutes Beispiel dafür sein, welche Wirkung private Spenden im Kulturbereich haben. "Die letzten Tage waren wirklich nervenaufreibend und viel Arbeit, aber jetzt sind wir glücklich und froh, dass es bestehen bleibt", sagt Pantisano.