Der Schreck in Tübingen war groß: Vor Kurzem hat das Biotech-Unternehmen BioNTech angekündigt, man werde die Firma CureVac in Tübingen schließen. Dabei war CureVac erst im letzten Jahr von BioNTech übernommen worden. Bisher gibt es für CureVac und seine Beschäftigten kaum Perspektiven - außer Abfindungsangeboten im September. Jetzt lässt ein Interview mit dem Chef des US-Pharmakonzerns Moderna aufhorchen.
Moderna-Chef macht erste Aussagen
Wenn Moderna die richtige Partnerschaft mit der deutschen Bundesregierung finden könnte, wären die Produktionsstätten eine interessante Option - das sagte Moderna-Chef Stéphane Bancel am Mittwoch dem "Handelsblatt". Auch die Weiterbeschäftigung von BioNTech-Mitarbeitern, die von den Werkschließungen betroffen sind, sei in diesem Fall eingeplant.
Gespräche mit der Bundesregierung
Derzeit führe Moderna Gespräche mit der Bundesregierung über eine langfristige Zusammenarbeit. Bancel pocht dabei aber auf "bessere Rahmenbedingungen" und Planungssicherheit in Deutschland.
BioNTech hatte im Mai angekündigt, mehrere Standorte wegen der eingebrochenen Nachfrage nach dem Covid-19-Impfstoff zu schließen. Darunter neben Marburg und Idar-Oberstein auch den Standort von CureVac in Tübingen, den BioNTech 2025 übernommen hat.
CureVac-Beschäftigte machen sich wenig Hoffnung
Auf SWR-Anfrage äußerte sich BioNtech nicht zur Interessensbekundung des Moderna-Chefs. Man lote aber verschiedene Verkaufsoptionen aus, hieß es. Der Tübinger CureVac-Betriebsrat hat von dem möglichen Moderna-Interesse nur aus dem "Handelsblatt"-Bericht erfahren: "Wir haben keine Informationen, dass es in die Richtung geht. Zu uns hieß es nur: 'Man guckt nach Interessenten'", so der Betriebsratsvorsitzende Heiko Klever. Konkrete Namen von potentiellen Käufern seien nicht bekannt.
Die Beschäftigten machen sich keine Hoffnung auf eine schnelle Übernahme durch einen Interessenten, sagte eine Mitarbeiterin dem SWR am Mittwoch. Es sei gut, dass der Moderna-Chef investieren wolle, aber: "Das ist nichts, wo wir Juhu schreien, dass jetzt schnell Stellen gesichert werden", erklärte sie. Denn der Moderna-Chef habe sein Interesse ja mit Bedingungen verknüpft. Immerhin sei die Stimmung inzwischen wieder besser, die meisten hätten das "Tal der Tränen" überwunden.