Weniger Loipen, Liftbetrieb ungewiss

Wintersport auf Sparflamme? Schwarzwald-Gemeinden fahren Saison-Vorbereitungen zurück

Unsichere Schneelage, klamme Kassen: Lange war Höchenschwand im Schwarzwald ein Garant für Wintersport. Doch erstmals werden die aufwendigen Vorbereitungen für die Saison reduziert.

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Von Autor/in Vanessa Amann

Fast sehnsüchtig blickt Markus Probst auf den grünen Hang am Skilift Höchenschwand im Landkreis Waldshut. Der Skilift liegt auf 974 Metern, es ist Mitte November. Noch deutet wenig daraufhin, dass er in dieser Wintersaison verstärkt genutzt wird. "Wir hoffen natürlich, dass es kälter wird und der Schnee kommt und wir den Hang präparieren können", sagt Markus Probst. Er dürfte damit vielen Menschen in Höchenschwand aus der Seele sprechen.

Probst ist der Vorsitzende des Wintersportclubs Bannholz-Höchenschwand. Seit über 40 Jahren bietet der Verein Ski- und Snowboardkurse an. Ob es dazu auch in den kommenden Monaten wieder kommt? Ungewiss. Denn die Winter werden immer unzuverlässiger. Deshalb wird die Gemeinde Höchenschwand in diesem Jahr erstmals auf eine aufwendige Vorbereitung auf die Wintersaison verzichten.

Höchenschwand fährt auf Sicht

Das liegt neben der unsicheren Schneelage auch an den Kosten und dem angespannten Haushalt: Allein das Beschildern und Einrichten der Loipen und Wintertrails kostet über 20.000 Euro und bindet den Bauhof zwei Wochen lang.

Der Wintersport ist ein Kostenpunkt, wo wir nur drauflegen. Und in Zeiten von knappen Haushaltskassen muss man jeden Euro hinterfragen. Das gilt auch für den Wintersport.

Bürgermeister Stiegeler garantiert den Wintersport-Fans zwar, dass eine Langlauf-Loipe präpariert wird. Doch der Rest des Loipen-Netzes wird erst gespurt, wenn auch wirklich Schnee da ist. Zum ersten Mal fährt Höchenschwand beim Thema Wintersport auf Sicht: weniger vorbereiten, abwarten, und gegebenenfalls nachjustieren.

Wintersportclub packt mit an

Doch wie so viele Orte in der Region lebt auch Höchenschwand stark vom Tourismus und ist auf den Wintersport angewiesen - und damit auch darauf, potenziellen Gästen ein gutes Angebot machen zu können. Weil die Gemeinde ihre Bemühungen nun zurückfährt, springen Markus Probst und der Wintersportclub Bannholz-Höchenschwand ein. "Wir wollen natürlich, dass das Ski- und Langlauf-Angebot so weit wie möglich erhalten bleibt", sagt Probst. "Deshalb sind wir mit der Gemeinde in Kontakt: Wie können wir unterstützen?"

So habe der Verein angeboten, die Moor-Loipe mit Schildern zu bestücken. Damit könne der Bauhof, der sonst für diese Arbeiten zuständig war, entlastet werden: "Die Gemeinde kann Geld einsparen, und wir können trotzdem das Angebot aufrechterhalten."

Müssen bald auch Langläufer zahlen?

Was die Zukunft des Wintersports in Höchenschwand betrifft, gebe es nun mal nur zwei Alternativen, wie Probst sagt: "Entweder mache ich das Angebot oder ich stampfe es ein. Und wenn mal was eingestampft ist, dann ist es weg." Dieses Szenario wolle er vermeiden.

Damit die Gemeinde trotz der widrigen Umstände auch künftig ein adäquates Wintersport-Angebot machen kann, müsse man laut Probst auch darüber nachdenken, wie sich die Leute beteiligen können: "Wenn die Leute Skilift fahren, zahlen sie die Liftkarte. Aber das Loipen-Netz macht auch viel Arbeit und ist bislang unentgeltlich." Daher müsse man überlegen, ob die Langläufer künftig ebenfalls einen zumindest kleinen Beitrag für die Nutzung der Loipen zahlen.

Ohne Schnee kein Skifahren

Nur ein paar Kilometer von Höchenschwand entfernt im benachbarten Häusern stellt sich die gleiche grundsätzliche Frage: Wie lange lohnen sich Wintersport und Skiliftbetrieb noch? "Wir werden die Schneesicherheit immer mehr verlieren. Der Trend wird sein, dass wir uns schleichend vom Wintersport verabschieden müssen", sagt Häuserns Bürgermeister Thomas Kaiser (Freie Wähler).

In Häusern seien die Bedingungen zum Langlaufen schwierig: Wenn es wenig schneit, führe der Höhenunterschied bei den Loipen dazu, dass auf 900 Meter kein Schnee liege, während auf 1.100 Meter Schnee liege. Zudem sei die Loipe bei warmem Wetter schnell weg. "Deshalb hat der Gemeinderat entschieden, den Loipensport in diesem Jahr komplett aufzugeben und die Kraft eher in den Skiliftbetrieb zu stecken", sagt Kaiser.

"Softer Wintersport" als Lösung?

Dass auch dessen Zukunft mehr als bedroht ist, weiß nicht nur Kaiser. Auch sein Kollege in Höchenschwand, Sebastian Stiegeler, ist sich bewusst, dass der Wintersport im Schwarzwald, so wie ihn die Menschen bislang kannten, in ein paar Jahren vermutlich nicht mehr existiert: "Wir müssen uns umorientieren. Weg vom klassischen Wintersport mit Langlauf und Ski Alpin, und hin zu einem softeren Wintersport - zum Beispiel mit Schneeschuhwandern."

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Autor/in
Vanessa Amann
Vanessa Amann, Reporterin Studio Freiburg
Onlinefassung
Nikolaus Rhein
Nikolaus Rhein ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Freiburg.

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