Jugendlicher will Fahne anzünden

Gedenken an Reichspogromnacht: Störung in Lahr, friedlich in Freiburg

Bei einem Gedenken an die Pogromnacht in Lahr soll ein 17-Jähriger versucht haben, eine Israel-Flagge in Brand zu setzen. In Freiburg verlief die Gedenkfeier dagegen friedlich.

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Stand

Von Autor/in David Pister

Bei einem Gedenken der Opfer der Pogromnacht 1938 in Lahr (Ortenaukreis) hat ein 17-Jähriger den Ermittlungen zufolge eine israelische Fahne gestohlen – und wollte sie anzünden. Der Jugendliche wurde festgenommen.

Zudem nahmen die Einsatzkräfte einen 32 Jahre alten Tatverdächtigen fest, der Teilnehmende der Gedenkveranstaltung beleidigt haben soll, teilte die Polizei mit. Nach einem dritten, bislang unbekannten Mann, der eine weitere Fahne beschädigt haben soll, wird gefahndet. Verletzt wurde niemand. An der Veranstaltung haben etwa 15 Personen teilgenommen.

Friedliches Gedenken in Freiburg

In Freiburg verlief die Gedenkveranstaltung, die zum ersten Mal im Winterer-Foyer im Theater Freiburg stattfand, friedlich. Rund 200 Besucherinnen und Besucher nahmen daran teil. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden deutschlandweit mehr als 1.400 Synagogen, tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört.

Wendepunkt von Diskriminierung zu Vernichtung

Der Tag markiere einen Wendepunkt von der Diskriminierung hin zur Vernichtung jüdischen Lebens, wie Ruth Geiss-Friedlander von der Egalitären Jüdischen Chawurah Gescher Gemeinde sagte. Bis zum 13. November internierten Gestapo und SS mindestens 300.000 Menschen, Hunderte starben an den Folgen der Haftbedingungen oder wurden hingerichtet.

Gedenkveranstaltung Freiburg Reichspogromnacht
Gedenkveranstaltung Freiburg Reichspogromnacht

Viele Rednerinnen und Redner spannten den Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart: "In Deutschland ist jüdisches Leben so bedroht, wie seit dem Holocaust nicht mehr", sagte Nikita Nikischin von der Israelitischen Gemeinde Freiburg und machte auf antisemitische Angriffe an deutschen Hochschulen aufmerksam.

Nach den Redebeiträgen folgte eine szenische Lesung. Im Mittelpunkt standen die Geschwister Robert, Martha und Else Liefmann, die am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert wurden. Joanna Klick von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste führte in ihre Geschichte ein, während Jorid Lukaczik und Laura Palacios vom Theater Freiburg aus Briefen und Zeitzeugnissen lasen. Cassandra Wright (Sopran) und Hiroki Ojika (Klavier) ergänzten das eindrucksvolle Gedenken mit Simon Laks’ „Huit chants populaires juifs“ von 1947.

Zum Anschluss der Veranstaltung im Theater wurde gemeinsam auf dem Platz der Alten Synagoge an die Pogromnacht erinnert.

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Autor/in
David Pister
David Pister arbeitet als multimedialer Reporter im SWR Studio Freiburg.

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