Artenschutzprojekt auf der Alb

Endlich Nachwuchs: Künstliches Wasserbecken bringt seltene Kreuzkröte zurück

Bei Trochtelfingen (Kreis Reutlingen) spielt sich eine kleine Erfolgsstory des Artenschutzes ab: Trotz Trockenheit haben sich die seltenen Kreuzkröten wieder angesiedelt - dank ein bisschen Unterstützung.

Teilen

Stand

Bei Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb entsteht gerade eine kleine Artenschutz-Erfolgsgeschichte. Trotz Hitzesommer und monatelanger Trockenheit haben sich ausgerechnet Kreuzkröten - eine seltene, stark gefährdete Amphibienart - wieder erfolgreich angesiedelt und vermehrt.

Ein Asphalt-Becken auf der Schwäbischen Alb wird Kröten-Kita

Herzstück dieser Wiederansiedlung ist ein flaches Wasserbecken aus sogenanntem Trinkwasserasphalt. 2024 wurde es auf einem Grundstück des Bund Naturschutz Alb-Neckar e.V. als Lebensraum für die Kreuzkröte angelegt. Die Tiere nutzten es: Schon im ersten Jahr gab es Nachwuchs. In diesem Sommer sind gleich mehrere Hundert junge Kreuzkröten aus dem Becken ins Umland gehüpft. Laut Regierungspräsidium Tübingen wurde es dieses Jahres bewusst spät befüllt, damit es genau dann bereitsteht, wenn die Kreuzkröten ihre Laichplätze suchen.

Eine braune Kreuzkröte sitzt auf brauner Erde und ist gut getarnt.
Gut getarnt sitzt diese Kreuzkröte auf dem Boden. Bei Trochtelfingen (Kreis Reutlingen) ist das Projekt zur Wiederansiedlung der bedrohten Ampibienart geglückt. Dort erhielten die Tiere ein künstliches Wasserbecken. Pressestelle Thomas Bamann Regierungspräsidium Tübingen

Wegen des kalten Frühjahrs hatte die Wanderung der Kreuzkröten nämlich später begonnen als üblich. Zuerst tummelten sich Erdkröten sowie Berg- und Teichmolche im neuen Gewässer. Schon bald darauf nutzen drei bis vier Kreuzkrötenweibchen den künstlichen Tümpel, um ihren Laich dort abzulegen, so das Regierungspräsidium Tübingen.

Experten: Künstliches Gewässer dient Artenschutz

Für das Regierungspräsidium Tübingen ist das Projekt mehr als nur ein kleines Biotop: Die erneute, erfolgreiche Fortpflanzung gilt als wichtiges Signal für den Artenschutz auf der Schwäbischen Alb. Bei einem so kleinen Bestand der Kreuzkröte zählt jedes einzelne Jahr, in dem Nachwuchs groß wird. Dass sich neben den Kreuzkröten auch andere Amphibienarten dort wohlfühlen, zeigt den Fachleuten, dass das Becken ein funktionierender, ökologisch wertvoller Lebensraum ist.

Trockenheit gefährdet junge Kreuzkröten

Diesen Sommer erschwerte anhaltende Trockenheit den Jungtieren den Weg in umliegende Verstecke. Kleiner werdende Wasserflächen waren von immer mehr trockenen Flächen getrennt. Viele Jungkröten blieben deshalb am Ufer sitzen. Viele magerten ab oder vertrockneten. Helfer hätten deshalb Altholz und Steine als zusätzliche Verstecke ausgelegt. Offenbar mit Erfolg: Ende August hatten fast alle Tiere das Gewässer verlassen, so das RP.

Südwesten

Fünf Fakten zu Amphibien in BW und RLP Krötenwanderung: Warum Frösche und Kröten jetzt in Gefahr sind

Wenn die Temperaturen steigen, bekommen Erdkröte, Grasfrosch und Springfrosch Frühlingsgefühle und gehen auf Wanderung. Wie geht es den Amphibien im Südwesten? 
 
 

Aktuell um 12 SWR1 Rheinland-Pfalz

Ulm

Risiken sind immens "Kröten lecken" für den Rausch - Universität Ulm warnt vor gefährlichem Drogenkonsum

Menschen lecken oder rauchen das Gift bestimmter Kröten, um in einen rauschhaften Zustand zu kommen. Die Universität Ulm warnt jetzt davor. Derartiger Drogenkonsum sei lebensgefährlich.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Judith Hüwelmeier
Judith Hüwelmeier ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.
Enrico Ferrari
Enrico Ferrari ist Reporter für Hörfunk, Fernsehen und Online beim SWR im Studio Tübingen.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!