Umgang mit belastetem Straßenaufbruch

Giftiger Teer in Freiburger Wohngebiet? Experte bemängelt Verstoß gegen Vorschriften

Auf einer Baustelle in Freiburg lag über Wochen aufgebrochener Asphalt. Ein Umweltwissenschaftler vermutet teerhaltiges Material mit möglichen krebserregenden PAK-Belastungen.

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Im Freiburger Stadtteil Wiehre ist über mehrere Wochen mutmaßlich teerhaltiger Straßenaufbruch offen gelagert worden. Das Material enthält polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz PAK. Mehrere dieser Stoffe gelten nach Angaben des Umweltbundesamtes und des Bundesinstituts für Risikobewertung als krebserregend und erbgutverändernd.

Strenge gesetzliche Regel bei Straßenbauarbeiten

Neben der Baustelle in der Freiburger Wiehre liegt ein großer Erdhaufen. Darin finden sich schwarze, teerhaltige Brocken. Daneben stehen zwei Stahlmulden mit aufgebrochenem Straßenmaterial. Sie sind mit Tüchern abgedeckt. Eine wasserdichte Abdeckung ist nicht erkennbar.Bei einem Ortstermin mit Nikolaus Geiler, Limnologe und Experte für Gewässerökologie aus Freiburg, kritisiert er die Lagerung scharf. Teerhaltiger Straßenaufbruch dürfe nicht mit unbelastetem Material vermischt und müsse getrennt gesammelt sowie fachgerecht entsorgt werden. Das sei hier seiner Meinung nach nicht der Fall. Geregelt ist das in Paragraph 9 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes.

Es wird gegen alle Vorschriften verstoßen.

Das Material stammt von einer Baustelle unmittelbar nebenan. Dort lässt der Energieversorger Badenova eine neue Wasserleitung verlegen.

Wissenschaftler Nikolaus Geiler untersucht einen Haufen Straßenbruch auf der Baustelle der Badenova in Freiburg. Giftiger Teer ist hier nachweisbar.
Wissenschaftler Nikolaus Geiler untersucht den Schuttberg, in dem er das giftige PAK nachweisen konnte.

Baustellenarbeiter müssen Schutzkleidung tragen

Beim Umgang mit PAK-haltigem Material gelten die Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Beschäftigte müssen deshalb geeignete Schutzhandschuhe und Schutzkleidung tragen. Ob diese Vorgaben auf der Baustelle vollständig eingehalten wurden, lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen. Bei Ortsterminen von Nikolaus Gieler waren solche Schutzmaßnahmen nach eigenen Angaben nicht durchgängig erkennbar.

Stadt Freiburg prüft den Sachverhalt

Die beauftragte Baufirma mit Sitz in Achern (Ortenaukreis) reagierte nicht auf eine schriftliche Anfrage des SWR. Auftraggeber ist der Energieversorger Badenova. Dort heißt es, man sei über die Lage informiert. Und weiter: Es bestehe kein Gefährdungspotential für Bürgerinnen und Bürger oder die Umwelt.

Die Stadt Freiburg ist als untere Abfallrechtsbehörde für die Kontrolle zuständig. Auf Anfrage erklärte sie, bislang seien keine gravierenden Verstöße festgestellt worden. Die Prüfung des Sachverhalts dauere an.

Wohl mehrere hundert Millionen Tonnen PAK in Deutschlands Straßen

Nach Schätzungen von Fachbehörden und Bauverbänden wurden in Deutschland bis in die 1980er-Jahre erhebliche Mengen teerhaltiger Straßenbaustoffe verbaut. Eine häufig zitierte Größenordnung spricht von mehreren hundert Millionen Tonnen teerhaltigem Material im Bestand. Genaue Zahlen variieren je nach Quelle und Abgrenzung.

Fest steht: Wird alter Straßenbelag ausgebaut, muss geprüft werden, ob er teerhaltig ist. Liegt der PAK-Gehalt über bestimmten Grenzwerten, ist eine Verwertung im Straßenbau in der Regel ausgeschlossen. Dann bleibt nur die Entsorgung in dafür zugelassenen Anlagen.

Die Baustelle der Badenova in Freiburg, auf der giftiger Teer nachgewiesen wurde.
In Freiburg-Wiehre wird eine neue Wasserleitung verlegt.

Baustelle in der Wiehre eingestellt

Inzwischen ist die Baustelle in der Wiehre vorübergehend eingestellt. Der Erdhaufen und die Mulden sind abtransportiert worden. Wohin das Material gebracht wurde und wie es entsorgt wird, teilten weder Unternehmen noch Stadt mit. Die entsprechenden Entsorgungsnachweise sind bislang nicht öffentlich zugänglich.

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