Beten in Schichten, rund um die Uhr: In der kleinen Wallfahrtskirche Maria Lindenberg bei St. Peter (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) sitzen stets mehrere Männer und beten für den Frieden. Die ständige Gebetswache wurde durch einen Staatsbesuch Konrad Adenauers vor 70 Jahren ausgelöst.
Es ist still in der kleinen Wallfahrtskirche Maria Lindenberg bei St. Peter. Mehrere Männer sitzen in einer der vorderen Reihen in ihre Gebete und Gedanken versunken. Draußen scheint die Sonne, der Blick reicht weit ins Dreisamtal hinunter und bis zum Feldberg hinüber. Ein paar Touristen machen Fotos, vor der Tür warten mehrere Männer der Gebetsgruppe Lahr auf die volle Stunde, dann wird es Zeit für die Gebetsablösung.
Ein Stundenplan regelt, wer wann betet
Ein kurzer Gang zur vorderen Reihe. Die Herren nicken sich zu, dann sprechen sie gemeinsam ein Gebet und singen ein Lied. Die Ablösung nimmt Platz und beginnt ihr stilles Gebet. So geht es auf dem Lindenberg seit vielen Jahrzehnten zu. Ein Schild mahnt die Besucher am Eingang, dass hier ständig gebetet wird. Für die Männer sind diese Stunden etwas ganz Besonderes.
Eingeteilt sind sie nach einem Stundenplan: Niemand betet durchgängig. Jeder ist eine Stunde tagsüber dran und zwei Stunden sind es nachts. So ist die Kirchenbank rund um die Uhr besetzt. Im Mittelpunkt des Gebets: der Frieden. Der Gedanke daran eint die gut 800 Männer, die an der Gebetwache des Katholischen Männerwerks teilnehmen.
Das ist vielleicht die einzige Möglichkeit durch die ich noch etwas ändern kann: Mit Hilfe des Gebets.
Eine Reise von Konrad Adenauer war Auslöser der Gebetswache
Der Ursprung: Konrad Adenauer machte sich 1955 auf eine Reise nach Moskau, um über die Freilassung von über 10.000 deutschen Kriegsgefangenen und 20.000 internierten Zivilisten zu verhandeln. Männer aus der Erzdiözese Freiburg beteten schon damals Tag und Nacht während der Moskaureise um gutes Gelingen.
Im Februar 1955 fand so die erste Gebetswache des Männerwerkes auf dem Lindenberg bei St. Peter statt. Viele Männer wollten sich, geprägt durch grausame Kriegserfahrungen, für den Frieden einsetzen und taten dies in der Gebetswache.
Konrad Adenauers Mission hatte Erfolg, bereits im Oktober 1955 kehrten die ersten Kriegsgefangenen nach Deutschland zurück. Seit dieser Zeit beten die Gruppen fast das ganze Jahr über auf dem Lindenberg bei St. Peter für den Frieden und für viele weitere Angelegenheiten.
Es kann Frieden geben mit Sicherheit, da bedarf es des Zutuns vieler.
Besonders beliebt: die nächtlichen Gebetsstunden
Nachts wird es noch ruhiger auf dem Lindenberg bei St. Peter, dann sind die Männer jeweils für zwei Stunden zur Gebetswache eingeteilt. Die härteste Schicht ist die von 2 bis 4 Uhr morgens, erzählt Thomas Fösel.
Untergebracht sind die Betenden im Gäste- und Tagungshaus Maria Lindenberg. Die Männer sind fast alle im Ruhestand, viele über 70 Jahre alt, bei den Gesprächen geht es nicht nur um Frieden, sondern sie tauschen sich auch über weltliche Dinge aus, die Tage und Nächte auf dem Lindenberg sind für die Männer eine wertvolle Zeit.
Wer kann, kommt immer wieder, so auch der 88-Jährige Albin Beck aus Kippenheim. Über 30 Mal war er schon bei der Gebetswache dabei, erzählt er. Und hofft, dass er es noch bis zu seinem 90. Geburtstag schafft. "Das soll der da oben entscheiden", sagt er.
Das ist notwendig, also das Gebet und der Friede, der Friede ist heute notwendiger als je zuvor.
Neue Friedensglocke seit Juli 2025
Seit Juli steht ein Häuschen mit einer Friedensglocke auf dem Lindenberg, die Glocke trägt den Namen des Heiligen Bruder Klaus, des Patrons der Gebetswache. Seit diesem Juli erklingt täglich der Klang der frisch eingeweihten Friedensglocke vom Lindenberg.
Jeden Abend läuten die Männer die Friedensglocke, die in einem kleinen Häuschen direkt neben der Wallfahrtskirche steht. Die Glocke wurde anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der Gebetswache errichtet. Die Männer der Erzdiözese Freiburg geben die Hoffnung nicht auf, dass ihre Gebete etwas beisteuern können, zum Frieden in dieser Welt. Sie beten weiter - Tag und Nacht.