Boris Palmer ist der drittbekannteste Politiker in Baden-Württemberg. Fast 40 Prozent der Menschen könnten sich den Tübinger OB in der Landespolitik vorstellen, ergab eine Umfrage von YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa. Am Tag ihrer Veröffentlichung treffen sich Özdemir und Palmer in Tübingen, lassen aber die Frage nach einer Beteiligung von Palmer bei einer möglichen grünen Landesregierung offen. Palmer war viele Jahre Mitglied der Grünen, trat nach einem innerparteilichen Zerwürfnis aber Anfang Mai 2023 aus.
Die beiden können miteinander. So der Eindruck, wenn der Bad Uracher Cem Özdemir mit dem Tübinger Boris Palmer unterwegs ist. In Tübingen ging es um Solarwärme und Klimaschutz, aber eigentlich interessierte nur die Frage: Wird Özdemir Politik-Kumpel Palmer nach Stuttgart holen? Vorausgesetzt, der grüne Spitzenkandidat gewinnt die Landtagswahl am 8. März und wird als Ministerpräsident mit der Regierungsbildung betraut.
Auf die Frage, ob er sich Palmer in seinem Kabinett wünschen würde, sagte er: "Das Fell des Bären wird nicht vor der Wahl verteilt." Palmer äußerte sich zurückhaltend zur Frage nach einem Wechsel nach Stuttgart. "Das Gerücht, dass ich jetzt auch im Winter bei offenem Fenster schlafe, um den Ruf aus Stuttgart nicht zu überhören, ist nachweislich falsch."
Nach Einschätzung von Beobachtern dürfte Palmer dem Spitzenkandidaten Özdemir helfen, bei der konservativen Klientel zu punkten. Immer wieder hat sich Palmer in der Vergangenheit migrationskritisch geäußert oder sich für Bürokratieabbau eingesetzt - Themen, mit denen die Grünen in der bürgerlichen Mitte punkten könnten.