Beschäftigte bangen um ihre Zukunft

"Ich hänge nur noch ab" - CureVac-Mitarbeiterin berichtet über Stillstand

Nach der angekündigten Schließung von CureVac durch BioNTech steht der Standort Tübingen wohl weitgehend still. Eine Mitarbeiterin berichtet von Leerlauf und viel Unsicherheit.

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Von Autor/in Anne Schmidt

Die Schließung von CureVac in Tübingen sorgt für politische und wirtschaftliche Kritik und wohl auch für Stillstand im Unternehmen selbst. "Ich bin erleichtert, dass es jetzt raus ist", sagt eine Mitarbeiterin, deren Arbeitsalltag laut eigenen Angaben schon seit Monaten zum Erliegen gekommen ist.

Im Prinzip arbeite ich seit letztem Jahr, November, nicht mehr. Ich hänge nur noch ab.

Nach der Ankündigung der Schließung Anfang der Woche habe sich die Lage im gesamten Unternehmen verändert, berichtet sie dem SWR im Interview. Ein Großteil der Beschäftigten gehe derzeit keiner regulären Arbeit mehr nach. "Seit der Versammlung arbeiten 90 Prozent der Kollegen nicht mehr", sagt die Mitarbeiterin. Schon seit Monaten sei der Arbeitsalltag im Unternehmen nicht mehr normal. Mit der Zeit seien viele Abläufe schrittweise zum Erliegen gekommen. Statt regulärer Projektarbeit gehe es inzwischen vor allem darum, die Situation gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen zu verarbeiten und über die eigene Zukunft zu sprechen.

Stimmung kippte nach der Übernahme

Als BioNTech das Tübinger Unternehmen CureVac im vergangenen Jahr übernommen hatte, war die Stimmung im Unternehmen zunächst eher hoffnungsvoll. Diese habe sich im Verlauf der Monate jedoch zunehmend abgeschwächt. CureVac-Mitgründer Ingmar Hoerr, mittlerweile nicht mehr im Unternehmen, spricht im SWR Interview von einem gezielten "abgekartetem" Vorgehen. Auch die Gewerkschaft IGBCE kritisiert die Entscheidung in einer Stellungnahme scharf und wirft dem Konzern vor, kurzfristige Rendite Interessen über Beschäftigung und Standort zu stellen.

Der Forschungsstandort Tübingen steht vor der großen Frage, wie es nach dem CureVac-Aus weitergehen soll.
Was passiert mit dem Know-How und der Forschung nach der Schließung von CureVac? (Symbolbild) Beate Armbruster

"Alles vernichtet": Die Folgen für den Standort

Für die Region Tübingen bedeutet die Schließung einen deutlichen Einschnitt. Der Standort galt als einer der wichtigen Knotenpunkte der mRNA-Forschung in Baden-Württemberg, eng verbunden mit Universität und Biotech-Branche. Mit dem Rückzug von CureVac gehe nicht nur ein Unternehmen verloren, sondern auch über Jahre aufgebautes Wissen und laufende Forschungsarbeit, die nun nicht mehr weitergeführt wird. "Das wird einfach jetzt vernichtet", sagt die Mitarbeiterin mit Blick auf die Entwicklungen im Unternehmen.

In unseren Kühlschränken liegt ein Produkt, was direkt in die klinische Studie gehen könnte. Das wird jetzt alles vernichtet.

Warten auf das Abfindungsangebot

In Tübingen sind rund 700 Mitarbeiter von der Schließung betroffen. Viele Kolleginnen und Kollegen würden sich bereits neu orientieren, sagt die langjährige CureVac-Mitarbeiterin. Einige hätten schon Bewerbungen geschrieben oder Gespräche geführt, viele aber warteten zunächst auf die Abfindungsregelungen.

Alle wollen einfach BioNTech möglichst schröpfen, dass sie einfach dafür bezahlen müssen.

In den kommenden Monaten werde sich zeigen, wie schnell ein Neuanfang möglich ist. Sicher sei das für viele jedoch nicht.

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Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Anne Schmidt
Anne Schmidt ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.
Onlinefassung
Enrico Ferrari
Enrico Ferrari ist Reporter für Hörfunk, Fernsehen und Online beim SWR im Studio Tübingen.
Das Interview führte
Mia Zundel
Mia Zundel ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

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