Keine Franzosen im Schweizer Freibad erlaubt. In der vergangenen Woche hat der Fall des Schweizer Ortes Pruntrut (Kanton Jura) international große Aufmerksamkeit erzeugt. Die kleine Gemeinde liegt an der Grenze zu Frankreich, etwa 53 Kilometer von Basel entfernt. Vor gut zwei Wochen eskalierte die Situation im Freibad von Pruntut dermaßen, dass sich das Personal kaum zu helfen wusste. Eine Gruppe Jugendlicher aus Frankreich hatte sich an keine Regeln gehalten, es gab Streitereien, verbale Attacken und sexuelle Beleidigungen. Mehrmals musste die Polizei anrücken.
Letzter Ausweg der Gemeinde: Eintrittsverbot für Ausländer
Seitdem lässt die Gemeinde mit wenigen Ausnahmen nur noch Schweizer in ihr Badi. Es gehe nicht um Diskriminierung, betont der Bürgermeister von Pruntrut Philippe Eggertswyler im Schweizer Fernsehen SRF. Man wolle nicht die Bevölkerung aus dem Grenzgebiet ausschließen, aber man müsse sicherstellen, "dass die Menschen aus Pruntrut und der Region wieder ihr Schwimmbad nutzen können".
Auch andere Orte an der Grenze haben Probleme
Nun fragen sich viele, ob das Problem, das Frankreich mit seinen Jugendlichen aus den Banlieues hat, über die Grenze schwappt. Es sieht zumindest so aus, denn die Vorfälle häuften sich in den vergangenen Wochen.
Wir haben tatsächlich ein Problem mit einigen jungen Menschen aus den Vororten. Sie sind schlecht erzogen, es herrscht das Recht des Stärkeren, sie machen, was sie wollen und respektieren niemanden. Das müssen wir stoppen.
Auch andere Bäder haben nach Vorfällen mit französischen Jugendlichen Konsequenzen gezogen. In Colmar wurde das Freibad für zwei Tage geschlossen. Im französischen Delle, 15 Kilometer vom Schweizer Pruntrut entfernt, werden die Taschen der Gäste nach Waffen durchsucht. Und die französische Gemeinde Montbéliard hat mittlerweile 350.000 Euro in Sicherheitsmaßnahmen investiert, zum Beispiel in Überwachungskameras.
In vielen deutschen Freibädern ist Sicherheitspersonal im Einsatz
Die massiven Probleme der Schweizer und französischen Freibäder in der Grenzregion bestätigen die Bäder in Südbaden nicht. Ein Grund dafür: In den meisten Freibädern wird Sicherheitspersonal eingesetzt. In Kehl (Ortenaukreis) habe es dieses Jahr weder Schlägereien noch Badräumungen gegeben, so ein Sprecher der Stadt. Die Zahl der Badegäste ist hier auf 1.800 begrenzt. Das habe in wenigen Fällen zu Problemen mit jungen Männern geführt, denen der Eintritt verwehrt wurde.
In Freiburg gibt es in den Freibädern seit der Einführung von Security "keine Probleme, die aus dem Rahmen fallen", so der Betreiber, die Freiburger Stadtbau. Im Laguna Badeland in Weil am Rhein (Kreis Lörrach) wurden vor Saisonbeginn bereits Maßnahmen getroffen. Auch hier ist ein Sicherheitsdienst im Einsatz, zudem wurde die Haus- und Badeordnung mit klaren Bekleidungsregeln angepasst. Das funktioniere bisher gut, erklärt das Freibad auf Nachfrage des SWR.
Hitzige Gemüter im Freibad Heilbronn
Anders in Heilbronn. Zuletzt kam es Ende Juni zu einer Schlägerei: Drei Männer zwischen 20 und 40 Jahren sollen in Heilbronn bei einem Streit auf einen Jugendlichen losgegangen sein. Sie sollen ihn zusammengeschlagen, eine Treppe hinuntergestoßen und am Boden weiter auf ihn eingetreten haben.
Hitze fördert Studien zufolge aggressives Verhalten Hitzige Gemüter im Freibad: Aggression in Heilbronn und Lauda, Stacheldraht in Satteldorf
Schon früher klagten Freibäder über aggressive Gäste. Auch aktuell gibt es Probleme: Am Sonntag eine Schlägerei in Heilbronn und Pöbeleien in Lauda, zuvor Tumult in Satteldorf.
Auch in anderen Gemeinden Baden-Württembergs klagen Freibad-Betreiber über Aggressionen und Gewalt. So musste die Polizei am gleichen Wochenende im Freibad in Lauda (Main-Tauber-Kreis) wegen pöbelnder Jugendlicher eingreifen. Das Freibad in Satteldorf (Kreis Schwäbisch Hall) musste wegen Überfüllung und Tumulten geschlossen werden.
Über dieses Thema berichtete die Sendung “Dreiland Aktuell” am 12.07.2025, 18 Uhr, in SWR Aktuell Baden-Württemberg.