Der Hans Bausch Mediapreis des SWR und der Universität Tübingen geht in diesem Jahr an Birgit Stark und Pascal Scheiders von der Uni Mainz. Ausgezeichnet wird ihr Artikel darüber, wie Soziale Medien die Qualität von Nachrichten beeinflussen und was man deshalb tun sollte.
Hier kann man am Mittwochabend ab 18:30 die Verleihung des Hans Bausch Mediapreises im Livestream verfolgen.
Mit der Zeit gehen heißt Social Media bedienen
Birgit Stark und Pascal Schneiders haben das Phänomen von allen Seiten beleuchtet: Wie verändert sich, was Medienhäuser veröffentlichen, wenn sie es auf Social-Media-Plattformen tun? Was spielen diese Plattformen tatsächlich aus, was wird vielen Menschen als Information angeboten? Und: Wie gut können Nutzerinnen und Nutzer unterscheiden, ob sie es gerade mit einer seriösen Nachricht zu tun haben oder mit etwas, das keinerlei Nachrichten-Anspruch erhebt, oder mit einer gezielten Fake-News?
Heute haben wir einen Blumenstrauß an unterschiedlichen privaten, werblichen, propagandistischen, aber auch professionell-journalistischen Inhalten. Die sind alle zusammengeworfen, und das erschwert es den Menschen, zu unterscheiden zwischen der unterschiedlichen Glaubwürdigkeit dieser Inhalte.
Stark und Schneiders haben auch die Seiten derer untersucht, die seriöse Nachrichten auf Social Media veröffentlichen. Auch, wer für Qualitäts-Journalismus steht, kann das kaum mehr umgehen. Der SWR zum Beispiel sieht sich in der Pflicht, möglichst viele Menschen zu erreichen. Also auch die, die fast nur noch auf Instagram oder TikTok unterwegs sind.
SWR-Intendant Kai Gniffke lobt an der preisgekrönten Arbeit, dass sie aufzeige, was nötig ist, damit Nachrichten auch in den Sozialen Medien Qualität haben: hochwertige Recherche und fundierte Informationen, gute Sichtbarkeit auf den Plattformen, damit man das Publikum überhaupt erreicht. Und Nachrichten müssen gerade auch in einer komplexen Welt verständlich sein.
Wer Menschen erreichen will, muss sich anpassen
Ausführliche Radiobeiträge oder lange Online-Artikel passen nicht auf diese Plattformen. Preisträgerin Birgit Stark spricht von einem sehr hohen Anpassungsdruck. Die Algorithmen spielen kurze, emotionale, knackige Beiträge gut aus. Für Hintergründiges und Komplexes bleibt kaum Platz.
Ein Lösungsvorschlag der beiden Preisträger: Gesetzgeber auf europäischer Ebene müssten Plattformen verpflichten, Links zu ausführlicheren Informationen leicht zugänglich anzubieten. Außerdem sollten sie Nachrichtenbeiträge, die bestimmten Qualitäts-Kriterien genügen, besonders kennzeichnen.
Regionalität im Digitalen Martika Baumert
Auf Social Media gewinnt emotionaler Content, den die Algorithmen gut ausspielen. Doch wie bewahrt man dabei als Host und Format die journalistische Distanz? Damit beschäftigt sich Martika Baumert, Redakteurin für regionalen Content bei Instagram und TikTok.
Eigene Plattformen für Qualitäts-Journalismus
Darüber hinaus könnten Medienhäuser sich zusammenschließen, um eigene Plattformen für die Vermittlung von Nachrichten aufzubauen. Teilnehmen dürfte, wer sich zu journalistischen Standards verpflichtet und regelmäßig kontrollieren lässt.
Stark und Schneiders haben auch die User-Seite ausführlich untersucht. Nutzer von Sozialen Medien bevorzugen Studien zufolge emotionale, negative und sensationslüsterne Nachrichten, die ihre jeweilige Gruppenidentität stärken. Das wirke sich wiederum auf die Algorithmen aus, die solchen Posts eine höhere Sichtbarkeit einräumen. Für die Gesellschaft und die Demokratie könnten daraus Probleme erwachsen.
Wer sich auf Social Media informiert fühlt, muss es nicht sein
Eine Gefahr besteht laut Pascal Schneiders darin, dass Menschen, die sich bereits informiert fühlen, nicht weiter informieren werden, auch wenn sie es nicht sind. Trotzdem seien sie lautstark in einigen Diskussionen. Eine funktionierende, gute Meinungsbildung sehe anders aus.
Wichtig sei auf jeden Fall Medienkompetenz, sagen die Autoren des Artikels. Lehren kann man sie an Schulen, Volkshochschulen, Universitäten. Aber es sei auch jeder Einzelne in der Pflicht, das eigene Medienverhalten regelmäßig zu überprüfen.
Medien Wege zu einem "gesunden" Internet – Verlässliche Infos, hassfreier Dialog
Social-Media-Plattformen gelten oft als "toxisch". Ihre Algorithmen belohnen und verstärken extreme Äußerungen. Welche Alternativen gibt es?
Welche Medien nutze ich?
Man sollte, sagt Birgit Stark, eigentlich immer aufpassen, dass man auch selbst verschiedene Nachrichtenquellen nutzt, mehrere Informationswege, um so sicher zu sein, dass man sich vielleicht nicht zu einseitig informiert.
Der Hans Bausch Mediapreis wird einmal jährlich für eine wissenschaftliche Arbeit im deutschsprachigen Raum verliehen. Bei der Verleihung arbeitet der SWR eng mit dem Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen zusammen.