Mehr als Ökostrom

Warum in Weinstadt nicht nur ein riesiger Solarpark entstehen soll

Weinstadt will bis 2035 klimaneutral sein - und dafür den größten Solarpark im Raum Stuttgart bauen. Aber der ist nur ein Teil des Plans.

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Von Autor/in Siri Warrlich

In Weinstadt (Rems-Murr-Kreis) sollen Stromversorgung und Heizen schon bald klimafreundlicher werden. Der Plan: Ein großer Solarpark könnte ein Fünftel des Strombedarfs der Stadt decken. Wenn viel Strom aus Sonne da ist, soll damit zudem eine Großwärmepumpe betrieben werden. Außerdem sind Strom- und Wärmespeicher geplant, erklärt Edgar Neumann, Vorstandsmitglied des Vereins Klimabündnis Weinstadt.

Weinstadt: Auf diesem Gelände soll ein großer Solarpark entstehen.
Auf diesem Gelände auf dem Schönbühl soll der Solarpark gebaut werden. Früher lag hier ein Jugendheim.

Ziel: 40 Prozent Ökostrom in Weinstadt

Weinstadt mit seinen rund 27.000 Einwohnern hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2035 klimaneutral zu werden. Der Solarpark sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin, so Neumann. Bislang würden in der Stadt rund 18 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen - zum Beispiel durch Solaranlagen auf Dächern. Mit dem Solarpark könnte die Quote auf rund 40 Prozent steigen.

Auf einer Fläche von 20 Hektar, was etwa 20 bis 30 Fußballfeldern entspricht, sollen Solarmodule errichtet werden. Der Park auf der Anhöhe Schönbühl soll eine Spitzenleistung von mehr als 20 Megawatt erreichen. Neumann hofft, dass bis Herbst 2026 alle Genehmigungsverfahren abgeschlossen sein werden und dann mit dem Bau begonnen werden kann. Er rechnet mit einer Bauzeit von maximal etwa einem halben Jahr. Damit könnte der Solarpark bereits im Jahr 2027 Strom produzieren.

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Solarpark soll Strom für Wärmepumpe liefern

Warum man in Weinstadt nicht nur auf Solarstrom, sondern auf ein Zusammenspiel mehrerer Bausteine setzt, erklärt Neumann so: "Strom und Wärme werden miteinander gekoppelt. Mit dem Strom aus dem Solarpark wird eine Großwärmepumpe an der Kläranlage betrieben, die Abwärme aus der Kläranlage nutzt, sie auf ein höheres Niveau pumpt und ins vorhandene Nahwärmenetz einspeist."

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Bürger stellten Antrag für Klimaneutralität

In anderen Kommunen sind Ökostrom-Projekte häufig umstritten. Doch in Weinstadt stehen viele Menschen hinter dem Projekt. Neumann erklärt das so: Die Grundlagen für das Projekt wurden schon vor einigen Jahren gelegt - zur Hochphase der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future". Im Jahr 2021 hatten Bürgerinnen und Bürger einen Antrag gestellt, dass die Stadt bis 2035 klimaneutral werden soll.

"Diesem Antrag ist der Gemeinderat gefolgt und hat ihn verabschiedet. Das war sozusagen der Einstieg", sagt Edgar Neumann. Später folgte ein Klimaaktionsplan und aus der Gruppe von Bürgern gründete sich das Klimabündnis Weinstadt. Neumann selbst hat bis zu seinem Ruhestand 2024 als Sprecher von BW-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gearbeitet.

Genossenschaft: Bürger können selbst investieren

Hinzu kommt in Weinstadt: Die baulichen Bedingungen in Weinstadt seien gut, so Neumann. Manche Akteure zögen aus reiner Vernunft mit. "Die Kommune hat etwas davon. Sie hat eigene Energie zur Verfügung, die sie nicht teuer anderswo einkaufen muss." Zwischen 50 und 70 Millionen Euro werden der Solarpark und die anderen Bausteine wie Stromtrasse, Umspannwerk und Großwärmepumpe laut Neumann etwa kosten.

Über eine Genossenschaft können sich Bürgerinnen und Bürger selbst finanziell beteiligen und so ihr Geld anlegen. Auch die Volksbank Stuttgart ist mit an Bord. Langfristig peile die Genossenschaft eine Dividende von drei bis vier Prozent an, sagte Andreas Killmaier von der Volksbank Stuttgart jüngst in einem Interview mit der "Stuttgarter Zeitung".

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