In einer Halle im Industriegebiet in Freudenstadt sind in einem Raum verschiedene Grabstein-Modelle ausgestellt. Hier beraten Tim Busam und Dominik Arnold Angehörige Verstorbener. Die Jungunternehmer verkaufen Grabsteine, die gleichzeitig als Briefkästen dienen. Alle Grabsteine haben einen Schlitz im oberen Drittel. Innen sind sie hohl. Die Briefe sollen im Stein sicher sein und sich mit der Zeit auf der Erde zersetzten. Sollte ein Grabstein aber einmal voll sein, ließe sich der Stein öffnen.
Grabstein mit integriertem Briefkasten: Besonderes Ritual für Angehörige
Die Idee der Unternehmer aus Freudenstadt ist einfach: Angehörige sollen Nachrichten an ihre Verstorbenen schicken können. Laut Tim Busam ist der Verarbeitungsprozess, der durch das Schreiben entsteht, der entscheidende Punkt. "So entsteht auf dem Friedhof eine ganz neue Möglichkeit, es wird viel lebendiger". Durch das "von der Seele schreiben" fände vor allem ein Austausch mit sich selbst und eine Verarbeitung der eigenen Trauer statt, so der 28-Jährige.
Insgesamt 30 Briefkästen stehen mittlerweile auf Gräbern vor allem in Süddeutschland. Alle unterscheiden sich voneinander und sollen jeweils den Verstorbenen widerspiegeln. Einer der ersten Kunden war Busams Bekannter Uwe Lothspeich aus Elgersweier bei Offenburg. Mit 82 Jahren war der Vater Lothspeichs plötzlich verstorben. Ein Grabstein musste her.
Der Tod und die Trauer sind alles andere als leblos. Da passiert ganz viel.
Corona-Pandemie bringt Unternehmer dazu, sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen
Uwe Lothspeich bekam eines der ersten Modelle mit Briefkastenschlitz. "Der Stein war für meine Kinder eine Erleichterung." "Wenn man als trauernder Sohn sieht, dass die eigene Tochter den Opa vermisst und ihm dann etwas schreiben und einschmeißen kann, wusste ich, das war eine sehr gute Entscheidung".
Tim Busam und sein Kollege Dominik Arnold haben Mediendesign studiert. Im Studium haben sie erst wenig mit dem Thema Tod zu tun. Die Corona-Pandemie ändert das. In dieser Zeit erleben sie viele Abschiede unter schwierigen Bedingungen. Die Studenten beschäftigen sich in einem Projekt mit dem Thema Tod und besuchen Friedhöfe. Als sie Grabsteine genauer betrachten und recherchieren, werden sie stutzig. Ein Großteil der Steine stammt aus Übersee, sind oft sehr teuer und am Ende doch wenig individuell, finden die beiden. Tim Busam erkennt Potenzial und entwickelt die Idee zur eigenen Firma, die es seit 2024 nun in Freudenstadt gibt.