Aus U-Haft entlassen

Sexuelle Übergriffe: Gericht spricht Fahrlehrer aus Kreis Sigmaringen teilweise frei

Ein Fahrlehrer war wegen sechsfacher Vergewaltigung einer Schülerin angeklagt. Das Landgericht Hechingen hat ihn in der Sache freigesprochen. Verurteilt wurde er dennoch.

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Von Autor/in Julia Klebitz

Das Landgericht Hechingen hat einen Fahrlehrer aus dem Kreis Sigmaringen vom Vorwurf der Vergewaltigung einer Schülerin freigesprochen. Der 42-Jährige wurde jedoch wegen sexueller Übergriffe und Belästigung anderer junger Frauen und Exhibitionismus zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Außerdem muss der Fahrlehrer eine Sexualtherapie machen.

Schülerin an Po gefasst

Der Mann hat laut dem Gericht unter anderem Schülerinnen während der Fahrstunden an den Po und an den Oberschenkel gefasst. Der Fahrlehrer wollte ihnen so laut eigener Aussage den Umgang mit der Kupplung zeigen.

Vor Nachbarin onaniert

Auf der Terrasse seiner Wohnung hat der 42-Jährige sich außerdem vor einer Nachbarin selbstbefriedigt, als die gerade den Müll herausbringen wollte.

Fahrlehrer sei nicht in bestem Licht erschienen

"Wir haben uns die Entscheidung nicht einfach gemacht", betonte der Vorsitzende Richter am Ende des mehrwöchigen Prozesses am Landgericht Hechingen. Der Angeklagte sei vor Gericht nicht in bestem Licht erschienen. Sowohl als Fahrlehrer als auch was sein Privatleben betreffe. Unter anderem klang an, dass der Mann schon einmal eine Affäre mit einer minderjährigen Fahrschülerin gehabt haben soll. Auch soll er laut Zeugenaussagen immer wieder mit Schülerinnen geflirtet haben. "Wir urteilen hier aber nicht über Ihren Charakter, sondern über das, was passiert ist", betonte der Richter.

Aussage gegen Aussage

Dass der 42-Jährige seine zum Tatzeitpunkt 17-jährige Fahrschülerin mehrfach vergewaltigt haben soll, sieht das Gericht nicht als ausreichend bewiesen an. Der Richter sprach von einer Aussage-gegen-Aussage-Situation.

Fahrlehrer bestritt Vergewaltigung von Anfang an

Schon am ersten Prozesstag im Juli hatte der Fahrlehrer unter Tränen beteuert: Er habe die 17-jährige Schülerin nicht vergewaltigt. Ja, er habe Sex mit der jungen Frau gehabt - mehrfach. Das räumte er im Prozess ein. Allerdings sei der Geschlechtsverkehr einvernehmlich gewesen. Der Fahrlehrer sprach von einer Affäre.

Schülerinnen erheben schwere Vorwürfe

Die ehemalige Schülerin sagte während des Prozess nicht öffentlich aus. Auch andere Schülerinnen des heute 42-jährigen Fahrlehrers erhoben Vorwürfe gegen den Mann. Die Belästigung sah das Gericht als erwiesen an, die Vergewaltigungen nicht. Die Schilderungen der Schülerin in nichtöffentlicher Sitzung hätten laut Richter zur Affärentheorie gepasst.

Fahrlehrer akzeptiert Urteil

Der Fahrlehrer will keine Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Die Staatsanwaltschaft wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern. Sie hatte eine Haftstrafe von acht Jahren und vier Monaten gefordert.

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Julia Klebitz
Julia Klebitz Reporterin SWR Aktuell Studio Tübingen Regionalbüro Albstadt

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