Landratsamt erteilt neue Genehmigung

Europa-Park darf 3,6 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr verwenden - zu viel?

Der Europa-Park verwendet pro Jahr fast so viel Grundwasser, wie die ganze Stadt Offenburg im Jahr verbraucht. Wie das Wasser eingesetzt wird und was Umweltschützer dazu sagen.

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Von Autor/in Christine Veenstra

Es glitzert, schwappt und spritzt: das Wasser in den Brunnen, Seen und Wasserbahnen im Europa-Park in Rust (Ortenaukreis). Um alle Wasserelemente zu füllen, braucht der Park viel Grundwasser. Heiz- und Kühlsysteme auf dem riesigen Areal brauchen aber noch viel mehr. Auf 10.000 Kubikmeter Grundwasser summiert sich der tägliche Gesamtbedarf - genug Wasser, um vier Wettkampf-Schwimmbecken zu füllen.

Umweltschützerinnen und Umweltschützer sagen, hier werde eine kostbare Ressource für Spaß und Unterhaltung verschwendet. Und sie kritisieren deshalb die neue "wasserrechtliche Erlaubnis", die das Ortenauer Landratsamt dem Freizeitpark kurz vor dem Saisonstart erteilt hat.

3,6 Millionen Kubikmeter Grundwasser genehmigt

Über seine 18 eigenen Tiefbrunnen darf der Europa-Park laut dieser Genehmigung pro Jahr 3,6 Millionen Kubikmeter Grundwasser entnehmen. Das ist fast so viel, wie die Stadt Offenburg im Jahr verbraucht.

Laut dem Ortenauer Landratsamt ist diese Menge unbedenklich. Es gebe in Rust eine ausgewogene Grundwasserbilanz, sagt Nikolas Stoermer, Erster Landesbeamter und Dezernent für Kommunales, Gewerbeaufsicht & Umwelt im Ortenauer Landratsamt. "Wir sind hier in der Rheinebene sehr gut aufgestellt. Wir haben ein konstant sehr gutes Niveau." Entscheidend sei zudem, dass ein großer Teil des entnommenen Wassers wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werde.

Ein Springbrunnen im Europa-Park. Auch dafür braucht der Freizeitpark Grundwasser.
Rund 720.000 Kubikmeter Grundwasser benutzt der Europa-Park laut einem Sprecher, um seine Seen und Brunnen zu befüllen. Rund 2.880.000 Kubikmeter werden für die Erzeugung von Wärme und Kälte gebraucht.

Von 3,6 Millionen Kubikmetern Grundwasser, die der Park entnimmt, wird laut Europa-Park-Sprecher Lukas Scheub ein Drittel über Rückführbrunnen direkt ins Grundwasser zurückgegeben. 45 Prozent gingen über sogenannte Vorfluter in oberirdische Gewässer und weitere 15 Prozent würden über natürliche Versickerung wieder dem Grundwasser zugeführt.

Grundwasser wird zum Heizen und Kühlen genutzt

"Es muss sich keiner Sorgen machen, dass das Wasser, das wir in den Grundwasserkörper und die Gewässer zurückführen, keine gute Qualität hat. Wir verwenden das Wasser rein physikalisch", sagt Scheub. Man nutze die Temperatur des Grundwassers, um Wärme und Kälte zu erzeugen.

Verändert wird das Wasser bei diesem Prozess allerdings schon. Es wird um einige Grad erwärmt ins Grundwasser zurückgeführt und das kritisieren Umweltschützerinnen und Umweltschützer des BUND und des Vereins RegioWasser. Sie fürchten das Kleinstlebewesen im Grundwasser zu schaden kommen könnten.

Erwärmtes Grundwasser könnte Kleinstlebewesen schaden

"Das Landratsamt geht davon aus, dass man das Grundwasser auf 20 Grad erhitzen kann. Das ist aus wissenschaftlicher Sicht aber nicht mehr haltbar", sagt der Biologe und Hydrologe Nikolaus Geiler von RegioWasser e.V. Laut Geiler liegt die kritische Temperatur für Kleinstlebewesen im Grundwasser deutlich darunter, nämlich bei 14 Grad.

Steigender Wasserverbrauch auch im Umland

Der Verein RegioWasser kritisiert grundsätzlich, dass mit Blick auf die Grundwasserreserven am Oberrhein in der Regel von einem schier unerschöpflichen Vorrat ausgegangen werde. Geiler sagt: "Da gibt es eine Wissenslücke. Niemand kann sagen, wie groß dieser Strom tatsächlich ist."

Auch deshalb fordert er, dass mit Blick auf den Freizeitpark auch der steigende Wasserverbrauch im Umland mitbetrachtet wird: "Immer mehr Pensionen, Fremdenzimmer und Dienstleistungsbetriebe bedeuten auch immer mehr Wasserverbrauch."

Umweltschützer: "Wünschen uns eine Gegenleistung"

Der Europa-Park müsse verstehen, dass die Grundwasserentnahmen keine Selbstverständlichkeit seien, meint Geiler. "Wir wünschen uns, dass er da eine Gegenleistung bringt. Er könnte zum Beispiel die gastronomische Nachfrage nutzen, um damit die biologische Landwirtschaft zu fördern und so einen Beitrag zum Umweltschutz leisten."

Der Europa-Park hat seinerseits angekündigt, in weitere Rückführbrunnen zu investieren, damit noch mehr Grundwasser direkt zurückgegeben werden kann, nachdem es im Park benutzt worden ist. Weitere Details dazu finden sich im Antrag zur wasserrechtlichen Erlaubnis.

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Christine Veenstra
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