Tübinger Forscher untersuchen Haarproben

Kommt die europäische Wildkatze dem Menschen immer näher?

Wildkatzen in Deutschland passen sich zunehmend an den Menschen an. Das sagt ein Forschungsteam der Universität Tübingen.

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Von Autor/in Maren Seehuber

Was fressen Wildkatzen und wo leben sie? Das sollen Haarproben der Tiere zeigen. Ein Tübinger Team des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment erforscht die scheue Katze mit Tigerfell.

Lebensraum der europäischen Wildkatze ändert sich

Ursprünglich war die Europäische Wildkatze im Wald zu Hause. Heute ist das scheue Tier mit dem buschigem Ringelschwanz immer häufiger auf Landwirtschaftsflächen unterwegs, um zu jagen. Waldgebiete hängen immer seltener zusammen und es gibt zunehmend mehr Landwirtschaft. Dadurch verlasse die Katze immer mehr ihre Deckung, so das Forscherteam. Damit wachse auch die Gefahr, dass die dämmerungsaktiven Tiere auf Straßen überfahren werden.

Viele Informationen in den Haaren

Das Tübinger Forschungsteam untersucht bereits vorhandene Haarproben von Wildkatzen. Dafür konnten sie auf den Fundus des Phyletischen Museums Jena und des Senckenberg-Instituts zurückgreifen. Ursprünglich wurden die Haare mit harmlosen Klebefallen aus Baldrian gesammelt oder man nahm sie von Tieren, die von Autos getötet wurden, erklärt Forschungsleiter Chris Baumann. Über die Proteine in den Haaren können die Forscher herausfinden, was die Katzen fressen und ihren Lebensraum eingrenzen. Dabei fällt auf, dass die Wildkatzen zunehmend auf landwirtschaftlichen Flächen unterwegs sind.

In einem Haar steckt ein halbes Jahr Information.

Mit der Forschung könne man das Verhalten der Tiere über längere Zeit beobachten, so Chris Baumann. Da sich die Lebensräume durch den Menschen und den Klimawandel verändern, seien die Tiere gezwungen sich anzupassen. Andernfalls würden sie aussterben.

Zuletzt war der "Hornisgrinde-Wolf " in den Schlagzeilen, weil er dem Menschen zu nah kam. Wildkatzen seien mittlerweile auch schon in Städten aufgetaucht, zum Beispiel in Freiburg. Anders als der Wolf sind sie allerdings keine Bedrohung für den Menschen, sagt Baumann.

Eine Wildkatze beobachtet aufmerksam ihre Umgebung im Wald. Sie ist zunehmend in Menschennähe zu finden, so die Forschung aus Tübingen.
Die euopäische Wildkatze ist kaum größer als eine Hauskatze. Ihre tigerhafte Fellmusterung und das flauschige Fell sind ihr Markenzeichen. In Tübingen wird zu ihrem Verhalten geforscht.

In den Wäldern um Tübingen, im Rammert und im Schönbuch wurden Katzen gesichtet. Bei der Katze im Schönbuch sind sich die Forscher allerdings noch nicht sicher, ob es sich um die europäische Wildkatze handelt oder doch nur um eine verwilderte Hauskatze.

Wildkatzen sind seit 1935 geschützt

Früher durften sie gejagt werden, seit 1935 ist die europäische Wildkatze aber geschützt. In den letzten Jahrzehnten habe sie sich in Europa wieder ausgebreitet, sagt Baumann. Durch die Forschung in Tübingen sollen Wege gefunden werden, die nachtaktiven und standorttreuen Katzen besser zu schützen. Der nahe Kontakt zu Menschen und deren Hauskatzen können für die europäische Wildkatze dann gefährlich werden, wenn sie sich mit diesen fortpflanzt oder sich mit Krankheiten infiziert.

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Maren Seehuber
Maren Seehuber ist Reporterin für Hörfunk und Online beim SWR im Studio Tübingen.

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