In Baden-Württemberg ist laut dem Sicherheitsbericht des Innenministeriums die Zahl der Straftaten in Freibädern im Jahr 2024 im Vergleich zum Jahr zuvor gesunken - um 17,7 Prozent auf 909 Fälle. Dabei handele es sich primär um Diebstahls- und Körperverletzungsdelikte, so das Ministerium. Im Jahr zuvor war die Summe der erfassten Straftaten bereits um fast sechs Prozent zurückgegangen. Zahlen für das erste Halbjahr 2025 liegen noch nicht vor.
Auch weniger Fälle sexueller Gewalt
Laut den Zahlen hat sich die Lage in den Freibädern im Land seit dem steilen Anstieg von Straftaten nach der Corona-Delle also nicht wesentlich verschärft. Zumindest bei den Fällen, bei denen es dann auch eine Strafanzeige gab. Aber nicht bei allen Fällen wird die Polizei gerufen und es folgt ein juristisches Nachspiel. Und so gibt es auch in diesen Tagen immer wieder Berichte von Schlägereien, Handgreiflichkeiten, dass Bademeister beleidigt werden, es wird geklaut und betrogen. Dazu kommen sexuelle Übergriffe.
Schließung in Satteldorf nicht vom Tisch Folge nach Sturm auf Freibad: Betroffene berichten über tumultartige Zustände und Angst
Eineinhalb Wochen nach dem Sturm auf das Freibad Satteldorf wirkt der Vorfall noch nach. Die Kiosk-Betreiberin spricht von Angst, der Bürgermeister hofft auf einen Einzelfall.
Allerdings gab es auch bei der sexueller Gewalt weniger bekannte Fälle. Wurden vor zwei Jahren noch 187 dieser Straftaten in Hallen- und Freibädern registriert, waren es im Jahr darauf 171. Das entspricht einem Rückgang um 8,6 Prozent, wie das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA) mitteilte. Das Niveau liegt aber weiter deutlich über den Zahlen von 2022 (138 Fälle in Hallen- und Freibädern) und insgesamt noch sehr stark über den Werten aus den Jahren vor der Pandemie.
Zuletzt soll ein 27-Jähriger im Freibad in Besigheim (Kreis Ludwigsburg) zwei 14-jährige Mädchen belästigt haben, weil er sie während eines Handstands im flachen Bereich des Beckens berührte. In Asperg (Kreis Ludwigsburg) masturbierte ein 25 Jahre alter Mann vor drei Jungen und in Leonberg (Kreis Böblingen) wurde ein Achtjähriger laut Polizei im Strömungskanal zwischen den Beinen berührt, als er vom unbekannten Täter überholt wurde.
Hemmschwelle zur Gewalt in Freibädern sinkt
Ein Problem für das Personal in den Bädern ist die zunehmende Aggressivität, ausgehend meist von jungen Besuchern. Und die überdurchschnittliche Zahl der Tatverdächtigen hat keinen deutschen Pass. Insgesamt kommen laut LKA 80 der 133 erfassten Verdächtigen aus dem Ausland. Während die Gesamtzahl der Tatverdächtigen um knapp neun Prozent zurückgegangen ist, legte sie bei den Ausländern um acht Prozent zu.
"Die Hemmschwelle bei der Gewaltbereitschaft ist gesunken", sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft öffentliche Bäder Baden-Württemberg (ARGE), Necdet Mantar. Bereits vor Ausbruch der Pandemie hätten viele Bäder Sicherheitspersonal eingesetzt - nicht zuletzt auch, um das eigene Personal zu entlasten. Vor zwei Jahren haben viele Bäder dazu weitere Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Dazu zählen eine Ausweispflicht und Taschenkontrollen, es gibt auch Videoüberwachungen.
Preise vielerorts gestiegen Freibäder in Baden-Württemberg kämpfen mit hohen Kosten und wenig Personal
Bei der Hitze zieht es viele ins Freibad. Dabei ist der Eintritt mancherorts teurer geworden. Zudem können viele Freibäder in Baden-Württemberg die Kosten nicht mehr stemmen.
Natürlich sei jeder Fall einer zu viel, sagt Mantar. Mit Blick auf die vielen Millionen Besucher in allen baden-württembergischen ARGE-Bädern liege die Zahl der Straftaten aber noch im Rahmen.