Abstimmung am Sonntag

Bad Urach: Bürger verhindern Amazon-Verteilzentrum

Nach dem Bürgerentscheid in Bad Urach ist klar: Amazon darf sein Verteilzentrum auf einer Fläche von vier Hektar nicht bauen. Der Entscheid ist bindend wie ein Gemeinderatsbeschluss.

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Stand

Von Autor/in Harry Röhrle

Bei einem Bürgerentscheid in Bad Urach (Kreis Reutlingen) hat sich eine Mehrheit gegen ein Verteilzentrum von Amazon im Stadtteil Hengen ausgesprochen. Das vorläufige Ergebnis: 2.209 Menschen (52,5 Prozent) stimmten gegen das Verteilzentrum des Internetriesen, 1.995 dafür (47,5 Prozent). Das erforderliche Quorum von 20 Prozent wurde damit erreicht. Die Abstimmungsbeteiligung lag bei 44,9 Prozent.

Wie die Abstimmung zeigt, wollten viele Bad Uracher Amazon nicht in ihrem Ort haben. Sie fürchteten eine hohe Verkehrsbelastung und Schäden für die Umwelt. Außerdem kritisierten einige das Geschäftsgebaren von Amazon. So hatte sich eine Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung gegründet.

Der Bürgermeister von Bad Urach, Elmar Rebmann, hat das Ergebnis auf dem Marktplatz verkündet. Er und der Gemeinderat hatten sich für eine Ansiedlung von Amazon entschieden. Denn die Stadt hatte gehofft, dass der US-Riese mindestens 150 neue Arbeitsplätze direkt vor Ort schaffen und zusätzliche Steuereinnahmen in die Stadtkasse spülen würde.

Ein Banner gegen das Amazon-Verteilzentrum im Ortskern von Hengen.
Einige Bad Uracher, vor allem im betroffenen Stadtteil Hengen, wollten den Internetriesen Amazon nicht in ihrem Ort haben. Harry Röhrle

Amazon verteidigte sich gegen Kritik

Das Unternehmen Amazon hatte dagegen betont, es zahle hohe Löhnen und arbeite umweltfreundlich. Was bei Hengen entstehen sollte, sei kein Lager, nur ein Zentrum zum Verladen in Zustellfahrzeuge. In einem solchen Verteilzentrum werden Pakete für eine Region sortiert und von dort aus ausgeliefert. Das soll laut Amazon Transportwege verkürzen und Lieferungen beschleunigen.

Wie ein Amazon-Sprecher nach dem Entscheid mitteilte, bedauert man die Entscheidung gegen eine Ansiedlung. Auch wolle sich das Unternehmen für den konstruktiven Austausch bedanken. "Das Votum der Bürger:innen von Bad Urach respektieren wir und werden das Projekt nicht weiter verfolgen", so der Sprecher weiter. Jetzt gehe es darum, andere Möglichkeiten zu suchen, um "Netzwerk in der Region zu optimieren".

Bad Urachs Bürgermeister Rebmann, der Gemeinderat und Mitglieder der Bürgerinitiative hatten eine gemeinsame Lösung in der Debatte um den Internetriesen gesucht und gefunden: den Bürgerentscheid, der nun am Sonntag stattgefunden hat.

Auf diesem Feld sollte das Verteilzentrum von Amazon im Bad Uracher Stadtteil Hengen entstehen.
Das ist der Acker, der für das Amazon-Verteilzentrum vorgesehen war. Vier Hektar wollte der Online-Händler für sein Verteilzentrum. Harry Röhrle

Entscheidung ist bindend

Alle Bad Uracher ab 16 Jahren durften zur Wahlurne gehen und ihre Stimme abgeben. Da mehr als die erforderlichen 20 Prozent der Bürgerinnen und Bürger gegen die Ansiedlung von Amazon gestimmt haben, ist das Ergebnis nun bindend für die Stadtverwaltung.

Der Entscheid kann frühestens in drei Jahren abgeändert werden - wiederum durch einen Bürgerentscheid.

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Harry Röhrle
Harry Röhrle ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.
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Peter Binder
Peter Binder ist Reporter für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.
Sara Rehm
Sara Rehm ist Redakteurin bei SWR Aktuell Baden-Württemberg Online.

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