In ganz Deutschland haben am Mittwoch Razzien in mehreren Städten stattgefunden. Es geht um Korruptionsverdacht in Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft 2024. Das teilte das Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen mit. Auch in Stuttgart gibt es Ermittlungen.
Durchsuchungen auch bei Veranstaltungsgesellschaft in.stuttgart
Wie die Veranstaltungsgesellschaft in.stuttgart dem SWR bestätigt hat, fanden in ihrem Gebäude auf dem Cannstatter Wasen am Mittwoch Durchsuchungen statt. Es hieß am Mittwoch: "Wir bestätigen Ihnen, dass das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft bei uns im Haus sind", so die Veranstaltungsgesellschaft. "Selbstverständlich unterstützen wir die Behörden im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben," hieß es weiter.
Die Staatsanwaltschaft Bochum und das Landeskriminalamt NRW ermitteln wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung. Es geht um exklusive Vorkaufsrechte für Eintrittskarten, die Verantwortliche den Gastgeberstädten angeboten haben sollen. Diese seien von einigen Städten genutzt und unterschiedlich verwendet worden. Die Beschuldigten hätten bislang keine Gelegenheit gehabt, sich zu den Vorwürfen zu äußern, hieß es. Es gelte die Unschuldsvermutung.
2024: Correctiv-Recherchen zu EM-Tickets
Das Medienhaus "Correctiv" hatte bereits im Juli 2024 zu einem Vorkaufsrecht für Stadt-Mitarbeitende für die EM berichtet. Ihre Recherchen, zusammen mit dem Onlinemagazin "FragDenStaat", zeigten, dass alle zehn EM-Städte exklusive Vorkaufsrechte für tausende EM-Tickets erhielten und dies in mehreren Fällen nicht transparent machten. Drei Städte nahmen demnach das Angebot nicht an, weil ihnen zum Beispiel ein Antikorruptionsbeauftragter davon abriet. Wie Correctiv weiter schreibt, habe Stuttgart als einziger EM-Spielort der Redaktion keine Auskunft gegeben.
Wie die Stadt Stuttgart dem SWR am Donnerstag mitteile, habe sie die Anfrage über "FragDenStaat" erreicht, mit einer Antwort-Frist von zwei Tagen. Diese sei demnach zu knapp gewesen, um die Fragen beantworten zu können.
Stuttgart: Fast 2.300 Karten von der UEFA angenommen
Wie die Stadt Stuttgart erklärte, habe die UEFA ihr vor der EM 2024 ein Ticketkontingent von 3.500 Eintrittskarten angeboten, darunter 210 Freikarten. Angenommen habe sie 2.297 Tickets, darunter 159 Freikarten. Nur so hätten die Repräsentanten und ihre offiziellen Gäste bei den Spielen dabei sein können.
Das Verfahren nach dem die Freikarten vergeben wurden, habe die Stadt von einem Fachanwalt für Compliance-Fragen prüfen lassen. Diese Karten seien immer einzeln, also ohne Begleitung, vergeben worden. Folgende Personenkreise haben demnach eine Rolle gespielt:
"Angeboten wurden die Karten (...) einem Personenkreis mit repräsentativer Bedeutung aus beispielsweise Mitgliedern der Landesregierung oder des Landtags, Parlamentariern mit Wahlkreis in Stuttgart, Landräten, Oberbürgermeistern, Konsuln, Repräsentanten von Partnerstädten und Mitgliedern des Stuttgarter Gemeinderat sowie Persönlichkeiten, die von der Stadt Stuttgart in der Vergangenheit mit Ehrungen ausgezeichnet wurden."
Die übrigen 2.138 Karten habe die Veranstaltungsgesellschaft "in.Stuttgart" käuflich erworben. Die städtische Veranstaltungsgesellschaft der Stadt war mit der Gesamtorganisation der Europameisterschaft 2024 in Stuttgart beauftragt.
In wenigen Fällen haben die Referate der Stadtverwaltung laut der Stadt Stuttgart die angebotenen Tickets nicht abgenommen. Die überschüssigen Tickets hätten Beschäftigte der Stadtverwaltung und der städtischen Beteiligungsgesellschaften käuflich erworben.