Illegale politische Aktion?

Unbekannte posieren auf 100-Meter-Kran an der Horber Hochbrücke

Ein Social-Media-Foto zeigt Unbekannte auf einem hohen Kran an der Baustelle der Hochbrücke bei Horb am Neckar. Die Polizei ermittelt. Gibt es einen politischen Hintergrund?

Teilen

Stand

Von Autor/in Lisamarie Haas Baum

Ein Foto aus den sozialen Netzwerken sorgt für Aufsehen: Darauf sind zwei vermummte Personen zu sehen, die auf einem Baustellenkran an der Hochbrücke bei Horb am Neckar (Kreis Freudenstadt) in großer Höhe eine Deutschlandflagge hochhalten. Der Kran an der Hochbrücke ist nach Angaben der Polizei mehr als 100 Meter hoch - ein gefährlicher Ort für solche Aktionen.

Der "Schwarzwälder Bote" hatte die Polizei auf das Bild aufmerksam gemacht. Daraufhin begann die Polizei zu ermitteln. Ob das Foto überhaupt echt ist, wo es aufgenommen wurde und wann es entstanden ist, wird derzeit überprüft. Die Ermittlerinnen und Ermittler wollen damit klären, ob eine Straftat vorliegt.

Hat die Aktion an der Horber Hochbrücke einen politischen Hintergrund?

Noch ist offen, ob es sich um eine politische Aktion handelt. Der Verfassungsschutz Baden-Württemberg beobachtet ähnliche Aktionen aber immer wieder. Dabei wurde laut einem Sprecher des Verfassungsschutzes ein Trend aus England übernommen. "Es werden Deutschlandfahnen an gut sichtbaren Orten platziert, wobei diese Aktionen gefilmt und anschließend in den sozialen Medien verbreitet werden", so der Sprecher.

Dazu werde oftmals der Hashtag "HissdieFlagge" verwendet, wie auch bei Flaggen-Aktionen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Mit diesen Aktionen soll der Stolz auf Deutschland ausgedrückt werden. Es handelt sich um eine Aktionsform, die keiner spezifischen Gruppierung zugeordnet werden könne. Allerdings sei diese Art von Aktion auch bereits von rechtsextremistischen Gruppierungen wie der "Identitären Bewegung" genutzt worden.

Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruch und warnt

Nach aktuellem Stand ermittelt die Polizei wegen des Anfangsverdachts auf Hausfriedensbruch. Ein Sprecher der Polizei sagte dem SWR, man prüfe, ob eine Straftat vorliegt. Denn wer ohne Erlaubnis eine abgesperrte Baustelle betritt oder technische Anlagen wie Kräne erklimmt, kann sich strafbar machen. Laut Strafgesetzbuch kann den Tätern eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr drohen.

"Auf jeden Fall warnt die Polizei eindringlich davor, auf Kräne oder auch Gebäude zu klettern", betont ein Sprecher der Polizei. Vor etwa einem Jahr ist an der Horber Hochbrücke ein tödlicher Unfall passiert, als eine Transportgondel mit Baustellenarbeitern abstürzte. Drei Personen kamen dabei ums Leben.

Horb am Neckar

Ermittlungen gegen Kranführer Tödlicher Gondel-Unfall in Horb: Gutachten schließt technische Ursache aus

Nach dem tödlichen Gondel-Absturz in Horb verdichten sich die Hinweise auf menschliches Versagen. Ein Gutachten hat keine technischen Mängel festgestellt.

Horb

War es menschliches Versagen? Gondel-Unfall mit drei Toten in Horb: Strafverfahren gegen Kranführer eingeleitet

Nach dem tödlichen Gondel-Absturz an der Hochbrücke in Horb liegen inzwischen Hinweise auf menschliches Versagen vor. Das haben Staatsanwaltschaft und Polizei mitgeteilt.

Horb am Neckar

Verkehrsminister besucht Unfallstelle Nach Unfall an Hochbrücke: Horber trauern um verunglückte Bauarbeiter

Nach dem tödlichen Unfall dreier Männer an der Brückenbaustelle in Horb sind die Menschen geschockt. Die Gondel, in der die Bauarbeiter waren, war aus großer Höher abgestürzt.

SWR4 am Nachmittag SWR4

Erstmals publiziert am
Stand
Autor/in
Lisamarie Haas Baum
Lisamarie Haas Baum ist Reporterin für Hörfunk, Online und Fernsehen beim SWR im Studio Tübingen.

Unsere Quellen

Transparenz ist uns wichtig! Hier sagen wir Ihnen, woher wir unsere Infos haben!