Museumsdorf, Klosterbaustelle und römischer Gutshof

Ausflug in die Vergangenheit: Freilichtmuseen in der Region starten in die Saison

Es werden Gebäude gemauert, Lämmchen übers Gelände getrieben und die Schulbank gedrückt: Die Freilichtmuseen in der Region öffnen. Es gibt viel zu erleben.

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Von Autor/in Friederike Dauser

Egal wie das Wetter über die Kar- und Osterfeiertage wird: Die Freilichtmuseen in Baden-Württemberg starten wieder in die Saison. Es gibt viel - auch Neues - zu entdecken. Im Freilichtmuseum in Neuhausen ob Eck (Kreis Tuttlingen) dreht sich in diesem Jahr alles ums alte Schulhaus. Auf der Heuneburg bei Herbertingen (Kreis Sigmaringen) kann man auf den Spuren der Kelten wandern. In Hechingen-Stein (Zollernalbkreis) im Römermuseum wird bei einer Ausstellung das Skalpell gezückt. Und auf der mittelalterlichen Klosterbaustelle Campus Galli gibt es eine neue, süße Attraktion.

Tierpflegerin Mali vom Campus Galli hält ein kleines Lamm im Arm. Die Freilichtmuseen der Region starten in die Saison.
Vier kleine, schwarze Lämmer sind auf dem Campus Galli schon auf die Welt gekommen. Zwischen 15 und 18 Lämmer wird es laut Tierpflegerin Mali in diesem Jahr auf der mittelalterlichen Klosterbaustelle bei Meßkirch geben.

Campus Galli lockt mit tierischem Nachwuchs und baut fleißig weiter

Tierpflegerin Mali ist schon am ersten Tag der neuen Saison mit ihrer Schafherde auf dem Campus Galli unterwegs. Mit dabei: Vier erst wenige Tage alte Lämmchen. Noch etwas wackelig auf den dünnen Beinchen stapfen sie hinter ihren Müttern her und legen sich immer wieder müde ins Gras. Tierpflegerin Mali hat in dieser Saison jede Menge zu tun. Denn auch in den nächsten Tagen werden weitere Lämmchen auf die Welt kommen. "Wir schätzen so zwischen 15 und 18 wird es dieses Jahr geben," freut sich Mali.

Schafe, Tiere - Campus Galli einfach, das ist traumhaft!

Auf dem Gelände wird schon fleißig gearbeitet. Vor zwei Jahren haben die Handwerker eine große Fläche gerodet. Hier soll das bislang größte Gebäude auf dem Campus Galli entstehen: das Novizenkloster. In rund acht Jahren soll es fertig sein, erzählt Zimmermann Aurel. Auf der mittelalterlichen Baustelle wird gearbeitet wie im 9. Jahrhundert - ohne Baukran und Beton.

Auf der Baustelle des Novizenklosters sieht man schon die Zisterne und eine kleine Holzhütte.
Hier entsteht das Novizenkloster. Es wird einen Klausurbereich, eine Küche, ein Bad und einen Kreuzgang geben.

Auch sonst ist viel los auf dem Campus Galli in dieser Saison. Neben Mitmachaktionen, etwa an Ostern, kommen im Sommer Spezialisten aus Norwegen und Norddeutschland. Sie bemalen die Wände des Altarraums der Holzkirche mit frühmittelalterlichen Mustern. Im Herbst findet dann der Gallus-Markt auf dem Gelände statt.

Schulunterricht wie früher im Museumsdorf Neuhausen ob Eck

In Neuhausen ob Eck wird in diesem Jahr ein historisches Gebäude in den Mittelpunkt gerückt: das alte Schul- und Rathaus. Es gibt Ausstellungen, sogenannte Living-History-Angebote, und man kann auch selbst den Griffel in die Hand nehmen und Schulunterricht wie im Jahr 1914 miterleben.

An Ostern gibt es Spiele und Bräuche rund ums Fest. Außerdem: Im Mai ist Esel-Welttag. Dann kann man mit den beiden Museums-Eseln Nora und Amora übers Gelände spazieren. Im Oktober wird dann das große Museumsfest gefeiert. Bei der Kirbe gibt es auch einen Bauern- und Handwerkermarkt und einen historischen Jahrmarkt.

Der Dorfbrunnen des Freilichtmuseums Neuhausen ob Eck plätschert im sonnigen Herbstlicht vor sich hin.
Im Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck beginnt die Saison am 1. April.

Im Keltenmuseum Heuneburg bei Herbertingen startet die Saison am Mittwoch. Die Heuneburg liegt auf einer Ebene hoch über der Donau, bei klarer Sicht sieht man die Alpen. Ein Ort, dessen Lage die Kelten zu schätzen wussten. Vor mehr als 2.500 Jahren lebten sie dort in einer Siedlung. Heute kann man den Kelten nachspüren, einige Gebäude wurden nachgebaut. In der alten Zehntscheuer in Hundersingen sind Fundstücke ausgestellt. Die erste große Aktion diese Saison ist die Ostereiersuche am Ostermontag. Im August wird ein großes Keltenfest gefeiert.

Schon die alten Kelten liebten Bier

Zur Heuneburg gehört auch das Museum im Ortsteil Hundersingen. In diesem Jahr kann man dort etwas über Bier lernen: In der Ausstellung "Bier – ein Jahrtausende altes Kultgetränk“ geht es um die Geschichte des beliebten Gerstensaftes, vom Alten Ägypten bis zur Heuneburg.

Rekonstruierte Hütten und Gebäude im Keltenmuseum Heuneburg bei Herbertingen.
Auf der Heuneburg bei Herbertingen kann man rekonstruierte Gebäude aus der Zeit der Kelten anschauen.

Hechingen-Stein: Vom Mäuerchen zum Römermuseum

In die Zeit der Römer wird man in Hechingen-Stein entführt. Vor 55 Jahren hat Gerd Schollian in einem Waldstück ein Mäuerchen entdeckt. Er ist seit kurzem im Ruhestand. Das Römische Freilichtmuseum gibt es aber weiter. Es zieht jedes Jahr viele Besucher an. Die können die rekonstruierte Villa Rustica betreten: Es gibt eine Jupitergigantensäule, Handwerkerhäuser und eine Therme.

Gerd Schollian sitzt auf einer kleinen Mauer in einem Raum des Römischen Museums in Hechingen-Stein.
Gerd Schollian zieht sich mit nun fast 85 Jahren aus dem aktiven Geschehen im Römermuseum zurück. Seit dem 29. März ist das Römische Freilichtmuseum wieder geöffnet.

In dieser Saison gibt es eine Sonderausstellung zu antiker Medizin mit dem Titel: "Zwischen Göttern, Heilern und Skalpell". Im Oktober gibt es dann einen großen Thementag. Bei "Römer im Schein der Fackeln" lassen historische Gruppen aus verschiedenen Ländern die Zeit der Römer, Alemannen und Kelten wiederaufleben.

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Friederike Dauser
Friederike Dauser ist Reporterin und Redakteurin für Hörfunk und Online beim SWR im Studio Tübingen.

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