In Aichtal (Kreis Esslingen) findet dieses Wochenende eines der größten Drohnenrennen der Welt statt. Über dem Sportplatz sirrt und zischt es. Mit dem bloßen Auge sind die Drohnen kaum zu erkennen, die mit bis zu 200 Kilometern pro Stunde durch einen Parcours sausen. Die Piloten, die sie steuern, sitzen neben den Hindernissen in einem Zelt. Sie tragen VR-Brillen, durch die es sich für sie anfühlt, als säßen sie selbst im Cockpit.
Hier geht es nur um den Sport. Aber in der Ukraine ist das die Ausnahme. Dort werden mit Drohnen Angriffe geflogen, Wettbewerbe nur zum Spaß, gibt es nicht.
Premiere in Aichtal: Erster Start für ein Team aus der Ukraine
Alex Sasin kommt direkt von der Front: Er hatte keine Zeit für den Wettkampf zu trainieren. Deshalb konzentriert er sich auf die Organisation für sein Heimatteam. Sechs Piloten starten beim Drohnen Weltcup in Aichtal für ihr Heimatland. Es ist eine Premiere. Zum ersten Mal startet ein Team aus der Ukraine bei einem internationalen Wettbewerb. Dabei ist die Ukraine ganz vorne, wenn es um die militärische Nutzung von Drohnen geht.
Seit Kriegsbeginn fliegt Alex Sasin Drohnen im Einsatz gegen Russland. Davor war der 36-jährige Manager in einem Busunternehmen. An der Front werden schwere Drohnen verwendet, erzählt er, sie wiegen 80 oder 120 Kilogramm und es gibt noch viel schwerere. In Aichtal fliegen sie mit kleinen Drohnen, die höchstens 500 Gramm wiegen.
Lange Anreise mit strenger Kontrolle an der Grenze
Die Kontrolle an der Grenze war streng und langwierig. Nur mit einer Spezialgenehmigung des Sportministeriums durften die Ukrainer überhaupt ausreisen. Am Montag müssen sie wieder zurück an der Grenze sein. Die Zeit in Aichtal genießen sie sehr, sagen die Männer. Es sei so friedlich und entspannt hier. Ziviles Leben gebe es in der Ukraine seit Kriegsbeginn eigentlich nicht mehr. Richtig abschalten könnten sie aber trotzdem nicht. Die Nachrichten über Angriffe auf die Ukraine zu lesen, bereite ihnen Schuldgefühle, erzählen sie.
Draußen tobt mittlerweile ein Wolkenbruch, in einem Zelt neben dem Hindernisparcours bereiten sich die Teams auf die nächsten Runden vor. Stefan Datsik schraubt noch an seiner Drohne herum und schaut sich den schwierigen Parcours auf dem Monitor an. Er lebt als einziges Teammitglied in Deutschland. Der 21-Jährige ist bei Kriegsbeginn aus der Ukraine geflohen. Weil er nicht volljährig war, durfte er ausreisen. "Ich bin sehr froh, dass mein Team angekommen ist", sagt er. Die Teilnahme bedeute ihnen allen viel, bringe aber auch eine hohe Verantwortung.
Waffe oder Sportgerät? In Aichtal geht es um Drohnensport
Claus Bargenda hat großen Respekt vor der Mannschaft aus der Ukraine. Er ist in Aichtal für die Organisation des Platzes zuständig, kümmert sich um Strom, Toiletten, Zelte und vieles mehr. Die Infrastruktur für rund 100 Drohnenpiloten aus der ganzen Welt. "Wir haben mindestens zwölf Nationen hier", sagt er und zählt einige auf: Italien, Japan, China, Norwegen und zum ersten Mal eben die Ukraine.
Teilnehmer, die direkt aus dem Kriegsgebiet kommen, seien schon eine Besonderheit, sagt er. Ein Pilot habe ihm erzählt, dass sie die Drohnen an der Grenze komplett auseinander nehmen mussten, weil Drohnen als Waffen gelten. Das seien schwere Bedingungen. Aber hier würden sich alle gegenseitig helfen. In Aichtal werde rein sportlich geflogen, er kenne aber auch Wettbewerbe für militärische Drohnenflieger, zum Beispiel in Belgien. Auch in Deutschland nimmt die Bedeutung von Drohnen als Waffen zu. Die Bundesregierung investiert in Drohnen und will bei der Entwicklung von militärischen Drohnen mit der Ukraine zusammenarbeiten.
"Drohnen sind wichtig für die Zukunft der Ukraine"
An diesem Wochenende sei es für sie einfach wichtig, dabei zu sein, sagen die Piloten aus der Ukraine. Aber natürlich wollen sie auch gut abschneiden. Und sie sammeln Wissen über den Ablauf eines Drohnenrennens. Alex Sasin will in Zukunft auch in der Ukraine Wettbewerbe im sportlichen Drohnenfliegen organisieren.
"Das ist ein guter Sport, das wollen wir unseren Kindern beibringen", sagt er. Und bestätigt auf Nachfrage, dass es natürlich für die Ukraine auch wichtig sei, dass möglichst viele Menschen lernen, Drohnen zu steuern, falls der Krieg noch lange dauert. Drohnenpilot sei jedenfalls der beste Job beim Militär, sagt er, seine Teamkollegen lachen.