Ein Foto aus den sozialen Netzwerken sorgt für Aufsehen: Darauf sind zwei vermummte Personen zu sehen, die auf einem Baustellenkran an der Hochbrücke bei Horb am Neckar (Kreis Freudenstadt) in großer Höhe eine Deutschlandflagge hochhalten. Der Kran an der Hochbrücke ist nach Angaben der Polizei mehr als 100 Meter hoch - ein gefährlicher Ort für solche Aktionen.
Der "Schwarzwälder Bote" hatte die Polizei auf das Bild aufmerksam gemacht. Daraufhin begann die Polizei zu ermitteln. Ob das Foto überhaupt echt ist, wo es aufgenommen wurde und wann es entstanden ist, wird derzeit überprüft. Die Ermittlerinnen und Ermittler wollen damit klären, ob eine Straftat vorliegt.
Hat die Aktion an der Horber Hochbrücke einen politischen Hintergrund?
Noch ist offen, ob es sich um eine politische Aktion handelt. Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg beobachtet ähnliche Aktionen aber immer wieder. Dabei wurde laut einem Sprecher des Verfassungsschutzes ein Trend aus England übernommen. "Es werden Deutschlandfahnen an gut sichtbaren Orten platziert, wobei diese Aktionen gefilmt und anschließend in den sozialen Medien verbreitet werden", so der Sprecher.
Dazu werde oftmals der Hashtag "HissdieFlagge" verwendet, wie auch bei Flaggen-Aktionen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Mit diesen Aktionen soll der Stolz auf Deutschland ausgedrückt werden. Es handelt sich um eine Aktionsform, die keiner spezifischen Gruppierung zugeordnet werden könne. Allerdings sei diese Art von Aktion auch bereits von rechtsextremistischen Gruppierungen wie der "Identitären Bewegung" genutzt worden.
Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruch und warnt
Nach aktuellem Stand ermittelt die Polizei wegen des Anfangsverdachts auf Hausfriedensbruch. Ein Sprecher der Polizei sagte dem SWR, man prüfe, ob eine Straftat vorliegt. Denn wer ohne Erlaubnis eine abgesperrte Baustelle betritt oder technische Anlagen wie Kräne erklimmt, kann sich strafbar machen. Laut Strafgesetzbuch kann den Tätern eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr drohen.
"Auf jeden Fall warnt die Polizei eindringlich davor, auf Kräne oder auch Gebäude zu klettern", betont ein Sprecher der Polizei. Vor etwa einem Jahr ist an der Horber Hochbrücke ein tödlicher Unfall passiert, als eine Transportgondel mit Baustellenarbeitern abstürzte. Drei Personen kamen dabei ums Leben.