Zwischen Enttäuschung und kleinen Erfolgen

Synodaler Weg verabschiedet Abschlusserklärung: Reformen sollen weitergehen

Seit sechs Jahren ringt die katholische Kirche in Deutschland um Reformen. Am Samstag gab es die letzte Vollversammlung in Stuttgart. Der Reformprozess soll weitergehen.

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Von Autor/in Claudia Bathe, Luisa Weinig

Mit einer Abschlusserklärung ist am Samstag in Stuttgart die letzte Vollversammlung des Synodalen Wegs zu Ende gegangen. Rund 180 Mitglieder des Reformprojekts der katholischen Kirche haben sich getroffen, um kritisch auf die bisherigen Ergebnisse zu blicken. Unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals und des Vertrauensverlusts bei den Gläubigen hatten die Bischöfe 2019 und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Vertreter der Laien den Synodalen Weg gestartet.

Gemeinsam hat man seitdem in fünf Vollversammlungen über brennende Fragen im kirchlichen Leben beraten, diskutiert und gestritten. 15 Reformtexte wurden verabschiedet, darunter neun konkrete Handlungstexte, etwa für Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, Prävention von sexuellem Missbrauch, die Beteiligung von Gläubigen an Bischofswahlen oder die Möglichkeit, auch für Frauen in Messfeiern zu predigen. Trotz zahlreicher gefasster Beschlüsse ziehen die Beteiligten bei der Abschlussveranstaltung eine gemischte Bilanz.

Fortschritte auf dem Papier, aber stockende Umsetzung in den Bistümern

Ein zentraler Kritikpunkt der Abschlussversammlung war die langsame oder fehlende Umsetzung vieler Reformbeschlüsse. Von den 27 deutschen Bistümern haben laut Bericht der Synodalversammlung bislang nur 23 auf eine anonyme Umfrage zur Umsetzung geantwortet. Alle, die sich beteiligten, hatten mit der Umsetzung begonnen. 13 Bischöfe gaben beispielsweise an, dass in ihren Diözesen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt werden.

Keines der Bistümer hat jedoch alle Beschlüsse vollständig umgesetzt. Welches Bistum welche Reformen umgesetzt hat, wird in dem Bericht nicht explizit benannt. Das sowie die schleppende Umsetzung sorgen für Kritik. Der Theologe Bernhard Emunds forderte die Aufhebung der Anonymisierung der Berichte.

Vier Bistümer haben Fragebogen zum Reformprozess ignoriert

Kardinal Woelki aus dem Erzbistum Köln und Bischöfe von Eichstätt, Regensburg und Passau haben den Fragebogen ignoriert. Diese Gruppe konservativer Bischöfe mit guten Kontakten nach Rom lehnt den Synodalen Weg weitestgehend ab. Genauso wie der Nuntius, der für den Vatikan den Reformprozess beobachtet.

Dadurch seien einige Vorhaben des Synodalen Weges in der Praxis blockiert worden, sagt Martin Schockenhoff, der draußen vor dem Tagungsgebäude zusammen mit anderen Gruppierungen der Reformbewegung "Wir sind Kirche" demonstriert. Zum Beispiel sei der Handlungsbeschluss für die Beteiligung von Laien an Bischofswahlen deswegen nicht umsetzbar gewesen. Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland vier Bischofssitze neu zu besetzen.

Der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis des Berichts: "Es werden leider Dinge nicht gemacht, die die Bischöfe mitbeschlossen haben." Kirchenmitgliedschaftsuntersuchungen zeigten: "Die Hütte brennt", so der Stadtdekan. Es gebe sehr viele Menschen in der Kirche, die fordern, dass die Reformen verwirklicht werden. Laut Hermes könne man dies auch mit guten theologischen Gründen umsetzen.

Pressekonferenz der Synodalversammlung des Synodalen Wegs der katholischen Kirche
Pressekonferenz der Synodalversammlung des Synodalen Wegs der katholischen Kirche.

Bischof Bätzing: Synodaler Weg darf kein einmaliges Ereignis sein

Doch trotz aller Aufs und Abs sind sich Bischöfe und Laien nach sechs Jahren einig: Der Dialog miteinander soll fortgesetzt werden. Der Synodale Weg sei "alles andere als ein abgeschlossenes Projekt". Um die Reformbemühungen zu festigen, soll deshalb im November die Synodalkonferenz als neues nationales Beratungs- und Beschlussgremium starten. Dieses Gremium, das aus Bischöfen und Laien besteht, soll dauerhaft die systemischen Dimensionen des Machtmissbrauchs bekämpfen, gegen Diskriminierung vorgehen und Geschlechtergerechtigkeit fördern. Voraussetzung ist jedoch zuerst die Zustimmung der Deutschen Bischofskonferenz und schließlich die des Vatikans.

Reformorientierte Bischöfe pflegen inzwischen einen engen Kontakt zum Vatikan, damit solche Vorhaben wie die Synodalkonferenz schlussendlich nicht überraschend an einen Einspruch Roms scheitern. Georg Bätzing, Vorsitzender der Bischofskonferenz, hatte sich stets auf die Seite der Reformorientierten gestellt und betont, dass der Synodale Weg kein einmaliges Ereignis bleiben dürfe. Gegenüber dem SWR sagte er, dass man diese Art der Beratung, Transparenz und Rechenschaft dauerhaft beibehalten wolle. "Wir haben große Zuversicht, dass wir das zusammen mit Rom auch machen können", so Bätzing. Man rechne also damit, dass Papst Leo XIV. seine Zustimmung zur Synodalkonferenz geben wird.

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Claudia Bathe
Luisa Weinig
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