Lange Wartezeiten in der Notaufnahme kennt fast jeder. An der Uniklinik Freiburg zeigt sich, wie sich das ändern lässt: Im Notfallzentrum unterstützt eine selbst entwickelte Software das medizinische Personal dabei, Patientinnen und Patienten schneller einzuschätzen und gezielt weiterzuleiten. Durch die neue Technik wird auch das Personal entlastet.
Das Programm "TriageClient" hilft den Ärzten bei der Entscheidung, wie dringend ein Patient behandelt werden muss. Die Folge: Kürzere Wartezeiten für die Patienten, eine spürbare Entlastung für Ärzte und Pflegekräfte - und damit eine effizientere Behandlung von Notfallpatienten.
Kürzere Wartezeiten für die Patienten
Patientinnen und Patienten, die akute Beschwerden haben, stehen oft vor der Frage: Notaufnahme, oder doch eher Notfallpraxis? Im Notfallzentrum der Uniklinik Freiburg hilft "TriageClient" bei der Entscheidung. Wenn ein Patient ins Notfallzentrum kommt, wird er sofort in einen Triage-Raum weitergeleitet. Dort folgt ein kurzes Frage-Antwort-Gespräch mit einem Arzt. Anschließend wertet die Software die Symptome und Vitalwerte des Patienten aus - etwa die Herzfrequenz oder den Blutdruck.
Mit der Software braucht es nur noch drei statt zehn Minuten für die erste Einschätzung, welche Behandlung der Patient oder die Patientin braucht. Auf Basis der erhobenen Daten können die Ärztinnen und Ärzte die Patientinnen und Patienten schnell priorisieren: Können sie in der Notfallpraxis der Uniklinik ambulant behandelt werden? Oder müssen sie in die klassische Notaufnahme?
Schnell die passende Behandlung finden - dank digitaler Triage
Was das Besondere an diesem Prozess ist? "Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Patient noch keine Versichertenkarte abgegeben und wurde nicht nach seinem Namen gefragt", sagt Dr. Felix Hans. Erst nachdem sich die Ärzte ein Bild davon gemacht haben, wie (schlimm) es um einen Patienten bestellt ist und wie dringend er behandelt werden muss, erfolgt die offizielle Anmeldung am Schalter.
Felix Hans ist Oberarzt im Notfallzentrum der Freiburger Uniklinik. Er leitet die Abteilung für digitale Notfallmedizin und hat den "TriageClient" mitentwickelt. Seit zweieinhalb Jahren arbeiten Hans und sein Team mit der Software. Rund 150.000 Patienten haben sie seitdem mit Hilfe der digitalen Triage ihrer passenden Behandlung zugewiesen.
"Rappelvolle" Notaufnahmen und medizinisches Personal entlasten
"Es hilft den Patienten, wenn man nicht mehr ewig warten muss", sagt Hans. Viele würden die Situation kennen, dass man stundenlang in der Notaufnahme sitzt, ohne aufgerufen zu werden. "Bei uns ist das anders: Egal wer durch die Tür kommt - er wird sofort aufgerufen."
Die digitale Triage könne dabei helfen, den oft "rappelvollen" Notaufnahmen entgegenzuwirken: "Wenn wir 40 Prozent der Patienten, die zu uns kommen, in unsere Notfallpraxis abzweigen, geht es automatisch schneller in der Notaufnahme." Das sogenannte Crowding sei in der Notaufnahme für Patientinnen und Patienten am gefährlichsten und für das Personal am belastendsten. Als Crowding bezeichne man den Moment, in dem Leute im Warteraum schon auf dem Boden liegen würden.
Wenn ich aus diesem Raum Leute rausziehe, die da gar nicht hingehören, erleichtert das die Arbeit des Personals maximal und verbessert die Sicherheit der übrigen Patienten.
Software der Uniklinik Freiburg mit Innovationspreis ausgezeichnet
Für "TriageClient" hat die Uniklinik Freiburg Anfang März den diesjährigen Innovationspreis des Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin Kongresses erhalten. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis zeichnet Projekte aus, die die Notfallmedizin nachhaltig weiterentwickeln. "Das ist eine riesige Anerkennung und macht uns stolz", sagt Hans.
Mit der digitalen Triage leistet die Uniklinik Freiburg, die bundesweit eines der größten Notfallzentren betreibt, Pionierarbeit: Noch ist Freiburg der einzige Standort, der mit der von Hans und seinem Team entwickelten Software arbeitet. Andere Kliniken probieren die digitale Triage nach Freiburger Vorbild derzeit aus - zum Beispiel das Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen.