Das Bestattungsrecht in Rheinland-Pfalz soll moderner werden. Dazu wurde bereits eine Gesetzesnovelle vom Kabinett verabschiedet. Nun fehlt noch die Zustimmung des Landtags. Durch die Änderungen würden neue Möglichkeiten der Bestattung legal werden, beispielsweise die Nutzung der Asche für eine Schallplatte.
Als Bestatter und Trauerbegleiter ist Eric Wrede mit den verschiedenen und sehr persönlichen Wünschen der Menschen vertraut. Im Interview erklärt er, warum man sich rechtzeitig mit seiner Bestattung beschäftigen sollte.
Eric Wrede: Richtigen Zeitpunkt für Gedanken zur Bestattung nutzen
SWR1: Jeder stirbt irgendwann. Aber nur ganz wenige Menschen wollen über den eigenen Tod reden. Warum ist das eigentlich so?
Eric Wrede: Ich glaube, dass man schon Lust hat, darüber zu reden, es aber ganz häufig die richtigen Worte fehlen. Es wird immer sofort pastoral. Das ist das, was wir auch versuchen, anders zu machen. So schlimm die Geschichte ist, entspannt darüber zu sprechen. Das hilft, einen besseren Umgang damit zu bekommen und vielleicht auch besser zu wissen, was man möchte.
SWR1: Wie macht man das denn richtig?
Wrede: Ich glaube, dass es eher eine Zeit gibt, in der man darüber spricht, in der es vielleicht nicht akut ist, in der niemand im Krankenhaus ist und in der niemand gerade im Sterben liegt.
Dann kann man unbeeindruckt von den eigenen Gefühlen herausfinden, was brauche ich selbst, wenn jemand um mich herum stirbt? Was passiert eigentlich, wenn meine Mutter verstirbt? Was möchte ich dann? Was brauche ich dann? Darüber nachzudenken, während meine Mutter gerade stirbt, ist wahrscheinlich der denkbar schlechteste Zeitpunkt.
SWR1: Auch über das eigene Sterben nachdenken, wenn man selber noch topfit ist und die Situation ganz weit weg ist?
Wrede: Ich finde ja, aber gerne auf einem entspannten Level. Es geht nicht darum, dass jemand eine Trauerfeier par excellence durchdefinieren muss. Aber einmal zu sagen, "Hey Schatz, weißt du was? Ich will überhaupt nicht verbrannt werden", oder "Ich möchte unbedingt verbrannt werden". Oder "Ich finde Friedhöfe schrecklich. Ich wollte noch nie auf einen".
Allein diese Informationen hilft schon jeder Familie in der Trauersituation, sich ein bisschen mehr um sich selber kümmern zu dürfen und nicht darüber rätseln zu müssen, was hätte Papa eigentlich gewollt?
Wunsch nach Zeit mit der Urne
SWR1: Was war die ungewöhnlichste Beisetzung der letzten Zeit?
Wrede: [...] Ein Wunsch, der immer wieder auftaucht und den ich verstehe, ist, dass Familien in der Zeit zwischen Tod und Beisetzung sagen, wir hätten die Urne gerne bei uns. Das ist offiziell nicht erlaubt, aber immer wieder etwas, was bei uns Wunsch im Alltag ist. Zu sagen, wir wollen zwischendurch mal kurz Herr über die Urne sein, um danach aber auf den Friedhof zu gehen.
Gesetze variieren nach Bundesland und Land
SWR1: Es gibt Angebote, aus der Asche eines Verstorbenen eine Schallplatte pressen zu lassen. Ist so etwas jetzt schon offiziell erlaubt?
Wrede: Offiziell geht es natürlich nicht. Aber die Herstellung der Schallplatten findet in England statt, und dadurch geht es natürlich. Da kann aber auch alles drauf sein, von der Sprache, die aufgenommen wird, bis zur Musik.
Ganz häufig ist, dass Menschen, die wissen, dass sie sterben werden, eine ganze Geschichte einsprechen. Ein Märchen, das auf dieser Schallplatte drauf ist, wo dann ein paar Gramm meiner Asche mit in diese Schallplatte eingearbeitet werden.
SWR1: Sie müssen also einen grauen Weg gehen, denn offiziell ist das in Deutschland nicht erlaubt?
Wrede: In Deutschland nicht, aber wenn ich es in England mache, natürlich. Die Urne kann ihren Weg nach England finden. Das kann einem keiner verbieten. Das ist ein bisschen ähnlich, wie mit diesen Diamanten, die man sich pressen kann. Ganz offiziell ist es in den meisten Bundesländern nicht erlaubt, weil ich damit die Asche trenne. Die meisten machen es – es ist ein Graubereich, das muss man immer sagen. Aber wenn man das Gesetz ganz genau nimmt, ist die Asche unteilbar.
Familien sollten sich einig sein
SWR1: Es gibt auch Menschen, die so etwas geschmacklos finden. Was sagen Sie denen?
Wrede: Meine persönliche Antwort: Wen geht das irgendetwas an? Solange sich eine Familie und der verstorbene Mensch einig sind, glaube ich, dass das niemandem irgendetwas angeht.
Im besten Falle sind mehr Möglichkeiten da, die Menschen helfen, den Abschied zu bekommen, den sie wollen.
Gesetzesnovelle in Rheinland-Pfalz
SWR1: Glauben Sie, dass das geplante liberalisierte Bestattungsrecht in Rheinland-Pfalz letztlich dazu führt, dass das bald alles so frei läuft, wie Sie und Ihre Kunden sich das vorstellen?
Wrede: Ich hoffe natürlich, ja. Ich weiß aber auch, wie lang diese Prozesse sind und begonnene Liberalisierung gerne auch mal zurückschlägt, gerade wenn parteipolitisch die Meinungen sich mal ändern. Natürlich hoffe ich, dass das im Zweifel über Nachbarländer oder Nachbarbundesländer läuft. [...]
Ministerrat billigt Gesetzesnovelle Letzte Ruhe bald auch im Rhein oder daheim möglich
Rheinland-Pfalz bekommt ein neues Bestattungsrecht. Danach dürfen Angehörigen künftig die Asche ihrer Verstorbenen in einem Fluss bestatten oder in der Urne im Regal stehen haben.
Warum soll ich denn meine Mutter in Baden-Württemberg beerdigen, wenn ich nach Rheinland-Pfalz keinen langen Weg habe und ich dort vielleicht die Antworten finde, die ich gerne hätte? Meines Wissens ist zum Beispiel auch die Flussbestattung etwas, was in der Gesetzesnovelle steht, wie in der Schweiz. Da ist es schon möglich, dass an bestimmten Gebieten Asche in Flüsse eingebracht wird. Wie toll wäre das denn?
Da bricht auf jeden Fall das Abendland nicht zusammen. Sondern im besten Falle gewinnen wir alle, weil mehr Möglichkeiten da sind, die Menschen helfen, den Abschied zu bekommen, den sie wollen.