Am westlichen Rand von Freiburg wird aktuell an einem der deutschlandweit größten Wohnbauprojekte gearbeitet. 16.000 Menschen sollen hier einmal wohnen, auf einer Fläche, die etwa so groß ist wie 150 Fußballfelder. Am Freitagmittag hat nun die Vermarktung der ersten Grundstücke begonnen - genau zwei Jahre nach dem Spatenstich mit dem damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz. Interessierte können sich jetzt online über eine Vermarktungsplattform auf die Grundstücke bewerben.
Es geht um die ersten 800 Wohnungen im Bauabschnitt am Frohnholz. Angeboten werden Grundstücke für kleine, sogenannte Townhouses mit zwei Wohnungen, genauso wie für große Grundstücke mit Platz für bis zu 50 Wohnungen. Die Wohnungen sollen in 23 Vergabepaketen vermarktet werden. Die Bewerbung ist offen für alle: von klassischen Wohnungsbaugesellschaften über Baugenossenschaften bis hin zu Baugruppen und einzelnen Familien.
Durchschnittliches Grundstück kostet 1.700 Euro pro Quadratmeter
Ein Grundstück im ersten Vermarktungsabschnitt kostet durchschnittlich rund 1.700 Euro pro Quadratmeter. Die Preise für die Grundstücke sind Festpreise. Der tatsächliche Preis eines spezifischen Grundstücks hängt jedoch davon ab, wie viel Wohnfläche auf dem Bauland gebaut werden darf. Es gilt also: Bei Grundstücken für größere Wohnblöcke ist der Quadratmeterpreis höher, bei kleineren Wohneinheiten etwas günstiger.
Wer in Dietenbach bauen möchte, muss außerdem einen Anteil an Gemeinschaftsflächen sowie den Müllentsorgungsanlagen und den Parkplätzen bezahlen. In Dietenbach haben Wohnungen keine eigenen Parkplätze. Stattdessen gibt es Quartiersgaragen. So will man den Autoverkehr möglichst aus den Wohnvierteln heraushalten.
30.000 Euro für einen halben Parkplatz
Für den Bau der Quartiersgaragen müssen pro Wohnung 30.000 Euro bezahlt werden. Wer später aber tatsächlich einen Parkplatz nutzen will, muss ihn dann noch zusätzlich anmieten. Hinzu kommt: Die 30.000 Euro decken nur die Kosten für einen halben Parkplatz. In Dietenbach wird es also nur halb so viele Parkplätze wie Wohnungen geben. Die Stadt setzt darauf, dass nicht alle Menschen ein eigenes Auto besitzen.
Dietenbach nur für Besserverdienende?
Bei einer Infoveranstaltung am Abend vor dem Beginn der Vermarktung ging ein leises Raunen durch den Saal, als die Kosten bekanntgegeben wurden. Zwei Architekten im Publikum rechneten die genannten Kosten mit den erwartbaren Baukosten zusammen und kamen zu dem Ergebnis: Das könnten sich nur Besserverdienende leisten.
Die Stadt will aber genau das verhindern. Deshalb setzt sie auf eine Quote von 50 Prozent günstigem, gefördertem Wohnraum. Hierfür wolle man 400 Millionen Euro an Fördermitteln nach Dietenbach bringen, so Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn bei der Veranstaltung.
Gestiegene Materialkosten und Löhne machen Wohnraum teuer
Die Förderungen seien momentan sehr attraktiv, sagt Baubürgermeister Martin Haag gegenüber dem SWR. Da gebe es etwa das Wohnraumförderprogramm des Landes. Für 40 Jahre werde die Miete damit um 40 Prozent unter die ortsübliche Vergleichsmiete abgesenkt.
Haag sagt aber auch: Neubau ist teurer. "Was wir nicht außer Kraft setzen können, ist, dass es Lohnpreissteigerungen gibt, dass es Materialpreissteigerungen gibt. Und die kommen am Ende auf den Baupreis und den Mietpreis obendrauf", so der Baubürgermeister. Mieten für sechs bis zehn Euro für den Quadratmeter seien deshalb nicht möglich in Dietenbach. Das gelte im Neubau aber inzwischen für ganz Deutschland.
Wie geht es weiter mit Dietenbach?
Die Bewerbungsphase für die ersten Grundstücke in Dietenbach läuft noch bis Mitte Juni. Dann entscheidet ein Gremium, bestehend aus Gemeinderatsmitgliedern, über die Vergabe. Wer sich hier durchsetzen möchte, sollte Gebäude planen, die einen möglichst hohen städtebaulichen, ökologischen und sozialen Beitrag für den neuen Stadtteil leisten. Der Bau der ersten 800 Wohnungen soll dann 2028 beginnen.