Trauernde können Verstorbenen Brief schreiben

Ein Grabstein mit Briefkasten? Wie ein Unternehmen im Land eine neue Form moderner Trauerbewältigung entwickelt hat

Ein Unternehmen aus Freudenstadt hat Grabsteine mit Briefkästen entworfen. Trauernde können den Verstorbenen schreiben und die Briefe einwerfen. Wie das der Seele helfen kann.

Teilen

Stand

Von Autor/in Enrico Ferrari

In einer Halle im Industriegebiet in Freudenstadt sind in einem Raum verschiedene Grabstein-Modelle ausgestellt. Hier beraten Tim Busam und Dominik Arnold Angehörige Verstorbener. Die Jungunternehmer verkaufen Grabsteine, die gleichzeitig als Briefkästen dienen. Alle Grabsteine haben einen Schlitz im oberen Drittel. Innen sind sie hohl. Die Briefe sollen im Stein sicher sein und sich mit der Zeit auf der Erde zersetzten. Sollte ein Grabstein aber einmal voll sein, ließe sich der Stein öffnen.

Grabsteinerfinder Tim Busam steht vor einem Mustergrabstein und zeigt wie man Briefe einwirft.
Tim Busam aus Freudenstadt hatte gemeinsam mit seinem Geschäftspartner die Idee für einen Grabstein mit Briefkastenfunktion. Hier führt er ein Muster vor.

Grabstein mit integriertem Briefkasten: Besonderes Ritual für Angehörige

Die Idee der Unternehmer aus Freudenstadt ist einfach: Angehörige sollen Nachrichten an ihre Verstorbenen schicken können. Laut Tim Busam ist der Verarbeitungsprozess, der durch das Schreiben entsteht, der entscheidende Punkt. "So entsteht auf dem Friedhof eine ganz neue Möglichkeit, es wird viel lebendiger". Durch das "von der Seele schreiben" fände vor allem ein Austausch mit sich selbst und eine Verarbeitung der eigenen Trauer statt, so der 28-Jährige.

Insgesamt 30 Briefkästen stehen mittlerweile auf Gräbern vor allem in Süddeutschland. Alle unterscheiden sich voneinander und sollen jeweils den Verstorbenen widerspiegeln. Einer der ersten Kunden war Busams Bekannter Uwe Lothspeich aus Elgersweier bei Offenburg. Mit 82 Jahren war der Vater Lothspeichs plötzlich verstorben. Ein Grabstein musste her.

Der Tod und die Trauer sind alles andere als leblos. Da passiert ganz viel.

Tim Busam steht an seinem Schreibtisch und entwirft am Computer einen neuen Grabstein. Er ist eigentlich Mediendesigner
Am Laptop ensteht ein neues Modell. In seinem Büro entwirft der studierte Mediendesigner aus Freudenstadt Tim Busan jeden Briefkasten-Grabstein individuell.

Corona-Pandemie bringt Unternehmer dazu, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen

Uwe Lothspeich bekam eines der ersten Modelle mit Briefkastenschlitz. "Der Stein war für meine Kinder eine Erleichterung." "Wenn man als trauernder Sohn sieht, dass die eigene Tochter den Opa vermisst und ihm dann etwas schreiben und einschmeißen kann, wusste ich, das war eine sehr gute Entscheidung".

Tim Busam und sein Kollege Dominik Arnold haben Mediendesign studiert. Im Studium haben sie erst wenig mit dem Thema Tod zu tun. Die Corona-Pandemie ändert das. In dieser Zeit erleben sie viele Abschiede unter schwierigen Bedingungen. Die Studenten beschäftigen sich in einem Projekt mit dem Thema Tod und besuchen Friedhöfe. Als sie Grabsteine genauer betrachten und recherchieren, werden sie stutzig. Ein Großteil der Steine stammt aus Übersee, sind oft sehr teuer und am Ende doch wenig individuell, finden die beiden. Tim Busam erkennt Potenzial und entwickelt die Idee zur eigenen Firma, die es seit 2024 nun in Freudenstadt gibt.

Ein grauer Grabstein mit Briefschlitz auf einem Friedhof in Deutschland.
Jeder Grabstein der Freudenstädter Unternehmer sieht anders aus. Eines haben alle gemeinsam: Einen Briefschlitz im oberen Drittel. allive GmbH
Münsingen

Tierische "Azubis" in Münsingen Ein Schnurren gegen die Trauer: Wie Kater Tom und Jerry im Friedwald trösten

Die beiden Kater Tom und Jerry sind aus dem Friedwald auf der Schwäbischen Alb nicht mehr wegzudenken. Sie haben sich in kürzester Zeit in die Herzen vieler Besucher geschmust.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

Rheinland-Pfalz

Neues Bestattungsrecht geplant Eric Wrede: Warum man sich mit seiner Bestattung beschäftigen sollte

Der Umgang mit dem Tod ist schwer und eine Bestattung kann zusätzlich Stress verursachen. Eric Wrede empfiehlt deshalb, sich vorab mit seinen Wünschen auseinander zu setzen.

Der Vormittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Alzey

Gemeinsam reden, weinen und lachen Gegen die Einsamkeit: Plauderbank auf dem Alzeyer Friedhof

Auf dem Friedhof von Alzey muss sich niemand alleine fühlen. Heike Lörcher-Denne, die Gemeindeschwester Plus von Alzey, hört allen auf einer Parkbank zu und hilft.

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Enrico Ferrari
Enrico Ferrari ist Reporter für Hörfunk, Fernsehen und Online beim SWR im Studio Tübingen.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!