Mit fünf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen haben die 54 anwesenden Kreistagsmitglieder am Montagabend den Bau des Zentralklinikums Zollernalb beschlossen. Im Februar 2024 hatte der Kreistag schon einmal beschlossen, dass an der Bundesstraße bei Balingen-Dürrwangen ein Zentralklinikum gebaut wird - damals allerdings unter Vorbehalt der Finanzierung. Am Montag musste er deshalb nochmal über das geplante Krankenhaus abstimmen.
Viele Zuhörer bei Sitzung in der Balinger Stadthalle
Es war eine Entscheidung, die viele im Kreis bewegt. Nicht nur die Kreisräte hörten sich in der Balinger Stadthalle die neuesten Informationen zu den Kosten und dem Aufbau des künftigen Krankenhauses an. Auch zahlreiche Zuhörer waren gekommen - darunter viele Mitarbeiter des jetzigen Zollernalb Klinikums.
Nach aktuellen Berechnungen soll das neue Zentralklinikum 380 Millionen Euro kosten - 20 Millionen Euro weniger als zuletzt angenommen. Sparen will der Kreis nicht am Klinikum selbst, sondern neben dem künftigen Zentralklinikum. Auf dem Gelände waren eigentlich Wohnungen für Mitarbeiter und eine Betriebs-Kita geplant. Diese Pläne sind laut Kreisverwaltung jetzt erstmal "zurückgestellt". Möglicherweise würden die Wohnungen und der Kindergarten später noch gebaut.
Erstmal keine Wohnungen und keine Kita neben Klinik
Mit ein Grund, weshalb die Mitarbeiterwohnungen erstmal nicht eingeplant sind: Das Zollernalb Klinikum baut in Balingen derzeit schon an anderer Stelle Wohnhäuser für Krankenhausmitarbeiter. Wer in diesen Wohnungen wohnt, wird künftig mit dem Auto oder dem Bus zum neuen Zentralklinikum fahren. Noch uneinig ist man sich, ob Autos, Busse und auch Rettungswagen über eine Ampelkreuzung, einen Kreisverkehr oder eine Rampe ins Klinikum gelangen werden. Es handele sich um einen nicht zu unterschätzenden Punkt, wie mehrere Kreitagsmitglieder betonten. Stau und Wartezeiten seien immerhin sicherheitsrelevant für die Patienten. Möglicherweise müsse man höhere Kosten für die Anbindung in Kauf nehmen.
Finanzierung wird Herausforderung für Kommunen
Die Kosten des Zentralklinikums werden in den nächsten Jahren alle Gemeinden und Städte im Kreis fordern - darüber sind sich die Kreistagsmitglieder einig. Die große Mehrheit sieht dennoch keine Alternative zum Zentralklinikum zwischen Balingen und Albstadt, wenn man die rund 200.000 Menschen in der Region bestmöglich medizinisch versorgen wolle. Alle medizinischen Leistungen an einem Standort zu bündeln, stärke nicht nur Qualität und Wirtschaftlichkeit, heißt es auch in den Unterlagen zur Sitzung. Es sei, bezogen auf die Gesetzgebung und die Krankenhausfinanzierung, die einzige tragfähige Lösung.
Hechingens Bürgermeister Hahn stimmt dagegen
Auch Hechingens Bürgermeister Philipp Hahn (CDU) sprach sich für ein zentrales Krankenhaus im Zollernalbkreis aus. Er stimmte dennoch, wie vier weitere Kreistagsmitglieder, gegen den überarbeiteten Baubeschluss. Als Gründe gab Hahn unter anderem die geplante Regionalstadtbahn an, die den Kreis und die Gemeinden ebenfalls finanziell herausfordern würden.
Künftig soll es einen eigenen Bauausschuss für das geplante Zentralklinikum Zollernalb geben. Der Ausschuss wird darüber entscheiden, wie bestimmte Aufgaben auf der künftigen Krankenhausbaustelle vergeben werden. Ab Kosten von zehn Millionen Euro entscheidet aber weiterhin der gesamte Kreistag.
Baubeginn im Frühjahr 2026
Kommendes Frühjahr sollen die Arbeiten auf dem künftigen Klinikgelände bei Balingen-Dürrwangen beginnen. 2030 soll das Krankenhaus dann fertig sein und 2031 in Betrieb gehen. Solange werden die beiden Standorte des Zollernalb Klinikums in Balingen und Albstadt weiterbetrieben.