Transitabgabe für Touristen

Schweiz: Wer nur durchfährt, soll bald extra Gebühr zahlen

Touristen, die die Schweiz mit dem Auto nur durchqueren, sollen künftig eine Transitgebühr bezahlen - zusätzlich zur Vignette. Das Parlament hat nun die Weichen dafür gestellt.

Teilen

Stand

Von Autor/in Debora Zihlmann, SRF Schweizer Fernsehen

Der schnellste Weg von Deutschland nach Italien führt häufig über eine Schweizer Autobahn. Die Folge: sehr viel Stau, Lärm und Abgase. Eine neue Transitgebühr für ausländische Touristen soll die Alpenrouten in Zukunft entlasten.

Die Schweiz dürfe kein Korridor für den Transitverkehr sein, hieß es schon im Ständerat und nun auch im Nationalrat, der zweiten Kammer des Schweizer Parlaments. Mit 173 Stimmen für die neue Transitabgabe und nur 13 Stimmen dagegen war das Votum des Nationalrats ziemlich eindeutig. Somit sollen ausländische Touristen bald eine Transitgebühr zahlen, wenn sie die Schweiz durchqueren, ohne dort zu übernachten.

ADAC hinterfragt Umsetzbarkeit der Transitgebühr

Ob es wirklich zu der Gebühr kommt, ist laut Andreas Hölzel vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) noch fraglich. Denn möglicherweise könnte das Vorhaben gegen Europarecht verstoßen. An diesem war in Deutschland 2019 eine geplante Pkw-Maut gescheitert, betont Hölzel. Der Europäische Gerichtshof stufte das Vorhaben damals wegen der Ungleichbehandlung von In- und Ausländern als diskriminierend ein.

Falls die Transitgebühr doch kommt, erwartet der ADAC keine großen Veränderungen im Verkehr. "Wer als Ziel beispielsweise Piemont in Italien hat oder nach Südfrankreich möchte, der fährt weiterhin durch die Schweiz", so Hölzel. Die Menschen würden sich vermutlich ärgern, da sie in der Schweiz ohnehin schon für die Vignette zahlen. Sie würden aber eher "in den sauren Apfel beißen" und das zusätzliche Geld zahlen als große Umwege zu fahren, vermutet Hölzel.

Transitgebühr soll Schweizer Alpenrouten entlasten

Seit Jahren schon ist der Transitverkehr in der Schweiz ein politisches Thema. Laut Schweizer Bundesamt für Statistik macht der reine Durchfahrtsverkehr etwa ein Drittel des Personenverkehrs über die Alpen aus. Am häufigsten fahren Durchreisende demnach von Deutschland nach Italien. 87 Prozent der Fahrten über die Alpen seien Freizeit- und Urlaubsverkehr.

Vor allem an Wochenenden und in den Ferien sind die Straßen in der Schweiz sehr ausgelastet. Es kommt zu kilometerlangen Staus oder Ausweichverkehr durch kleinere Ortschaften - eine Belastung für die Anwohnerinnen und Anwohner.

Zu Stoßzeiten soll Transitgebühr teurer sein

Mit der Gebühr soll der Verkehr nun gelenkt werden. Kosten soll die Transitgebühr rund 21 Schweizer Franken (etwa 23 Euro) pro Durchfahrt. Hinzukommt die bereits vorhandene Jahresvignette von knapp 44 Euro. Die Einnahmen sollen in den sogenannten Nationalstraßen- und Agglomerationsverkehrsfonds fließen, heißt es.

So soll die Transitgebühr funktionieren: An der Schweizer Grenze - zum Beispiel bei Basel - wird die Autonummer erfasst. Wenn das Auto die Schweiz verlässt, wird die Autonummer wieder registriert. Je nach Aufenthaltsdauer gibt es dann eine Rechnung - eine Transitgebühr. Während Stoßzeiten, zum Beispiel an Ostern oder in den Sommerferien, soll es teurer werden.

Nun muss die Regierung einen Vorschlag ausarbeiten, wie so eine Transitgebühr umgesetzt werden könnte, damit sie auch rechtlichen Vorgaben standhält, wie zum Beispiel EU-Vorgaben.

Birsfelden

Schweizer Gemeinde will Durchfahrtsverkehr reduzieren 100.000 Franken Bußgeld täglich: Warum die Kasse von Birsfelden mächtig klingelt

Seit September gibt es im schweizerischen Birsfelden in manchen Straßen Fahrverbote, um den Durchfahrtsverkehr zu reduzieren. Trotzdem gibt es jeden Tag mehr als 1.000 Verstöße.

SWR Aktuell Baden-Württemberg mit Dreiland Aktuell SWR BW

Schweiz

Keine Übernachtung - keine freie Fahrt Auch Ferienverkehr aus BW im Visier: Schweiz will Transit-Touristen zahlen lassen

Wegen langer Staus hinter der Schweizer Grenze fordern Abgeordnete nun eine Transitgebühr für ausländische Touristen, die das Land durchqueren, ohne dort zu übernachten.

Kanton Uri

Urlaubsverkehr Wieder lange Staus am Gotthard-Tunnel: Wie der Start in den Urlaub gelingt

Tausende haben sich am Wochenende auf den Weg in den Süden gemacht, häufig über den Gotthard-Tunnel. Stau ist da vorprogrammiert. Wie kann man trotzdem gute Laune behalten?

SWR Aktuell Baden-Württemberg mit Sport SWR BW

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Debora Zihlmann, SRF Schweizer Fernsehen
Onlinefassung
Paulina Flad
Foto von Paulina Flad

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!