Der Ausbau der Windkraft in Baden-Württemberg legt zu. Im vergangenen Jahr sei der Bestand um 24 Anlagen gewachsen, teilten der Bundesverband Windenergie sowie der Verband VDMA Power Systems in Berlin mit. Die installierte Leistung nahm um insgesamt 171 Megawatt zu. Insgesamt wurden 2025 im Land 36 neue Anlagen gebaut und zwölf wurden zurückgebaut. Laut Experten werden aber deutlich mehr gebraucht.
Erneuerbare-Energien-Gesetz: Ausbauziele liegen noch weit entfernt
Nach Angaben der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (PEE BW) ist trotz der kleinen Fortschritte der Ausbau bei der Windkraft im Land noch nicht dort angekommen, wo er sein sollte. Geschäftsführer Jürgen Scheurer sagte, das Vierfache an neuen Anlagen sei pro Jahr nötig. Um die Ausbauziele für 2030 zu erreichen, brauche das Bundesland mehr als 100 neue Anlagen im Land und die Leistung müsse sich in den nächsten fünf Jahren fast verdreifachen. Derzeit drehen sich in Baden-Württemberg rund 820 Windräder mit einer installierten Leistung von 2.050 Megawatt. 2025 wurden in Baden-Württemberg 71 Prozent des Ausbauziels für Windkraft erreicht.
Energieministerin Thekla Walker (Grüne) sagte, die Maßnahmen der grün-schwarzen Landesregierung zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren zeigten Wirkung. "Für geringe Netz- und Stromkosten brauchen wir Windenergie im Süden."
Ausbau in Deutschland hat sich beschleunigt
Generell beschleunigte sich der Ausbau von Windrädern an Land in Deutschland im vergangenen Jahr deutlich. Die neu installierte Windenergieleistung wuchs nach Angaben von Branchenverbänden gegenüber dem Vorjahr um mehr als 50 Prozent. Neu in Betrieb gingen 958 Windräder mit einer Leistung von insgesamt rund 5,2 Gigawatt. 2025 sei das zweitbeste Jahr beim Ausbau der Windenergie gewesen, teilten der Bundesverband Windenergie sowie der Verband VDMA Power Systems mit.
Weil auch alte Anlagen stillgelegt wurden, lag der sogenannte Netto-Zuwachs bei rund 4,6 Gigawatt. Die meisten neuen Windräder gingen in Nordrhein-Westfalen ans Netz, gefolgt von Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Der Anlagenbestand stieg bis Jahresende auf rund 29.000 Windenergieanlagen.
Rekord bei Neugenehmigungen
Einen Rekord gab es bei der Genehmigung neuer Windräder in Deutschland. Laut Branche wurde rund 20,7 Gigawatt Windenergieleistung von den Behörden genehmigt - fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Durchschnitt dauert es mehr als zwei Jahre, bis nach der Genehmigung ein Windrad errichtet wird und den ersten Strom ins Netz einspeist.
Umweltministerium: Land hat Standortnachteile
Das Umweltministerium schreibt auf Anfrage, dass der Zubau von Windrädern in Baden-Württemberg wegen der Standortnachteile von Anfang an deutlich langsamer verlaufen sei als in anderen Bundesländern. Als Gründe nannte das Ministerium unter anderem den schwächeren Wind, die hügelige Landschaft und geschützte Vogelarten, für die Windräder zur Gefahr werden können.
Außerdem kam es laut dem Ministerium nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine zu einem Anstieg an neuen Photovoltaik-Anlagen. Das hatte offenbar mit einer Sorge über die Versorgungssicherheit zu tun. Die Angst habe seitdem wieder abgenommen.
Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sei man stark auf den Bund angewiesen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das unter anderem den Ausbau der Photovoltaik regelt, muss 2026 neu gefasst werden. Der ursprünglich für November 2025 angekündigte Gesetzentwurf aus dem Bundeswirtschaftsministerium soll nun in diesem Jahr vorgelegt werden. Die Verzögerung sorge in der Branche dennoch für anhaltende Unsicherheit, heißt es aus dem Ministerium.