Aus für Alpakafarm in Vahingen an der Enz?

Trächtige Alpakas von Nachbarn rausgeklagt: Tierhalter wehrt sich

In Ensingen im Kreis Ludwigsburg sollten hochträchtige Alpakastuten wegen einer Beschwerde die Weide wechseln. Eine Petition stoppt den Umzug - vorerst.

Teilen

Stand

Von Autor/in Laura Grabowski

Patrick Stellmach aus Ensingen, einem Stadtteil von Vaihingen an der Enz im Kreis Ludwigsburg, arbeitete jahrelang bei Bosch. Doch vor gut zwei Jahren ließ er den krisengeschüttelten Konzern hinter sich, um sich mit einer kleinen Alpakafarm ein neues Leben aufzubauen. Fünf Alpakastuten stehen inzwischen direkt hinter dem Wohnhaus der Familie auf einer Weide. Doch jetzt droht das Aus für die Farm: Ein Ehepaar aus der Nachbarschaft hat gegen die Tierhaltung geklagt. Sie befürchten eine "Geruchsbelästigung" sowie eine "Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität", heißt es in einer Beschwerde.

Alpaka-Besitzer Patrick Stellmach
Patrick Stellmach auf seiner Alpaka-Weider direkt neben seinem Haus.

Haltung von Alpakas im Außenbereich gesetzlich verboten

Und tatsächlich ist die Tierhaltung an dieser Stelle in Ensingen baurechtlich nicht zulässig, teilt das Regierungspräsidium auf SWR-Anfrage mit: "Da es sich bei der hier vorliegenden Tierhaltung um keinen landwirtschaftlichen Betrieb handelt, sondern um eine rein gewerbliche Nutzung, ist die Tierhaltung im Außenbereich nicht nach § 35 Abs. 1 Baugesetzbuch privilegiert zulässig."

Das Regierungspräsidium hat deshalb der Beschwerde des Ehepaars Recht gegeben. Innerhalb einer Woche müssten die Alpakas deshalb verschwinden, innerhalb von zwei Wochen der Zaun und innerhalb von drei Monaten der Stall. Doch inzwischen gibt es für Stellmach und seine Tiere zumindest neue Hoffnung. Denn er hat eine Petition gestartet und damit sind die Fristen zunächst außer Kraft gesetzt.

Stadt Vaihingen steht hinter den Alpakas

Dass die Tierhaltung direkt neben dem Wohnhaus per Gesetz nicht erlaubt ist, wusste Stellmach sogar von Anfang an: "Deshalb bin ich auf die Stadt zugekommen und habe ein Gespräch gesucht, wie man das vielleicht noch anders lösen kann." Die Stadt Vaihingen fand die ursprüngliche Idee mit den Alpakas damals super und suchte nach einer kreativen, unbürokratischen Lösung. Heraus kam ein öffentlich-rechtlicher Vertrag, der die Nutzung regelt.

"Dieser Vertrag sollte entgegen der Formalie einfach geschlossen werden, weil wir gesehen haben, es gibt keinerlei Emissionen, die Tiere tun niemandem weh und wir hätten auch nicht erwartet, dass sich dagegen jemand auflehnt", fasst Astrid Kniep, die Pressesprecherin der Stadt, zusammen.

Aber wir wissen auch, die Toleranz endet immer am eigenen Gartenzaun.

Rund 50 Leute zeigen Solidarität

Dabei steht gefühlt fast ganz Ensingen hinter Stellmach und seinen Alpakas. Als er die Geschichte auf Instagram teilte, hat er viel Zuspruch bekommen. Am geplanten Umzugstag der Alpakas versammelten sich sogar rund 50 Menschen aus Ensingen und der Umgebung vor der Alpakafarm, um ihre Solidarität zu zeigen.

Social-Media-Beitrag auf Instagram

Eine schöne Erfahrung für Tierhalter Stellmach: "Es ist ja nicht nur der Ort, es sind auch Leute von außerhalb, ehemalige Gäste, die jetzt hierher gekommen sind und das berührt mich einfach. Es ist wirklich schön zu sehen, dass die Arbeit geschätzt wird."

Viele Ensinger wollen Alpakas behalten

"Es wäre schade, wenn sie weg sind. Meine kleine Tochter mit 18 Monaten findet die ganz toll", sagt eine Anwohnerin. "Es geht ja auch um die Zukunft einer Familie, man kann denen nicht einfach die Existenz wegnehmen", sagt eine andere.

Ob die Alpakas tatsächlich umziehen müssen, wird sich in den nächsten Monaten entscheiden. Denn der Petitionsausschuss prüft nun alle Unterlagen und will sich vor Ort ein eigenes Bild von der Situation machen. Bis dahin sind die Alpakababys immerhin auf der Welt, sodass keine trächtigen Stuten umziehen müssen.

Alpaka-Weide lockt viele Spaziergänger an

Aber auch für die Babys wäre die alternative Weide keine gute Option. Sie liegt rund 20 Gehminuten vom Haus der Stellmachs entfernt. Das größte Problem sei, dass hier viele Spaziergänger vorbeikommen: "Ich weiß, dass sie das nicht böse meinen, aber wenn ein kleines Alpakababy rumspringt, dann fängt man an, das Tier anzulocken. Dann will man es vielleicht füttern, dann ist vielleicht was Giftiges dabei", gibt Patrick Stellmach zu bedenken.

Patrick Stellmach hofft, dass es noch eine andere Möglichkeit gibt, damit die Tiere weiterhin auf der Weide neben dem Haus bleiben dürfen.

Vaihingen an der Enz

Wenn der Bürojob nicht mehr glücklich macht Berufswechsel vom Ingenieur zum Alpaka-Farmer

Patrick Stellmach hat über zehn Jahre als Ingenieur gearbeitet. So richtig glücklich war er mit dem Bürojob jedoch nicht. Bei einem Allgäu-Urlaub besuchte er eine Alpaka-Farm. Da sprang der Funke sofort über und als sein Arbeitgeber dann anfing Stellen abzubauen, passte alles zusammen. Patrick entschied sich zusammen mit seiner Familie eine eigene kleine Alpaka-Farm in Vaihingen an der Enz zu gründen.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Mein Tier: 5 Alpakas und jede Menge Liebe

Familie Paule hat in Stuttgart-Rohr gleichmal eine tierische Bande. Ein Stall voller Alpaka-Damen, die den Familienalltag fest im Griff haben.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Nürtingen

Geburtstagsküsschen inklusive Alpakafarm statt im Partykeller: Siri feiert seit zehn Jahren Geburtstag mit Alpakas

Siri Arnold aus Köngen liebt Alpakas. Schon seit zehn Jahren feiert sie ihren Geburtstag mit den Tieren - damals mit 6 und auch heute noch mit 16 Jahren.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Laura Grabowski
Laura Grabowski

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!