Nach rund 50 Jahren könnte das Hallenbad Neuenburg (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) bald Geschichte sein. Die Kommune hat große finanzielle Probleme. Die DLRG Müllheim hat eine Petition gegen eine mögliche Schließung gestartet. Schulen und Sportvereine schlagen Alarm.
Schwimmunterricht vieler Schüler in Gefahr
Was passiert, wenn das Hallenbad Neuenburg schließen muss? Stefan Windisch, Direktor des Markgräfler Gymnasiums Müllheim, will sich das gar nicht vorstellen. Ausweichmöglichkeiten gebe es kaum, das nächste Hallenbad in Bad Krozingen sei zu weit weg. "Dann hätten die Kinder vielleicht 10 Minuten Schwimmzeit - in einer Doppelstunde", sagt Sportlehrer Sebastian Bösch.
So könne die Schule wahrscheinlich keinen Schwimmunterricht mehr anbieten, meint Direktor Windisch. Noch etwa zehn andere Schulen kommen regelmäßig zum Unterricht nach Neuenburg, schätzt Bösch. Die hätten dann das gleiche Problem. Das sei ein "fatales Signal". Als Sportlehrer sehe er, dass immer weniger Kinder gut schwimmen können.
DLRG will Hallenbad retten: Immer mehr Leute können nicht richtig schwimmen
Ähnlich denkt auch Alexander Schropp, Vorsitzender der DLRG Müllheim-Neuenburg. Die Organisation der Rettungsschwimmer hat eine Petition gegen eine mögliche Schließung gestartet. Fast 6.000 Leute haben bisher unterschrieben.
Die Lage ist sehr ernst.
Die DLRG bildet Rettungsschwimmer aus und bietet Schwimmkurse an. Wenn das Hallenbad wirklich schließen muss, kann die DLRG nur noch einen Bruchteil ihrer Kurse anbieten. Denn das Hallenbad in Neuenburg ist das einzige zwischen Weil am Rhein und Bad Krozingen - eine Fahrtstrecke von einer Dreiviertelstunde mit dem Auto. Freibäder würden sich wegen Wetter und Wassertemperatur nur bedingt eignen. Dazu gebe es immer mehr Badeunfälle - oft, weil die Beteiligten nicht gut schwimmen können.
Hohe Nachfrage: Schulen, Sportvereine, Bundeswehr
Neben den Schulklassen und der DLRG kommen auch viele Freizeitschwimmer ins Hallenbad. Bei vielen Gästen herrscht Unverständnis. "Eine Katastrophe" wäre eine Schließung, sagt Rentner Christian Videra, der zwei bis drei Mal pro Woche mit seiner Frau in das Bad geht. Auch Annika und ihre Freundin kommen regelmäßig her. Durch eine Schließung verliere die Stadt an Attraktivität, sagen sie. Ein anderer Mann hat zwar Verständnis dafür, dass das Bad sehr teuer sei. Es werde aber an den falschen Stellen gespart, meint er.
Bürgermeister Fondy-Langela: Kosten sind zu hoch
Bürgermeister Jens Fondy-Langela kennt die Vorwürfe. Er versteht den Aufruhr in Neuenburg und den umliegenden Gemeinden. Aber die Stadt könne sich das Bad kaum noch leisten. Im laufenden Betrieb koste es pro Jahr 400.000 Euro. Gleichzeitig habe die Stadt jährliche Defizite von 10 Millionen Euro - ein Problem, das viele andere Kommunen in der Region auch haben. Die Stadt könne schon ihren Pflichtaufgaben, zu denen der Betrieb des Bades nicht gehört, immer schlechter nachkommen.
Die Kosten für eine Sanierung oder einen Neubau schätzt die Stadt im "starken zweistelligen Millionenbereich". Kritiker bemängeln, dass diese Zahl nur auf einer Schätzung beruhe. Fondy-Langela hält dagegen: Die Vergleichswerte seien valide. Ein echtes Gutachten für das Neuenburger Hallenbad, wie es etwa die DLRG fordert, koste mehrere 100.000 Euro. Die wolle man nur dann bezahlen, wenn sich überhaupt genug externe Geldgeber finden würden, die eine realistische finanzielle Chance für das Hallenbad versprechen.
Bürgermeister will sich um Förderung bemühen
Fondy-Langela will öffentliche und private Fördermöglichkeiten prüfen, sich mit potenziellen Geldgebern treffen. Er sieht vor allem das Land in der Pflicht. Ob es für einen Weiterbetrieb reicht, sei offen. Sowohl eine Sanierung als auch ein Neubau seien denkbar. Aber: Sollte es in der nächsten Zeit keine Perspektive für die Finanzierung geben, könnte das Hallenbad im schlechtesten Fall schon nach der Sommerpause geschlossen bleiben - vorübergehend oder langfristig.