Der Wahlkampf zur Landtagswahl am 8. März 2026 ist im vollen Gange und mit ihm hängen wieder überall Wahlplakate. An Laternen, Litfaßsäulen oder Brücken werben Kandidierende mit Fotos und Slogans um Stimmen. Doch nicht alle Plakate bleiben lange hängen und heil. Immer wieder werden sie abgerissen, beschmiert oder gleich ganz mitgenommen. Die Polizei registriert derzeit zahlreiche solcher Fälle, betont aber, die Lage sei insgesamt unter Kontrolle.
In den Landkreisen Reutlingen und Tübingen ist laut Polizeipräsidium Reutlingen in diesem Jahr bereits eine mittlere zweistellige Zahl von Plakaten beschädigt worden. Betroffen seien nahezu alle Parteien, darunter CDU, AfD, SPD, FDP und Grüne. Einen direkten Vergleich zu früheren Wahlkämpfen gebe es nicht, da viele Fälle erst später statistisch erfasst würden.
Beschädigte Wahlplakate: Sammelstelle "Landtagswahl" für Straftaten
Auch landesweit kommen einige Anzeigen wegen Sachbeschädigung zusammen: Nach Angaben des Landesinnenministeriums wurden seit Anfang Dezember Straftaten im "hohen zweistelligen Bereich" rund um die Landtagswahl registriert. Das Ministerium bündelt sie bei einer im Dezember eingerichteten Informationssammelstelle. Dort werden die Straftaten bewertet und an die regionalen Polizeipräsidien übermittelt.
Meist gehe es um beschädigte oder gestohlene Plakate. Gewalttaten waren zunächst nicht bekannt. Die meisten angezeigten Fälle beträfen die AfD, gefolgt von CDU und Grüne.
In Tübingen kam es am Sonntagabend allerdings zu einem Angriff: Zwei ehrenamtliche Wahlhelfer der AfD wurden beim Aufhängen von Wahlplakaten von einer Gruppe attackiert und mit Pfefferspray besprüht. Die Männer wurden leicht verletzt, die Polizei ermittelt.
Kriminalpolizei ermittelt und sucht Zeugen Ehrenamtliche Helfer beim Aufhängen von Wahlplakaten angegriffen
Eine Gruppe von acht Leuten ist in der Nacht auf Sonntag gewaltsam auf zwei Männer zugegangen, die für die AfD Wahlplakate befestigen wollten. Das hat die Polizei mitgeteilt.
Trotz Zwischenfällen insgesamt ruhiger Wahlkampf
Trotz der Vorfälle verläuft der Wahlkampf insgesamt ruhig. Laut Landesinnenministerium sind 58 Versammlungen und rund 750 Wahlkampfveranstaltungen mit etwa 32.000 Menschen bislang weitgehend störungsfrei geblieben. Konkrete Gefahren für Kandidierende sehen die Behörden derzeit nicht.
Vor Ort wird die Stimmung dennoch teilweise als angespannt wahrgenommen. Politiker sprechen von einer Zunahme der Vorfälle. Im Januar ist es etwa bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir in Metzingen zu einem Zwischenfall gekommen. Dabei ist ein brennender Gegenstand entdeckt worden. Die Ermittlungen laufen.
Auch die Linke berichtet von Problemen im ganzen Bundesland. Zahlreiche Fälle habe sie zur Anzeige gebracht. In Bad Cannstatt sei ein Parteibüro mit Eiern beworfen worden, außerdem ist von Beleidigungen und Bedrohungen die Rede.
Brennender Docht in einem Holzbalken Zwischenfall beim Wahlkampf mit Cem Özdemir in Metzingen
Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir war am Freitagabend in der Festkelter Metzingen zu Gast. Dabei ist ein brennender Gegenstand entdeckt worden. Laut LKA bestand keine Gefahr.
Reutlinger CDU-Direktkandidat mahnt zum gegenseitigen Respekt
Der Reutlinger CDU-Kreistagsabgeordnete und Direktkandidat Max Menton wandte sich mit einem öffentlichen Appell an die Bürgerinnen und Bürger. Man solle Haltung zeigen und sich klar zu Respekt, Fairness und demokratischen Anstand bekennen.
Jetzt ist der Moment, in dem wir zeigen müssen, dass unsere Gesellschaft stärker ist als Hass, Spaltung und Zerstörung.
Klar ist: Wer Wahlplakate beschädigt oder klaut, begeht kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat.