SWR-Fasnetsmobil unterwegs in der Region

Das war der Schmotzige Donnerstag von Tuttlingen bis Tübingen

Die Stadt mit Schellen wecken, das Rathaus stürmen und Schüler befreien: In Tuttlingen, Stetten am Kalten Markt, Schörzingen, Spaichingen und Bühl ist es am Schmotzige närrisch zugegangen.

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Stand

Von Autor/in Klara Keuthen

Am Schmotzigen Donnerstag waren wieder die Narren los. In Tuttlingen ist am Morgen die Stadt geweckt worden, außerdem gab es Narrensuppe zum Frühstück. In Stetten am kalten Markt hat die Bockzunft die Albkaserne mit schwerem Geschütz gestürmt. Die Schörzinger Hexen sind im ganzen Ort beim Rußeln unterwegs gewesen. Und in Spaichingen sind die Schülerinnen und Schüler von der Schule befreit worden und haben sich am Marktplatz zum Deichelbohren versammelt.

Bühler Narrensprung

Mutig muss so mancher Narr in Bühl im Kreis Tübingen sein: Beim Narrensprung hüpfen vier Narrenfiguren, die Drotzer, mehrere Meter von einer Bogenbrücke aus in einen Bach. Immerhin landen sie weich - im Stroh. Das ist für sie aufgeschüttet worden. In diesem Jahr hat der Talbach besonders viel Wasser, das macht es den Drotzern schwerer. Sie springen übrigens mit Maske und mit jeweils einem anderen Symbol, das eine der vier Jahreszeiten symbolisiert. Darunter ein Schneemann. Am Abend, nach dem Narrensprung, wird das Rathaus gestürmt.

Die vier Drotzer, bunt bekleidete Narrenfiguren, beim Narrensprung in Bühl.
Beim Narrensprung hüpfen die vier Drotzer mehrere Meter von der kleinen Bogenbrücke hinunter in den Talbach.

OB Tralmer will "Albstadt great again" machen

Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer hat sich einen lustig-schrägen Social-Media-Gag erlaubt: Verkleidet als Donald Trump hat er per Dekret verkündet: "Make Albstadt great again." Mit Donald-Trump-Perücke und roter Basecap hat Roland Tralmer so getan, als wolle er sich ein paar Stadtteile der Nachbarstadt Balingen unter den Nagel reißen: Frommern, Dürrwangen und Stockenhausen sollen demnach künftig zu Albstadt gehören. Und das reicht ihm noch nicht: Die Eyach soll künftig "Albstadt River" heißen.  

Albstadts Oberbürgermeister Tralmer (CDU) mit Trump-Perücke und rote Kappe mit der Aufschrift "Make Albstadt Great Again".
"Make Albstadt great again" fordert Albstadts Oberbürgermeister Tralmer (CDU) angelehnt an den US-Präsidenten am Schmotzigen Donnerstag.

Balingen hat Tralmers Besitzansprüche gleich spielerisch gekontert. Oberbürgermeister Dirk Abel - verkleidet als Asterix - gibt sich als unbeugsamer Gallier. Er ruft den Bündnisfall Zollernalb aus und macht eine klare Ansage: Wir geben unser geliebtes Frommern, Dürrwangen und Stockenhausen niemals freiwillig auf und werden es mit aller Macht verteidigen. Dann hat Abel lachend Grüße nach Albstadt geschickt.

Närrischer Besuch im Studio Tübingen

Ein gutes Dutzend "Kittelschürzen" aus Unterjesingen hat am Nachmittag das SWR-Studio in Tübingen besucht. Mit Konfetti, Seifenblasen, Süßem und guter Laune hat die Gruppe die Redaktion aufgemischt.

Vorher hatten die Frauen Oberbürgermeister Palmer besucht und dessen Krawatte zerschnitten. Die Beute haben sie an ihre Kostüme gesteckt. Dabei fällt auf: Es handelt sich nicht um irgendeine Krawatte: Sie ist dunkelgrün mit goldenen Dackeln darauf. Genau so ein Exemplar, wie es AfD-Ehrenvorsitzender Alexander Gauland 2017 beim Einzug der AfD in den Bundestag getragen hat. Heute gilt sie als Erkennungszeichen der Neuen Rechten.

Tübingens OB hat sich wohl gezielt für dieses Accessoire entschieden: Er sagt, die einzig sinnvolle Verwendung dieser Krawatte sei es, abgeschnitten zu werden. Er habe sie mal zum Scherz geschenkt bekommen.

Narren haben Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer die Krawatte abgeschnitten. Es stellte sich heraus, dass Palmer extra dafür eine spezielle Krawatte angezogen hat: Die, die sonst Alexander Gauland (AfD) trägt.
Die närrischen Kittelschürzen-Weiber aus Tübingen-Unterjesingen tragen die Krawatte wie eine Trophäe.

Rathaussturm in Metzingen

Die Bauhofmitarbeitenden haben alles gegeben: Banner gespannt und sich mit Meterstäben bewaffnet. Gegen die Goischter Weisauen waren sie letztlich aber machtlos: Die närrischen Eindringlinge haben am Vormittag das Metzinger Rathaus (Kreis Reutlingen) gestürmt. Doch ganz ohne Gegenwehr ist die Übernahme nicht abgelaufen: Die Narren sind spielerisch gegen die Verwaltung angetreten - unter dem Motto "Glück und Zuversicht". Für Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh (parteilos) ist klar: "Wer heute im Schweinekostüm hier steht, der weiß doch längst, wie Glück wirklich geht."

Ein Narr mit Schweinemaske steht der Metzinger Rathauschefin Carmen Haberstroh, die ein grünes St. Patrick's-Kostüm trägt, gegenüber.
Da waren selbst die Bauhofmitarbeitenden machtlos: Die Goischter Weisauen nehmen das Metzinger Rathaus ein.

Schulfrei und Deichelbohren in Spaichingen

In Spaichingen (Kreis Tuttlingen) werden zuerst alle Schülerinnen und Schüler von den Narren vom Unterricht "befreit". Die Lehrerkräfte werden gefangen genommen und an langen Tauen auf den Marktplatz geführt. Dann beginnt das Spektakel: Aus vier Schulen treten jeweils zwei Lehrkräfte an, um ein Holzstück zu durchbohren.

Lehrer und Lehrerinnen aus Spaichingen müssen am Schmotzingen Donnerstag einen Baumstamm zu zweit durchboren. Gewinnen können Sie Ruhm und Ehre.
Schulfrei am Schmotzingen in Spaichingen: Beim Deichelbohren treten jeweils zwei Lehrkräfte aus vier verschiedenen Schulen gegeneinander an. Die Schülerinnen und Schüler feuern dabei an.

Das ist gar nicht so einfach: Der Stamm ist etwa 40 Zentimeter lang, mit einem Handbohrer wird gebohrt. Laut Steffen May, Präsident der Narrenzunft Deichelmaus, braucht es viel Technik, um schnell durch den Stamm zu kommen. Der Ehrgeiz ist groß, immerhin geht es um nichts Geringeres als die Ehre: Lehrerinnen und Lehrer werden von etwa 1.000 Schülerinnen und Schülern angefeuert. Wer gewinnt, bekommt den Pokal.

Schülerinnen und Schüler warten beim Deichelbohren in Spaichingen im Regen, während auf der Bühne gebohrt wird.
Beim Deichelbohren in Spaichingen im Zollernalbkreis schauen die Schülerinnen und Schüler auch bei schlechtem Wetter gebannt zu, während ihre Lehrkräfte um die Wette bohren.

Die Hexen sind los: "Rußeln" in Schörzingen

Verkleidete Menschen feiern zusammen Fasnet und haben dabei Kaminruß im Gesicht. Eine alte Tradition am Schmotzigen Donnerstag.
Ein bisschen Kaminruß im Gesicht: In Schörzingen am Schmotzigen Donnerstag tradition. Die Hexen rußeln heute jeden, den sie in die Finger kriegen.

In Schörzingen (Zollernalbkreis) wird es schmierig: Die Hexen sind los und rußeln. Das wird traditionell am Schmotzigen Donnerstag gemacht und gilt als einer der ältesten Fasnetsbräuche überhaupt.

Eine für die schwäbische Fasnet typische Hexe hält ein Tuch mit Kaminruß in der Hand, bereit es den Feiernden ins Gesicht zu schmieren.
Die Schörzinger Hexen sind am Schmotzingen Donnerstag traditionell mit Kaminruß unterwegs. Das kriegen alle ins Gesicht geschmiert, die den Hexen über den Weg laufen.

Dabei muss sich die freilaufende Bevölkerung in Acht nehmen, denn die Hexen schmieren den Leuten Kaminruß ins Gesicht. Sogar in die Häuser gehen sie dabei rein. 50 Hexen, aber auch freie Kostüme sind dabei. Gerußelt wird "bis Sonne untergeht“, so der Zunftmeister der Narrenzunft Schörzingen, Markus Bregenzer.

Bockzunft stürmt Albkaserne in Stetten am Kalten Markt

In Stetten am Kalten Markt (Kreis Sigmaringen) stürmen die Böcke die Albkaserne. Da geht’s immer heftig zur Sache – die Soldatinnen und Soldaten fahren schweres Geschütz auf. Wasserwerfer, Schilder und Schlagstöcke. Etwa 60 als Böcke maskierte Narren sind unterwegs. Die Widder-Masken spielen dabei eine große Rolle.

Der Bock trägt um den Hals eine alpine Glocke, deren Klang das charakteristische "Gschell" bildet. Begleitet werden die Böcke beim Sturm auf die Garnison von der Zunftkapelle, also der Feuerwehrkapelle. Wenn gestürmt wurde, gibt’s friedliches Frühstück im Casino der Kasernen und Stetten wird zur Bockstadt.

Die Bockzunft im Handgemenge mit den Soldatinnen und Soldaten der Albkaserne. Die Böcke wollen die Kaserne einnehmen.
Vor der Albkaserne geht's wild zu: Die Bockzunft versucht die Linie der Soldatinnen und Soldaten zu durchbrechen, um die Kaserne einznehmen.

Lärm und Rüschenhosen in der Tuttlinger Stadt

Zwischen sechs und sieben Uhr morgens sind die Narren bereits in Tuttlingen unterwegs gewesen: Mit einem Hemdglonkerumzug haben die Honberger Narren die Tuttlinger geweckt. Sie sehen zwar harmlos aus in ihren Nachthemden, aber der Lärm mit Glocken, Schellen und Topfdeckeln hat es in sich.

Am Schmotzingen Donnerstag wecken die Narren in Nachthemden um sechs Uhr morgens die Stadt. Der Narren-Nachwuchs darf auf der Schulter sitzen, während die anderen Narren trommeln.
Der jüngste Narr beim Tuttlinger Hemdglonkerumzug ist erst zwei Jahre alt. Er darf getragen werden, während die anderen Narren mit Trommeln und Schellen die Stadt Tuttlingen wecken.

Ihr jüngstes Mitglied: gerade einmal zwei Jahre alt. Immerhin hat es zur Stärkung anschließend Narrensuppe gegeben. Die Schülerinnen und Schüler werden heute vom Unterricht befreit und wollen das Rathaus stürmen.

Tuttlingen

Reinigung nach dem Umzug ist zu aufwendig Fasnet ohne Konfetti: Tuttlinger Narren müssen verzichten

Ist das Brauchtum oder kann das weg? Laut der Stadt Tuttlingen verursacht Konfetti zu viel Dreck. Einige Narren in Tuttlingen sehen das anders: Konfetti gehöre zur Fasnet dazu.

Konstanz

Ein Höhepunkt der Fastnacht 2026 "Schmotziger Dunschtig" - Narren befreien Schulen und stürmen Rathäuser

Am Bodensee und in Oberschwaben sind am Donnerstag die Närrinnen und Narren unterwegs. Erst weckten sie die Schlafenden, dann befreiten sie Schulen, unter anderem in Konstanz und Überlingen.

Rottenburg-Ergenzingen

Fasnet in Ergenzingen Lausbühlhexe Thea Breuling auch mit über 90 im Häs

Seit 67 Jahren gehört Thea Breuling zur Ergenzinger Fasnet. Auch mit bald 91 Jahren ist die Lausbühlhexe noch dabei - und denkt nicht ans Aufhören.

Landesschau Baden-Württemberg SWR BW

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Autor/in
Klara Keuthen
Klara Keuthen ist Reporterin für Social Media, Online, Hörfunk und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen .

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